LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ist die Mosel ist zu schmal für moderne Flusskreuzfahrtschiffe?

Im Schatten der großen Brüder, die im Namen von Carnival Cruises und AIDA auf den Weltmeeren unterwegs sind, werden auch die räumlich kleinen der Branche immer populärer. Flusskreuzfahrten erleben einen Boom. Der Markt wächst ständig und mit ihm auch die Schiffe, ebenso steigt die Qualität des Angebotes. Nicht umsonst ist einer der weltweit renommiertesten Konstrukteure von Mega-Kreuzfahrtschiffen, die Meyer-Werft in Papenburg, in den Bau von Flusskreuzfahrtschiffen eingestiegen. Am Standort Rostock und auch bei Werften anderer Hersteller entstehen Kabinenschiffe für Europas Flüsse, die immer größer werden und bereits die Marke von 110 Metern Länge überschritten haben.

Auf den ersten Blick scheint das eine Entwicklung zu sein, die nichts mit Luxemburg zu tun hat. Auf den zweiten Blick stellt sich die Sache anders dar und beschäftigt schon seit ein paar Jahren Politik und Planungsbehörden in Luxemburg und Deutschland. An dieser Stelle muss man auf die völkerrechtliche Besonderheit der luxemburgischen Mosel hinweisen. Es gibt eigentlich keine „luxemburgische“ Mosel, sondern nur eine „luxemburgisch-deutsche“ Mosel. Zwischen Wasserbillig und Schengen gehört die Mosel in voller Breite zu beiden Staaten - der Fluss ist ein Kondominium. Diese Regelung geht auf den preußisch-niederländischen Grenzvertrag in der Folge des Wiener Kongresses von 1815 zurück.

In einer parlamentarischen Anfrage zum Thema Flusskreuzfahrten macht der liberale Abgeordnete und Bürgermeister von Mondorf, Lex Delles, auf Probleme aufmerksam, die sich aus der immer größeren Länge der Binnenkreuzfahrer ergeben. Seinem Informationsstand nach können die Binnenschiffe mit einer Länge von mehr als 115 Metern überhaupt nicht auf der Mosel oberhalb von Trier wenden und daher auch keine luxemburgischen Ziele anfahren. Seiner Meinung nach hat das negative Folgen für den Tourismus in Luxemburg.

Von Infrastrukturminister François Bausch und Wirtschaftsminister Etienne Schneider wollte Delles wissen, ob seine Informationen richtig sind, ob die Politik daran denkt eine Wendestelle zu schaffen und ob der Fluss- und Wassersporttourismus in Zukunft speziell gefördert wird.

Die gemeinsame Antwort der beiden Ministerien fällt detailliert und umfangreich aus, unter anderem auch durch die Schilderung der besonderen Situation durch das Kondominium.

Frachter und Kabinenschiffe wachsen

Egal ob Fracht- oder Kabinenschiffe, die Zahl derjenigen, die länger als 110 Meter sind, lag 2014 bei der Einfahrt in die Mosel bei Koblenz bei 1.137 Einheiten. Damit hat sich die Zahl dieser Schiffe in zehn Jahren fast verzehnfacht. Sowohl Fracht- als auch Passagierschiffe werden kontinuierlich größer. Im Gegensatz dazu wurde die Mosel bei ihrem Ausbau vor fünf Jahrzehnten für Schiffe von 3.500 Tonnen Gewicht und einer Länge von 85 Metern ausgelegt - der Fluss ist also an seiner Belastungsgrenze angekommen.

De jure ist es nach Auskunft von Bausch und Schneider so, dass die Kabinenschiffe, die mit einer Länge von 110 Metern das Ziel Remich anlaufen, eigentlich keine Genehmigung dafür haben - mangels offiziellen Wendeplatzes. Fallweise müssen sie längere Strecken in Rückwärtsfahrt zurücklegen.
Gespräche seit 2009

Der Bedarf der Anpassung an eine Schiffslänge von 135 Metern sei den luxemburgischen Behörden bewusst, aus diesem Grund führe man seit 2009 Gespräche mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Trier, um die Planung abzustimmen und eine Lösung zu finden. Luxemburg selbst überprüft die Möglichkeit, die Einfahrt in den Industriehafen Mertert entsprechend umzugestalten.

Darüber hinaus würden in verschiedenen Moselorten an der Planung für Anlegeplätze mit Versorgungsstationen für Wasser und Strom gearbeitet.

Wein und Wasser

Die Mosel wird als Romantik und Weinbau-Destination auf den wichtigen Tourismusmessen wie der ITB in Berlin international vermarktet, so die ministerielle Antwort. Dabei würden Flusskreuzfahrten und der Wassersporttourismus, mit privaten Yachten oder Charterboote, aktiv beworben, ebenso wie die Nutzung der luxemburgischen Fahrgastschiffe.

Aktionen von Gemeinden am Fluss, die diese Tourismussparte aktiv fördern wollen, können laut der ministeriellen Antwort mit Mitteln aus dem Fünfjahresplan des Tourismusministeriums gefördert werden.