LUXEMBURG
INGO ZWANK

CFL-Zugführer stirbt bei Kollision von Personen- und Güterzug

Dienstagmorgen gegen 8.45 sind zwischen Bettemburg und Zoufftgen zwei Züge miteinander kollidiert - ein aus Frankreich kommender Güterzug und ein in Richtung Frankreich fahrender Personenzug aus Luxemburg. Der CFL-Lokführer hatte laut der Bahngesellschaft ein Stoppsignal überfahren. Der Mann kam bei dem Unfall ums Leben. Der Lokführer des Güterzuges überlebte verletzt und wurde ins Krankenhaus gebracht, ebenso die französische Schaffnerin im Personenzug, die sich leicht verletzte. Sie hatte den Notruf abgesetzt. Weitere Personen waren nicht in den Zügen.

Der Unfall ereignete sich auf einem Streckenabschnitt, der unter luxemburgischer Kontrolle steht, wobei die Strecke für eine Maximalgeschwindigkeit für 140 km/h zugelassen ist. Mehrere Güterwagen waren bei dem Zusammenprall aus den Schienen gesprungen.

Schaffnerin informierte über Unfall

Vor Ort wurde ein „Poste médical avancé“ eingerichtet. Etwa 70 Rettungs- und Polizeikräfte, darunter auch die Mitglieder der Berufsfeuerwehr Luxemburg und eine Hundestaffel, waren im Einsatz, wie am Dienstagmittag auch die beiden Minister Bausch und Kersch auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bestätigten. Beide Minister hatten sich selbst vor Ort ein Bild vom Unglück gemacht.

Es sei sehr schnell von den Rettungskräften reagiert worden, „wie es der Krisenplan vorsieht“, sagte Kersch. Bereits um 9.06 waren die ersten Rettungskräfte vor Ort. Der Notfallplan bezüglich einer erheblichen Verletztenzahl wurde nicht ausgerufen, wie Kersch präzisierte.

Dennoch bestand Unsicherheit über die Situation, wie viele Personen nun aber genau im Zug waren. Die Lokomotive des Güterzuges sei komplett durch die ersten Waggons gegangen. Er habe die Schnellbremsung eingeleitet und sei geistesgegenwärtig nach hinten gelaufen, so dass er nicht bei der Kollision vorne in der Lok gewesen sei. Dieser Lokführer wurde in die Escher Klinik gebracht, er habe aber keine lebensgefährliche Verletzung.

Gegen 10.30 begannen die Räumungsarbeiten mit schwerem Gerät der CFL und des Zivilschutzes. Nach dem schweren Zugunglück von Zoufftgen im Oktober 2006 wurde entsprechendes Equipment angeschafft, was die Arbeiten erheblich erleichterte, erklärte Kersch.

Wie die Staatsanwaltschaft Dienstagabend mitteilte, hat der diensthabende Magistrat sofort nach dem Unfall sämtliche Maßnahmen zur Spurensicherung angeordnet. Danach hat er sich gemeinsam mit dem Untersuchungsrichter an den Unfallort begeben. Der Untersuchungsrichter habe Durchsuchungen und Verhöre angeordnet und werde einen unabhängigen Experten ernennen, um die genauen Umstände des Unglücks zu erläutern.

Wie zu erfahren war, sei der luxemburgische Zug zwar mit „European Train Control System“ (ETCS, Europäisches Zugsteuerungssystem) ausgestattet und auch die Strecke sei entsprechend ausgerüstet gewesen. Doch sei die Koppelung mit dem französischen System und den Zügen noch nicht voll operativ, das Ganze müsste noch abgenommen werden. Wieso aber die aktuellen Sicherheitssysteme nicht gegriffen haben, müssen die Ermittlungen ergeben.

VERKEHRSLAGE

24 Ersatzbusse sind im Einsatz

Wie die CFL mitteile, gehe man aufgrund der Ermittlungen und der Räumungsarbeiten davon aus, dass die Strecke bis wenigstens Mittwochabend gesperrt sei. Die Zugstrecken nach Frankreich (Linie 90) und nach Esch/Alzette (Linie 60) sind somit unterbrochen, die CFL versucht aber, Ersatzbusse zu organisieren. Auch die TGV-Verbindungen sind betroffen. 24 Ersatzbusse und vier Extrazüge (via Petingen und Rodange) verkehren zwischen Luxemburg und Thionville. Ersatzbusse verkehren auch zwischen Bettemburg und Hettange- Grande (Linien 323 und 302). Wegen des Einsatzes sind ebenfalls die Straßen um den Unglücksort für den Verkehr gesperrt.

Die Bergungsarbeiten sowie die Räumungsarbeiten mit dem Kran und den Spezialtransporten dauern an. Ab dem Kreisverkehr in Düdelingen, der durch die Industriezone Riedgen in die Route de Zouften nach Krackelshaff führt, besteht dehalb noch bis Mittwoch in den Morgen hinein eine Straßensperre.
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