LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Stéphanie Baustert hat sich als Musikmanagerin selbstständig gemacht

Irgendetwas mit Kunst oder Kultur sollte es beruflich sein. Das stand für Stéphanie Baustert von klein auf fest. Dass sie jedoch einmal als unabhängige Musikmanagerin ihr Geld verdienen würde, war dann doch eher eine Sache des Zufalls. „Mein Vater war Hobbykünstler, mit Kunst und dem Besuch von Ausstellungen oder Sightseeing im Ausland bin ich groß geworden. Klar bin ich dadurch früh selbst auf den Geschmack gekommen“, erzählt sie im Gespräch mit dem „Journal“. Dieses früh geweckte Interesse führte sie erst einmal ans „Lycée des Arts et Métiers“ auf die Sektion „Design graphique“. „Obwohl ich durchaus Talent hatte, wurde mir damals klar, dass ich mich nicht wirklich als kreative Person sehe, deshalb habe ich mich anschließend für ein Kunstgeschichtsstudium entschieden. Durch Zufall habe ich noch während dieser Zeit den Produzenten Joël Heyard kennengelernt, der gerade nach jemandem für die Kommunikation suchte, was ich dann nebenbei gemacht habe. So bin ich also in den Musiksektor reingerutscht“, berichtet Stéphanie Baustert und schmunzelt.

Nach dem Studium bot ihr Heyard, der gerade eine eigene Produktionsfirma gegründet hatte, eine Festanstellung an und erweiterte ihr Aufgabenfeld. „Irgendwann entwickelte sich seine Firma in eine andere Richtung, weg von der Musik, etwas mehr in Richtung Kommunikation, Werbung und Multimediaproduktion. Da ich dadurch weniger gebraucht wurde, haben sich unsere Wege getrennt. Wir hatten aber intern schon einiges in Sachen Musikmanagement auf die Beine gestellt und einen gewissen Kundenstamm aufgebaut. ,Dann ziehe ich das jetzt mal alleine durch‘, habe ich mir gedacht“, lacht sie. Das war vor rund drei Jahren.

Nie ganz ohne Angst

Es folgten Weiterbildungen im Bereich Management und Kommunikation. Eine Zeitlang war sie halbtags beim „Luxembourg Center for Architecture“ beschäftigt, bevor sie schließlich den Schritt in die komplette Selbstständigkeit wagte. Ganz ohne Angst? „Nein, das nicht, diese Angst ist auch immer noch da. Manchmal muss man seine Angst jedoch überwinden und es versuchen. Dennoch muss man realistisch bleiben und sich der Risiken stets bewusst sein. Wenn es finanziell auf Dauer nicht aufgeht, muss man sich das eingestehen können. Scheitern ist keine Schande“, findet sie. Darüber muss sie sich bislang aber nicht den Kopf zerbrechen. Es läuft. „Es ist aber nun nicht so, als würde ich das große Geld machen und im Luxus leben“, sagt sie lachend.

In dem Business Fuß zu fassen, sei nicht so schwer gewesen, immerhin hatte sie bereits Erfahrung gesammelt und Kontakte geknüpft. „Ich musste nicht bei null anfangen. Und es hat sich relativ schnell herumgesprochen, sodass gleich einige Musiker auf mich zugekommen sind, größtenteils für kleine Projekte. Jazz-Schlagzeuger Jeff Herr war übrigens der erste, mit dem ich gearbeitet habe“, erklärt Stéphanie Baustert. Im Musikbereich in Luxemburg sei eine Zusammenarbeit mit anderen Professionellen eher unüblich. „Wir haben eine erstklassige Musikszene, die aber dennoch in diesem Sinn noch unprofessionell ist. Nur sehr wenige Musiker haben einen Manager oder Agenten, oder arbeiten mit PR-Leuten zusammen, um beispielsweise mit der Presse zu kommunizieren“, weiß sie.

Breit gefächertes Aufgabenfeld

Was genau tut denn nun eine Musikmanagerin eigentlich? „Die Aufgaben sind breit gefächert. Zum einen mache ich Management und Booking für Jazzmusiker, bemühe mich demnach um Konzertmöglichkeiten im Ausland oder suche generell nach professionellen Partnern. Ich kümmere mich auch um alles, was mit Kommunikation zu tun hat, um die Verwaltung von Projekten, helfe die Fördergelder zu beantragen und Sponsoren aufzutreiben. Dieses globale Package biete ich ausschließlich Jazzmusikern, mit denen ich folglich längerfristig arbeite. Wenn es darum geht, eine Karriere im Ausland aufzubauen, Auftrittsmöglichkeiten zu organisieren - diesbezüglich besteht eindeutig die größte Nachfrage -, muss man Kontakte haben, und die bekommt man, indem man reist und sich mit vielen Leuten trifft. Das dauert Jahre. Ein solches Netzwerk auch für andere Musikgenres aufzubauen, wäre unmöglich“, gibt sie zu.

Sieben Jazzmusiker beziehungsweise -ensembles vertritt sie aktuell, darunter aus Luxemburg das Michel Meis 4tet, das Duo Sascha Ley & Laurent Payfert und Gilles Grethen. „Das ist ein junger Gitarrist, von dem man noch nicht so viel gehört hat. Ich mag es, eine solche Aufbauarbeit zu leisten“, bemerkt Baustert. „Zusätzlich biete ich Musikern anderer Genres einzelne maßgeschneiderte Dienste an, die dann eher projektgebunden sind. Das kann Presse- oder Kommunikationsarbeit, das Beantragen von Fördergeldern oder das Zusammenstellen von Dossiers sein“, fügt sie hinzu.

Eigener Musikgeschmack spielt eine Rolle

Wie wichtig ist denn der persönliche Musikgeschmack für diese Arbeit? „Der spielt natürlich eine Rolle“, antwortet die Musikmanagerin, „ich muss genauso mit Leidenschaft bei der Sache sein wie der Künstler. Schlager würde mir schwerfallen, genau wie ganz einfache und oberflächliche Popmusik, der es an einer gewissen künstlerischen Komplexität fehlt. Wenn etwas qualitativ schlecht ist, könnte ich es nicht bei der Presse vermarkten. Natürlich ist nicht alles von der Qualität her schlecht, was mir persönlich nicht gefällt. Da mache ich schon einen Unterschied“.

Was den Arbeitsalltag anbelange, so falle ganz viel normale Büroarbeit an. „Ich bin natürlich nicht ständig im Ausland unterwegs, sondern verbringe viel Zeit im Büro, das ich bei mir zuhause eingerichtet habe. Eigentlich habe ich einen relativ geordneten Tagesablauf, wenngleich es meist nicht bei acht Stunden bleibt. Ich brauche einen gewissen Rahmen und Regeln. Dennoch genieße ich die Flexibilität und den Luxus, gelegentlich auch mal mitten in der Woche einen Nachmittag freizumachen“, erzählt sie.

Immer erreichbar

Und wie steht’s mit ein, zwei Wochen Urlaub? „Im Moment ist das nicht möglich. Und sollte es irgendwann einmal möglich sein, so würde ich doch den Computer nie ganz ausschalten. Meine Freizeit genieße ich durchaus, checke trotzdem regelmäßig meine Mails und bin auch telefonisch zu erreichen. Das ist wohl bei jedem so, der sich selbstständig macht, besonders in der Anfangszeit, in der die finanzielle Situation noch nicht so stabil ist“, sagt sie. Der Nachteile und Risiken - „extrem viel arbeiten, wenig Stabilität“ - war sie sich bewusst und hat deshalb bislang „keine böse Überraschung“ erlebt. „Viele Musiker nehmen ihre Karriere ernst und sind bereit, Zeit, Geld und Energie zu investieren. Es ist wichtig, dass es für sie dann auch ein professionelles Angebot gibt“.

Einsatz im „Comité de pilotage“ des „Arts Council“

Dafür setzt sich die Musikmanagerin nun auch im „Comité de pilotage“ des „Arts Council“ ein, in dem sie mit Roby Steinmetz, Präsident der „Fédération Luxembourgeoise des Auteurs et Compositeurs“, und Giovanni Trono, Direktor von music:LX, den Musiksektor vertritt. „Besonders die Frage, inwiefern Firmen (Sàrl), Manager, Agenten, Produzenten und so weiter eine finanzielle Unterstützung für Kulturprojekte beantragen können, ist von Interesse. Es gibt viele Professionelle, die eine sehr wichtige Arbeit für den Kultursektor leisten, deshalb wäre eine finanzielle Unterstützung natürlich hilfreich“, meint sie. Dies alles trage letztlich zur weiteren Professionalisierung der Musikszene bei.