LUXEMBURG
SVEN WOHL

Jugendliche wie Erwachsene leiden unter der Informationsflut - Lösungsansätze und Denkanstöße

Nach dem Austausch zwischen den Schülern und den professionellen des Bildungssektors war die Bilanz ernüchternd. Jugendlichen fehlten die Kompetenzen und Ressourcen, um einschätzen zu können, ob Informationen objektiv sind oder nicht. Im Bildungssystem spiele die Vermittlung der Medienkompetenz eine zu geringe Rolle und würde zu spät beginnen. Dies erklärte Kyra Fischbach, die gestern die Resultate des Austauschs im Rahmen der „Assises de l’Information Jeunesse“ präsentierte und die Diskussion moderierte. Relativ schnell wurde klar: Jugendliche zu informieren ist kein Selbstzweck, sondern eine wesentliche gesellschaftliche Aufgabe. Denn aus den Jugendlichen sollen später kritische, selbstständige Bürger werden, die fähig sind, wesentliche Informationen zu erkennen, diese zu verarbeiten und entsprechende Entscheidungen treffen zu können.

Jugendgerechtere Sprache und Werkzeuge

Dass aktuell ein Überfluss von Informationen und Informationskanälen existieren, macht die Angelegenheit nur komplexer und vielschichtiger. Dies stimmt nicht nur für die jüngeren Generationen, sondern auch für die älteren, deren Aufgabe es unter anderem ist, die nachkommenden Generationen auf die Zukunft und ihr Leben innerhalb der Gesellschaft vorzubereiten. Im Dschungel der sozialen Netzwerke, Applikationen, verschiedener Quellen und Rechte geht die Übersicht jedoch schnell verloren. Deshalb spiele auch die Ausbildung des Lehrpersonals eine wichtige Rolle. Dies stimme sowohl für den formalen Bereich wie auch für den nicht formalen Bereich. Bereits in den Schulen muss Einigkeit herrschen, wo diese Medienkompetenz gelehrt werden soll und in welcher Form.

Obwohl Schulen und paraschulische Bildungsangebote, wie etwa Jugendhäuser, hier zusammenarbeiten sollten, stellten die Betroffenen fest, dass dies nicht immer der Fall sei. Doch die Jugendlichen und andere Teilnehmer brachten einige Lösungsansätze mit. Eine Applikation sollte geschaffen werden, wo Zeitungsartikel in einer einfacheren Sprache für Jugendliche aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden. Auch ein Methodenkoffer mit Informationsmaterial, das sich konkret an den Alltag der Jugendlichen richtet, könnte hier Abhilfe verschaffen.

Oft würden die Jugendlichen auch feststellen, dass nicht die nötige Informationsqualität bestehen würde. Viele Professionelle aus dem Bereich würden nicht die nötige Motivation aufbringen oder seien schlicht nicht für diese Aufgabe ausgebildet worden. Dazu käme, dass viele Jugendliche gegensätzliche Informationen erhalten würden, womit unter dem Strich viel Zeit verloren gehen würde.

Informieren und Freiräume bieten

Das Echo der anwesenden Abgeordneten spiegelte diese Erfahrungen teils wieder. Djuna Bernard (déi gréng) stellte ihrerseits fest, dass die Medienkompetenz nicht früh genug vermittelt würde. Viele Jugendliche hätten ihre ersten Erfahrungen mit dem Internet bereits gemacht, ehe sie im Bildungssystem darauf vorbereitet werden. Es reiche außerdem nicht aus, den Schülern Werkzeuge zu reichen, die Schüler müssten auch lernen, mit Informationen umzugehen. Carole Hartmann (DP) vermisste die Rolle der Eltern in der Diskussion. Diese wüssten oft selbst nicht, wie die Informationsflut zu meistern sei. David Wagner (déi Lénk) betrachtet das Problem auch aus einer sozialen Perspektive und legt den Fokus unter anderem auf Klassenprivilegien. Die Frage, wie dieses Problem bürokratisch und technisch angegangen werden soll, sei in ihrer Beantwortung kompliziert. Auch, weil schnell Erinnerungen an die Mahnungen Orwells hochkommen.

Neben den Politikern kamen in der Diskussion mit dem Publikum auch zahlreiche Personen aus dem Bildungsbereich zu Wort. Sie zeichneten in ihren Schilderungen ein komplexes Bild. Teilweise würden die Jugendlichen mit so vielen Angeboten zubombardiert werden, dass diese gar nicht zur Ruhe kämen. Dabei bräuchten diese auch Pausen, um sich entwickeln zu können. Freiräume müssten hierfür bereitgestellt werden. Der Tunnelblick einiger Organisationen in diesem Bereich müsse abgebaut und die grenzübergreifende Zusammenarbeit gestärkt werden.