LUXEMBURG
NIC DICKEN

Sie wollten es wissen, sie haben es erfahren. All jene, die in den vergangenen Wochen geglaubt hatten, ihr angeblich verbrieftes Recht auf den „wohl verdienten“ Urlaub in fremden Gefilden auch gegen die nach wie vor großen Ansteckungsrisiken durchsetzen zu können, haben in den letzten Tagen feststellen müssen, dass es keinen wirklich sicheren Ort gibt, an dem man entspannt und sorglos einige Ferientage verbringen könnte. Das Corona-Virus schert sich weder um die Entzugserscheinungen von Sonnenanbetern noch um den Frust von Partylöw*innen, die ohne zünftige Fiesta im Kreis von Dutzenden gleich gesinnter Hedonisten nur ja kein feucht-fröhliches Treffen auslassen zu können geglaubt hatten.

Covid 19, oder „Kung Flu“, wie ein an geistiger Unterernährung leidender, in seiner Amtszeit wahrscheinlich eher beschränkter US-Präsident immer noch spaßen zu können glaubt, hat offenbar nur wenig Humor. Schon gar nicht schert sich das vor etwa sechs Monaten noch weitestgehend unbekannte und ignorierte Virus um die Befindlichkeit von Menschen, denen der eigene Genuss, die Befriedigung eigener Ansprüche gegen alle geforderte Vernunft, zum alleinigen Lebensinhalt geworden sind. Viele von denen, die geglaubt hatten, der möglicherweise tödlichen Gefahr durch Verlagerung ihrer Spielwiese entgehen  zu können, sind ins offene Messer gelaufen. 

Ende der „Spaassgesellschaft“, wie es ein früherer luxemburgischer Premierminister schon mal formuliert hatte?

Nicht unbedingt! Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Je stärker wir darauf hinarbeiten, dass das Virus aus unserem täglichen Leben verschwinden möge, desto entschlossener sollten wir die dafür erforderlichen Schritte tun und uns in Geduld üben, anstatt schnellstmöglich dem vermeintlich angestauten Frust freien Lauf zu lassen und in alte Verhaltensmuster zurückzufallen, die nachweislich nur der Bedrohung in die Hand gespielt haben. Die fehlende Geduld bei der Bewältigung der ersten Welle wird sich im Verlauf der zweiten Welle schmerzlich auswirken, ob uns das nun gefällt oder nicht.

Es mutet fast wie eine Ironie des Schicksals an: Nach der Après-Ski-Party-Szene von Ischgl im  Winter hat sich das Corona-Virus nun für den Sommerurlaub eine neue Ausgangsbasis gesucht: St. Wolfgang am gleichnamigen malerischen See mit seiner Bilderbuch-Kulisse, wo die Walzer-Stimmung schon in den nächsten Tagen in Trauermarsch-Atmosphäre umzukippen droht.

Durch die sehr früh erfolgte Lockerung der Beschränkungsmaßnahmen, einschließlich der Öffnung der Grenzen für betuchte europäische Touristen – warum nicht auch jene „Touristen“ aus den Rettungsbooten auf dem Mittelmeer? – hatte die Alpenrepublik am Fuß des Großen Kaiser ein denkbar gefährliches Signal gegeben. Die Seeterrassen am Wolfgangsee wurden frist- und fremdenverkehrsgerecht hergerüstet, noch ehe die richtigen Lehren aus Ischgl gezogen waren.

Covid-19 versteht keinen Spaß.