LUXEMBURG
FABIENNE COLLING

Seit 2016 unterstützt die Organisation Touchpoints Migranten in der Unternehmensgründung, darunter viele Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus. Dass eine Unternehmensgründung in Luxemburg kein Zuckerschlecken ist, das überrascht wohl niemanden. Flüchtlinge stehen hierzulande aber vor speziellen Herausforderungen, mit denen kein Einheimischer je zu tun haben würde. Fabienne Colling, Leiterin von Touchpoints findet, dass es an der Zeit ist, einige Praktiken in Frage zu stellen.

„Viele der Einwanderer, die sich an uns wenden, waren bereits in ihrem Herkunftsland lange Zeit selbstständig, haben teilweise Mitarbeiter beschäftigt und Familienbetriebe geleitet. Andere schaffen es nicht, aufgrund der Erwartungen in puncto Sprachenkenntnisse und Diplome, auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und suchen nach Alternativen, um der Untätigkeit zu entfliehen.

Seit Jahren bereits sensibilisieren wir Neuankömmlinge über die Risiken einer selbstständigen Tätigkeit in Luxemburg, besonders mit Hinblick auf Handelsermächtigung, Mehrwertsteuer, Sozialabgaben, Kostenstruktur und so weiter, weshalb wir oft als Spielverderber auftreten müssen. Nun investieren wir in letzter Zeit immer häufiger unsere Zeit und Energie auf eine Etappe, die eigentlich reine Formsache ist: die Eröffnung eines Girokontos. Normalerweise läuft eine Unternehmensgründung in Luxemburg, grob zusammengefasst, folgendermaßen ab: 1. Handelsermächtigung beantragen; 2. Kapital auf Bankkonto blockieren; 3. Unternehmen im Handelsregister eintragen; 4. Mit dem Auszug aus dem Handelsregister das Kapital entsperren; 5. Mit der Kontonummer des Unternehmens eine TVA-Nummer beantragen.

Nun ist es aber so, dass bei Flüchtlingen, zum Beispiel aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien und so weiter gar nicht erst ein Gespräch über eine ‚mise en relation‘ begonnen wird, wenn nicht bereits sämtliche Dokumente zur Unternehmensgründung vorliegen. Immer häufiger erhält aber auch dann der Antragssteller einen ‚Refus net‘, wenn er alle Dokumente vorlegt. Ohne Begründung, ohne Möglichkeit auf Widerspruch. Es geht nicht um eine Kreditlinie, geschweige denn ein Darlehen. Es geht um ein simples Girokonto für ein Kleinstunternehmen. Ja, Luxemburg muss sich in Sachen Geldwäsche und Finanzierung von Terrorismus zum Musterschüler mausen und ja, Compliance ist notwendig und sinnvoll. Trotzdem ist die Frage erlaubt: Ist das nicht schon Diskriminierung aufgrund der Nationalität? Es ist für eine Bank sicherlich mit mehr Aufwand verbunden, im Falle von Flüchtlingen ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Das absolut mindeste aber wäre es, über Gründe und Ursachen klar zu informieren, und einen Widerruf auf Vorlage von Nachweisen zu ermöglichen.“

Weitere Informationen: www.touchpoints.lu; www.sleevesup.lu