LUXEMBURG
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Ein Blick in die Welt der Schlangen - rund um den Globus und in Luxemburg

Haben Sie das gewusst? Der enthauptete Kopf einer toten Schlange kann noch Stunden nach dem Tod beißen. Diese Arten von Bissen enthalten in der Regel große Mengen an Gift. Und was als die „gefährlichste“ Schlange gilt, hängt sowohl von der Gesundheitsversorgung eines bestimmten Landes als auch von der Verfügbarkeit von Gegengiften nach einem Biss ab. Nach diesen Kriterien ist die gefährlichste Schlange der Welt die Sägeviper (1), die jedes Jahr mehr Menschen beißt und tötet als jede andere Schlange. Es gibt viel über Schlangen zu berichten, denn sie leben überall auf der Erde - außer auf Irland, Island, Neuseeland und den Nord- und Südpolen.

Geschichtsträchtiges Tier

Von den rund 725 Arten von Giftschlangen weltweit können 250 einen Menschen mit einem Biss töten. So ist auch verständlich, dass die Angst vor Schlangen, die sogenannte Herpetophobie, eine der häufigsten Phobien weltweit ist - ungefähr ein Drittel aller erwachsenen Menschen weist diese Phobie auf. Dabei muss man festhalten, dass die meisten Schlangen nicht schädlich oder gefährlich für Menschen sind. Sie helfen, das Ökosystem auszugleichen, indem sie die Population von Ratten, Mäusen und Vögeln unter Kontrolle halten.

Die Schlange hat im Laufe der Geschichte verschiedene Bedeutungen gehabt. Zum Beispiel betrachteten die Ägypter die Schlange als Königtum und Gottheit. In der jüdischen rabbinischen Tradition und im Hinduismus repräsentiert das Tier sexuelle Leidenschaft und Verlangen. Und die Römer deuteten die Schlange als Symbol der ewigen Liebe.

Manche finden ganz spezielle Lösungen in Bezug auf die schleichenden Tiere. Einige Angehörige der Spezialeinheiten der US Army lernen während ihres Überlebenstrainings, Schlangen zu töten und zu essen, was ihnen den Spitznamen „Snake Eaters“ eingebracht hat.

Lëtzebuerger Journal

Schon vor etwa 170 Millionen Jahren waren die Reptilien auf der Erde weit verbreitet

Es gibt fast 3.500 Arten von Schlangen auf der Erde. Schon vor etwa 170 Millionen Jahren waren die Reptilien auf der Erde weit verbreitet und besiedelten sehr unterschiedliche Lebensräume. Sie lebten zum Beispiel in Sümpfen, Teichen oder Flüssen, berichten Wissenschaftler nach der Analyse der bisher ältesten bekannten Schlangenfossilien im Fachblatt „Nature Communications“. Sie fanden Kiefer und Wirbel von vier uralten Schlangenarten. Es waren Bruchstücke des Kiefers sowie einige Wirbel, die die Forscher analysierten. Die zuvor bekannten ältesten fossilen Überreste von Schlangen stammen aus Sedimentschichten, die auf ein Alter von etwa 100 Millionen Jahren datiert wurden. Die Tiere seien damals bereits sehr vielfältig in ihrer Gestalt gewesen.

Der Fund weise darauf hin, dass Schlangen schon viel früher entstanden seien und sich in Anpassung an unterschiedliche Umweltbedingungen in mehrere Arten aufgefächert hätten, schreiben die Wissenschaftler um Michael Caldwell von der kanadischen University of Alberta in Edmonton.
Die nun untersuchten Fossilien sind noch etwa 70 Millionen Jahre älter. Es handelt sich um vier verschiedenen Arten von Schlangen, die Merkmale von fossilen und modernen Schlangen aufweisen. Sie wurden in Portugal, Großbritannien und den USA gefunden und haben vor 167 bis vor 143 Millionen Jahren gelebt.

Im mittleren Jura, als diese Schlangen lebten, hatten sich auch viele andere Schuppenkriechtiere - etwa die Schleichen oder verschiedene Familien von Echsen - bereits in etliche Arten aufgespalten, die unterschiedliche Lebensräume eroberten. Die Forscher vermuten, dass bei den Schlangen die Entwicklung des typischen Schädels der zentrale Schritt in der Evolution war.

Erst später seien dann vermutlich die Gliedmaßen zurückgebildet worden, der Körper habe sich gestreckt. Die ersten Schlangen hätten mithin vermutlich über einen eher kurzen Körper mit vier Beinen verfügt.

Lëtzebuerger Journal

Über Schling- und Ringelnattern und überfahrene Einzelexemplare

Ein erster Verbreitungsatlas der Reptilien des Großherzogtums Luxemburgs - und damit auch der Schlangen - wurde im Jahr 2007 von Roland Proess publiziert. Seither, und insbesondere ab dem Jahr 2010, wurden durch intensive Geländearbeit zahlreiche neue Daten zur Verbreitung der einzelnen Arten erhoben. Im aktuellen Verbreitungsatlas werden diese neuen Erkenntnisse zusammengefasst. Die einheimische Reptilienfauna Luxemburgs umfasst zurzeit sechs Arten: Blindschleiche, Zauneidechse, Waldeidechse, Mauereidechse, Glatt- oder Schlingnatter und Ringelnatter.

Der Verbreitungsatlas der Reptilien des Großherzogtums

In speziellen Artenkapiteln werden Merkmale, aktuelle und historische Verbreitung (in Luxemburg und der Großregion), Biologie, Ökologie, Gefährdung und Maßnahmen zum Schutz dieser Arten beschrieben. Rasterkarten mit einem Raster von fünf mal fünf Kilometern stellen ihre Verbreitung grafisch dar. In einem speziellen Kapitel werden weitere Reptilienarten behandelt, die entweder in Luxemburg nicht einheimisch sind (wie unter anderem fremdländische Schildkrötenarten), bislang nur einmal mit Sicherheit nachgewiesen wurden (wie die Gelbgrüne Zornnatter), seit langem ausgestorben sind oder die in der Literatur für Luxemburg erwähnt werden, für deren Vorkommen es aber keine Beweise gibt - wie die Kreuzotter oder die Aspisviper.

Die ungiftige Schlingnatter ist eine relativ schlanke, zierliche Schlange mit nur wenig vom Rumpf abgesetztem, leicht zugespitztem Kopf. Die Grundfärbung der Körperoberseite ist grau, graubraun, bräunlich bis rötlich. Auf der Oberseite existieren zwei, selten auch vier Reihen schwarzer Flecken, die zum Körperende hin meist undeutlicher werden. Bei den intensiven Untersuchungen der vergangenen Jahre konnten neue Vorkommen der Schlingnatter entdeckt und ältere bestätigt werden. Dabei habe sich nach Angaben des Atlas‘ herausgestellt, dass diese Schlangenart deutlich weiter verbreitet ist als angenommen wurde. Die sogenannte Rasterfrequenz hat sich von zwölf Prozent (1999), auf nunmehr 29 Prozent (bis 2016) erhöht. Die Schlingnatter ist demnach ähnlich weit verbreitet wie die Ringelnatter, und zwar hauptsächlich in den ehemaligen Tagebaugebieten im Süden und Südwesten, den Tälern von Mosel und Untersauer sowie den Tälern bei Clerf, Wiltz und an der Obersauer. Auch in der Stadt Luxemburg und ihrer direkten Umgebung kommt die Schlingnatter vor.

Die ungiftige Ringelnatter ist deutlich größer als die Schlingnatter - es werden Längen von bis zu 108 Zentimetern bei den Männchen und 132 Zentimetern bei den Weibchen angegeben. Die Ringelnatter ist eine kompakte, langgestreckte Schlange mit einem sich verjüngenden Schwanz. Die Grundfärbung ihrer Körperoberseite ist sehr variabel und kann von hellgrau, bräunlich bis grünlich variieren. Mit einer aktuellen Rasterfrequenz von 36 Prozent ist die Ringelnatter in Luxemburg insgesamt relativ weit verbreitet. Diese Schlangenart kommt vor allem im Ösling sowie im Osten und Südwesten des Landes vor. In den mittleren Landesteilen gibt es dagegen in weiten Bereichen keine oder keine aktuellen Nachweise.

Eine Gelbgrüne Zornnatter sei nach Angaben des Reptilienatlas‘ - bei einer Länge von 133 Zentimetern - am 14. Mai 1953 auf der Straße zwischen Berg und Weckergrund im Südosten des Landes von einem Auto überfahren worden. Dabei handelt es sich um den bislang einzigen sicheren Nachweis dieser ungiftigen Schlangenart in Luxemburg. Das überfahrene Exemplar könne, so die Vermutung der Experten, durch das Moseltal als mögliche Einwanderungspforte ins Großherzogtum gelangt sein.

Gerüchte über natürliche Vorkommen oder aber Aussetzungen von Aspisvipern, einer Giftschlange, im Dreiländereck Frankreich-Luxemburg-Deutschland veranlassten das Nationale Naturhistorische Museum in Luxemburg im Jahre 2012, ein Gutachten in Auftrag zu geben, bei dem vier für die Aspisviper potenziell geeignete Biotope untersucht wurden. An keiner der vier Stellen konnte jedoch ein Vorkommen der Aspisviper bestätigt werden.

Mehrfach wurden dem Nationalen Naturhistorischen Museum bereits Funde von Kreuzottern gemeldet, eine Überprüfung ergab aber in allen Fällen, dass es sich um Verwechslungen mit Schling- oder Ringelnattern handelte. Ein natürliches Vorkommen der Kreuzotter gibt es in Luxemburg nicht. Die nächstgelegenen natürlichen Vorkommen dieser Giftschlange liegen allerdings nur etwa 25 Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt in den belgischen Ardennen im Tal der Lomme.