LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Umfrage der ASTI befasst sich mit der Integration und dem Zusammengehörigkeitsgefühl in Luxemburg

Knapp 80 Prozent der Einwohner des Landes sind der Meinung, dass Luxemburger und Ausländer gut miteinander auskommen. Einer repräsentativen Umfrage zufolge sprechen gleichzeitig 64 Prozent eher von einem positiven Nebeneinander, als einem wirklichen Zusammenleben. Das geht aus dem zweiten Teil einer von der „Association de Soutien aux Travailleurs Immigrés“ (ASTI) in Auftrag gegebenen Umfrage hervor. Diese zeigt laut Einschätzung des TNS Ilres-Direktors Tommy Klein Überschneidungen wie auch Divergenzen zwischen Luxemburgern und Ausländern.

Für die ASTI-Präsidentin Laura Zuccoli sind diese und andere Ergebnisse der Umfrage der Ausdruck einer pragmatischen Haltung. Sie sieht für die Zeit nach der sanitären Krise Bedarf für mehr Orte der Begegnung und des Austauschs in einer, nimmt man noch die Grenzgänger hinzu, „extrem heterogenen“ Gesellschaft, die Anfang 2020 626.000 Einwohner zählte. Davon sind laut Angaben des Statec 47 Prozent Nicht-Luxemburger. Charles Margue, Mitglied der ASTI, früherer TNS-Ilres-Direktor und Abgeordneter von „déi gréng“, bemerkte indes, dass nach Abzug der Inhaber eines Doppelpasses das Verhältnis zwischen Luxemburgern und Ausländer heute auf ein Verhältnis von 40 zu 60 hinauslaufe. Diese Situation erfordere ein Überdenken des Integrationsbegriffs, wie man ihn in den 1970er und 1980er Jahren gebraucht habe.

Verbundenheit zu Luxemburg

Zum Zweck der Umfrage wurden 1.120 Personen befragt (587 Luxemburger, 184 Luxemburger mit doppelter Staatsangehörigkeit sowie 348 Ausländer). Sie gaben an, sich am stärksten Luxemburg zugehörig zu fühlen (92 Prozent gesamt), vor Europa (85 Prozent) und dem jeweiligen Wohnviertel oder Dorf (83 Prozent). Bei Nicht-Luxemburgern lässt sich dabei eine etwas abgeschwächte Verbundenheit zum Großherzogtum ausmachen sowie eine stärkere zu ihrem Herkunftsland.

Doch 86 Prozent der nicht in Luxemburg geborenen Umfrageteilnehmer würden, vor die Wahl gestellt, sich erneut für das Großherzogtum entscheiden. Sie schätzen vor allem die hohe Lebensqualität, dann aber auch die Sicherheit, die politische Stabilität wie auch die hohen Gehälter (noch 55 Prozent). Befragt man die gesamte Bevölkerung, sagen 74 Prozent, in Luxemburg bleiben zu wollen (68 Prozent bei Ausländern).

Doch auf der anderen Seite zeigen sich auch Divergenzen. So sind rund 70 Prozent der Nicht-Luxemburger oder Personen mit der doppelten Nationalität der Ansicht, dass Luxemburger im Allgemeinen offen oder gastfreundlich sind („accueillant“). In der Selbstwahrnehmung schreiben sich die Luxemburger dieses Attribut viel stärker zu. Gespalten äußerten sich die Luxemburger im Befragungszeitraum zwischen dem 23. September und 22. Oktober 2019 zur Aussage, dass sich Ausländer allgemein nicht im Land integrieren wollen. 48 Prozent teilten diese Ansicht. In der Wahrnehmung der nichtluxemburgischen Bevölkerung trifft ein solches Statement hingegen auf Ablehnung (58 Prozent), die bei Luxemburgern mit noch einem anderen Pass noch deutlicher ausfällt (67 Prozent). Für die befragten Ausländer ist es eigenen Aussagen zufolge vergleichsweise einfach (65 Prozent), sich im Land zu integrieren. Viele Luxemburger würden dem widersprechen. Auch hier zeigt sich mit einem Verhältnis von 40 Prozent an Zustimmung zu 52 Prozent Widerspruch ein geteiltes Bild.

Unterschiedliche Sprachengewichtung

Doch was heißt es eigentlich, integriert zu sein? Für die allermeisten Menschen bedeutet es, eine der drei Landessprachen zu können, seine Kinder hier zur Schule zu schicken und in Luxemburg zu arbeiten. Luxemburgisch sprechen zu können ist für Luxemburger (91 Prozent) ein weitaus wichtigerer Faktor als für Ausländer (72 Prozent). Die ASTI-Präsidentin Laura Zuccoli weist darauf hin, dass die Beherrschung des Französischen für Berufstätige der wichtigste Aspekt ist.

Interessant ist die Tatsache, dass Ausländer und Luxemburger mit Doppelpass die Möglichkeit, in Luxemburg zu wählen, als Faktor der Integration stärker hervorheben (84 Prozent) als Luxemburger (78 Prozent) und dem eine höhere Gewichtung einräumen als dem Erwerb der Staatsangehörigkeit. Einen luxemburgischen Pass in den Händen zu halten ist für 68 Prozent der Luxemburger ein Integrationsfaktor. Unter Ausländern sind es noch 48 Prozent.

Übrigens ist die Nationalität für viele Menschen nur bedingt ein ausschlaggebender Teil ihrer eigenen Identität. Für Luxemburger ist ihre Staatsangehörigkeit dabei aber ein wichtigerer Aspekt (56 Prozent) als für Ausländer (32 Prozent). Ihre persönliche Identität sehen die meisten Menschen durch ihre Familie (71 Prozent), ihre Muttersprache und die verschiedenen von ihnen beherrschten Sprachen (je 47 Prozent) definiert. Die Luxemburger legen dabei mehr Wert auf ihre sprachlichen Kompetenzen als die familiären Beziehungen.