LUXEMBURG
CHARLES STELMES

Am Berufsbild der Trainer muss dringend gearbeitet werden. In vielen Fällen auch an ihrer Ausbildung. Dieser Ansicht ist Charles Stelmes, Direktor der „Ecole nationale de l’éducation physique et des sports“ (ENEPS), die sich unter anderem für die Trainerausbildungen verantwortlich zeichnet. Damit sich der Beruf in der Gesellschaft etablieren kann und eine qualitative Ausbildung als Voraussetzung gesehen wird, müssen allerdings auch an anderer Stelle die nötigen Hebel in Bewegung gesetzt werden.

„In den Schlussfolgerungen, die der Europäische Rat am 21. November 2017 bezüglich der Rolle des Trainers in der Gesellschaft verabschiedet hat, wird unter anderem aufgeführt, dass es in Europa fünf bis neun Millionen Trainer gibt, die einen Einfluss auf 50 bis 100 Millionen Menschen ausüben. ,Sie spielen eine immer größere soziale Rolle bei der persönlichen Entwicklung der Sporttreibenden, (...) indem sie als positive Vorbilder fungieren, Motivation und Selbstvertrauen einflößen und ihre Werte, Verhaltensmuster und sozialen Kompetenzen beeinflussen‘. Auch nehmen die Trainer ,eine einzigartige Stellung bei der Förderung der sozialen Inklusion, (...) bei der Achtung gemeinsamer Werte (...) und bei der Sicherstellung körperlicher Betätigung in allen gesellschaftlichen Schichten ein‘. Der gesellschaftliche Einfluss der Trainer geht also weit über das Vermitteln von technisch-taktisch sportartspezifischem Know-how hinaus, sie haben auch eine ethische Verantwortung für kindgerechte, entwicklungs- und gesundheitsfördernde Inhalte im alltäglichen Training.

Infolge der aufgezeigten Tragweite ihres Handelns und des entsprechenden Impakts auf unsere Gesellschaft, scheint es unausweichlich, dass eine qualitätsbehaftete Aus- und Weiterbildung eine ,Conditio sine qua non‘ sein muss, um als Trainer aktiv sein zu dürfen. In Luxemburg ist die Tätigkeit des Trainers leider noch zu wenig reglementiert und auch der gesellschaftliche Stellenwert ist nicht der, der er sein müsste. Das Sportministerium hat unter dem Impuls von Minister Romain Schneider in dieser Legislaturperiode die ,Subsides Qualité+‘ für die Sportvereine eingeführt, deren Vergabe vom Ausbildungsniveau ihrer Trainer abhängig ist. Dies ist ein entscheidendes Zeichen in die richtige Richtung - eine entsprechende Sportpolitik sollte in den nächsten Jahren fortgesetzt werden und das gesellschaftliche Bild des Trainerberufes weiter aufgebaut werden.

Die Gesellschaft stellt immer höhere Anforderungen an die Sportvereine und ihre Trainer – das Ehrenamt stößt immer mehr an seine Grenzen. Die einzige Lösung scheint in meinen Augen die Professionalisierung der Vereinsstrukturen zu sein – auch um eine entsprechende Vereinsentwicklung zuzulassen und der Sport seiner Aufgabe in der Gesellschaft gerecht werden kann.

Die ,Qualité+‘-Subsidien bieten indes auch Möglichkeiten, das Angebot der allgemein motorischen sportartübergreifenden Grundausbildung der Klein- und Kleinstkinder in den Vereinen zu fördern. Kinder definieren ihr Selbstbild unter anderem über ihre motorischen Fähigkeiten – Sport und Bewegung tragen dazu bei, dass Kinder lernen, ihre Emotionen und Impulse zu kanalisieren, was wiederum wichtige Kompetenzen im Hinblick auf ein ausgeglichenes und gesundes Leben sind. Entsprechend arbeitet die ENEPS zurzeit eine sportartübergreifende Motorik-Trainer Ausbildung aus, damit den Vereinen die nötige Kompetenz und Manpower zur Verfügung steht, um ihr Angebot erweitern zu können.

Letzten Endes sollte über Möglichkeiten nachgedacht werden, wie die Arbeitsbedingungen der Trainer generell verbessert werden können und der Berufswunsch Trainer bei Jugendlichen eine erstrebenswerte Perspektive darstellt, die von Eltern und Umfeld unterstützt wird.“