LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das „Meederchershaus“ feiert 20 Jahre Bestehen mit vielen Ehemaligen

Vor 20 Jahren gab es keine Auffangeinrichtung für Mädchen, und sexuelle Gewalt gegen sie war nicht mal ein Delikt. Daran erinnerte Karin Manderscheid, Präsidentin des Aufsichtsrates der „Femmes en Détresse“ anlässlich der Jubiläumsfeier des „Meederchershaus“ am Mittwochabend in der Abtei Neumünster. Vorschläge dazu habe das damalige Ministerium als „überflüssig“ abgelehnt.

Der Kampf um die Auffangeinrichtung war hart, Gegner sprachen von einem „Ghetto“. Das würde heute niemand mehr wagen. 611 Mädchen zwischen zwölf und 21 Jahren waren in den vergangenen 20 Jahren im Meederchershaus, das mehrfach umzog. „Das ist sehr viel“, betonte Andrée Birnbaum, Direktorin der „Femmes en Détresse“. Die jungen Frauen bleiben in der Regel bis zu drei Monate; es gab auch Aufenthalte zwischen einem Tag und bis zu einem Jahr.

Jugendgericht entscheidet

Die meisten kommen über das Büro „Oxygène“, wo in der Regel die ersten Gespräche stattfinden. Je nach Verfügbarkeit und Beschluss des Jugendrichters können sie dann in das Meederchershaus. Dort werden sie von Erzieherinnen unterstützt, darüber hinaus sucht die Struktur das Gespräch mit der Familie.

„Was diese Mädchen erlebt haben, ist sehr schlimm, das reicht von psychischer und physischer Gewalt über Misshandlungen bis zu Missbrauch. Wir hatten auch Mädchen aus dem Menschenhandel oder solche, die wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht von der Familie akzeptiert wurden“, erklärt Direktorin Danielle Collé.

Im Publikum saßen zahlreiche junge Frauen und Mädchen, von denen viele später zurück gekommen sind, um sich zu bedanken. Laut den Verantwortlichen besteht Bedarf für mehr als die bislang vorhandenen Stellen. Denn zusätzlich zur Arbeit mit den Mädchen gehen die Verantwortlichen auch an Schulen, um aufzuklären und sich bekannt zu machen. Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch zeigte sich „sehr stolz“ auf das Meederchershaus und versprach, sich für noch mehr Mittel einzusetzen. Sie verwies auf Studien, Theaterprojekte gegen Gewalt und eine Broschüre zum Thema, die in acht Sprachen übersetzt wurde.

„Vom 19. bis 26. November haben wir eine Aktionswoche, die Orange Week. Im Rahmen der Uno-Aktionen werden wir gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen aktiv machen. Das findet gemeinsam mit Zonta International statt“, verriet Mutsch.

 

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