LUXEMBURG
MARCO MENG

Schwellenländer werden für Anleger immer interessanter

Kevin Barker, Aktienspezialist und Managing Director des Aktien-Teams bei UBS Asset Management weist darauf hin, dass das, was wir in diesem Jahr gesehen haben, der größte Zufluss an Investitionen in die Aktien von Schwellenländern war, den es je gab. Ende Mai waren es 30 Milliarden US-Dollar gewesen. Gründe dafür gibt es unterschiedliche, einer der Hauptgründe dürfte sein, dass die Märkte der Schwellenländer „fundamentale Verbesserungen“ zeigten, wie Barker sagt. Das mache diese Märkte nun äußerst attraktiv für Anleger.

Was sind die attraktivsten Länder?

Kevin Barker China ist nach wie vor interessant, vor allem auch, weil sich das Land derzeit im Transformierungsprozess hin zu einer Dienstleistungswirtschaft befindet. Die neuen Wirtschaftssektoren zeichnen sich dabei durch starkes Wachstum aus, und auch die Mittelklasse in China wächst deutlich. Das schafft Investitionsmöglichkeiten. Indien hingegen hat momentan wohl die am stärksten wachsende Wirtschaft, allerdings muss man dabei bedenken, dass die indische Wirtschaft nur etwa ein Fünftel der von China ist. Es ist also für Indien noch ein weiter Weg zurückzulegen, um China an Produktivität zu erreichen. Beide, China wie Indien, sind große Zugpferde der Schwellenländer, in denen wir attraktive Investitionschancen sehen. Bemerkenswert ist aber auch der Wandel zum Positiven, der sich in Brasilien und Russland zeigt. Beide befanden sich in tiefer Rezession, aus der sie nun zurückkehren.

Wann wird Indien China erreichen?

Barker Na ja, das ist nicht leicht zu sagen, aber es wird definitiv lange Zeit dauern, auch wenn Indiens Wachstumszahlen mit mehr als sieben Prozent inzwischen höher sind als die Chinas mit rund sechs Prozent.

Ist es denn schwer oder leicht, beispielsweise in China zu investieren?

Barker In den Offshore-Markt Chinas lässt sich leicht investieren; Schlüssel wird sein, wenn sich Chinas Festlandmarkt den Investoren öffnet. Das wird eine große Veränderung bedeuten, denn dieser Markt ist so groß wie der Offshore-Markt. Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Schwellenländer in den nächsten zwanzig Jahren auf etwa ein Fünftel in den globalen Aktienindizes ansteigen wird, auch angetrieben von der zunehmenden Öffnung des chinesischen Festlandmarktes. Ein solches Investmentpotenzial kann man nicht ignorieren. Derzeit besteht ein Schema, wie man über die Börse Hong Kong direkt ins chinesische Festland investieren kann, und wir gehen davon aus, dass dieses Regime mit der Zeit erweitert wird. Über kurz oder lang vielleicht auch ein unbeschränkter Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt.

Abgesehen von diesen Großen, gibt es auch „hidden champions“?

Barker Indonesien und Malaysia zeigen mit rund vier bis sechs Prozent ein ordentliches Wachstum und haben auch gute demographische Zahlen.
Was sind Ihrer Meinung nach die interessanten Wachstumssektoren?

Barker Langfristig gesehen sind vor allem Konsumgüterindustrie, Gesundheit und Technologie interessant. Das sind auch die Sektoren, die vom Wandel hin zu mehr dienstleistungsgeprägten Gesellschaften profitieren werden. Momentan ist auch der Finanzsektor der asiatischen Schwellenländer für Investoren interessant.

Aber es wird doch von einer Kreditblase in China gesprochen?

Barker Wir haben das natürlich untersucht, und wir sehen da weniger Risiken als kolportiert wird. Wir eruieren keine Blase und erwarten da auch keine drohenden Schwierigkeiten, obwohl wir selbstverständlich das Geschehen im Auge behalten.

Wie aber investiert man am besten in die aufstrebenden Schwellenländer?

Barker Das beste Mittel ist, diversifizierte Investmentfondsanteile zu kaufen mit einem Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren. Hier machen in den Schwellenländern aktiv gemanagte Fonds den Unterschied, wie wir auch an unseren eigenen Fonds, die dort investieren, sehen. Ihre Performance ist deutlich besser als der allgemeine Aktienindex.