LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft für Betreiberin des „Le Splendid“

Das war es mit der Heile-Welt-Idylle: Am vergangenen Donnerstag forderte die Staatsanwaltschaft Luxemburg die definitive Schließung des stadtbekannten Nachtclubs „Cabarett Le Splendid“ in Luxemburg. Das Traditionshaus steht kurz vor der Schließung. Die Anklagevertreterin hielt im Plädoyer mit ihren Worten nicht hinter dem Berg und forderte außerdem drei Jahre Haft für die Betreiberin Laurette B. sowie ein Ausschankverbot auf Lebenszeit. B. wird Anstiftung zur Prostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

Resolute Nachtclub-Chefin

In diesem Edel-Nachtclub sollen junge Frauen unter der resoluten Kontrolle ihrer Chefin B. freiwillig oder unfreiwillig solventen Kunden charmant zu Diensten gewesen sein - für teueres Geld, versteht sich. Da hätten sich betuchte Kunden in weibliche Schönheiten verguckt, ohne die Schattenseite des Kostenpunkts betrachten zu müssen.

Geschwelgt wurde in Plüsch, Seide und Champagner. Überaus wohlhabende und einflussreiche Kunden sollen Tausende von Euros für eine Nacht bezahlt haben. Die Betreiberin soll dabei 3.000 bis 4.000 Euro pro Mädchen von den interessierten Kunden kassiert haben.

„Les clients payaient beaucoup pour passer du bon temps avec les femmes“, meinte die Anklagevertreterin. Die psychologische Präsenz der Betreiberin sei so stark gewesen, dass keine Animierdame es wagte gegen die Chefin aufzumucken.

Darum klingt es fast nostalgisch, wenn trotzdem jemand sein Missfallen in diesem Rotlichtmilieu zum Ausdruck bringt, denn nur selten scheinen unangenehme Zwischenfälle die Stimmung im Nachtclub „Cabaret Le Splendid“ getrübt zu haben. Zusehends ändern sich jedoch die Zeiten. Die Sitten sicherlich nicht.

Schon 2007 und 2010 kamen solche Fälle vor Gericht. Angeklagt wegen Prostitution und Zuhälterei war der Besitzer des „Cabaret Le Splendid“, Jos H., stadtbekannt als „roi de la nuit“.

Klage wegen Falschaussage

Doch der ehemalige „König der Nacht“ ist seitdem aus dem Dossier. Denn er leidet nach ärztlichem Gutachten unter Demenz. Seitdem ist Laurett B. die zuständige Betreiberin des elegant ausgestatteten Nachtclubs.

B. war am Donnerstag nicht in der Verhandlung. Prompt informierte ihr Verteidiger, Me Roland Michel, das Gericht über die Verhandlungsunfähigkeit seiner Mandantin und legte ein ärztliches Attest vor. „Une peine d’emprisonnement ferme“ sei für seine Mandantin inadäquat, meinte Me Roland Michel.

Was das Gericht allerdings nicht davon abhielt, trotzdem mit der Verhandlung fortzufahren. Allerdings drohte der Verteidiger einer Animierdame am Donnerstag mit einer Klage wegen Falschaussage. Der zivile Ankläger, Me Yves Altwies, forderte seinerseits von der Betreiberin insgesamt 10.000 Euro für seine Mandantin - pour atteinte à la dignité, wie Me Altwies ausführte.


Das Urteil wird voraussichtlich am 18. Dezember verkündet