LUXEMBURG
MADY LUTGEN

Nach einem Jahr Medizin an der Uni Luxemburg studiert Keith Asselborn nun in Wien

Der Tod eines nahen Familienmitglieds war für Keith ausschlaggebend für seine Studienwahl. Dem „Journal“ erzählt der 21-Jährige, warum die Medizin ihn so fasziniert.

Warum studierst Du Medizin?

Keith Asselborn Schon als kleines Kind war ich immer sehr interessiert an den Wissenschaften, darunter auch die Medizin. Als ich miterlebte, wie ein nahes Familienmitglied an Krebs starb und ich mitbekam, welchen Einfluss ein Arzt auf den Patienten und dessen Angehörige hat, war mir sofort klar, dass ich Medizin studieren will. Dieses Helfen der Menschen in Not, hat mich in erster Hand zur Medizin geführt: Dass ich in Zukunft bei meinen Mitmenschen etwas bewirken und versuchen kann, das Leben der Patienten positiv zu beeinflussen. Im weiteren Verlauf meiner schulischen Karriere hat sich dies dann immer weiter bestätigt.

Ist es leicht, an der Uni angenommen zu werden?

Asselborn Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach nicht so einfach, für das Medizinstudium angenommen zu werden. Durch den hohen Numerus Clausus in Deutschland fiel diese Option schnell für mich aus, da dort nur die Abitur-Elite das Medizinstudium anfangen kann. Das finde ich persönlich sehr schade. Auch in Belgien ist es nicht so einfach, dort werden die Plätze durch ein Losverfahren besetzt und ich konnte mich nicht darauf verlassen, dort einen Platz zu ergattern. Auch in Österreich ist die Aufnahme schwierig, da die Studenten einen Aufnahmetest bestehen müssen. Nun stellt der Test an sich kein Problem dar, da die Luxemburger in die österreichische Quote fallen, aber durch das Abschaffen der Quoten in Zukunft wird dies, wie es aussieht, wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein. Generell kann man sagen, dass eine hohe akademische Leistung gefordert wird und im Vergleich mit anderen Studienrichtungen ist die Aufnahme an der Uni mit mehr Arbeit verbunden. Als Alternative bietet die Uni.lu das erste Jahr Medizin an. Durch den niedrigen Numerus Clausus ist dies ein sehr gutes Sprungbrett für ein Studium im Ausland. Schade ist, dass Luxemburg noch kein volles Medizinstudium anbieten kann.

Wie sieht das Studium aus?

Asselborn In Wien, dort wo ich studiere, sind oft am Vormittag Vorlesungen und nachmittags sind wir dann in Kleingruppen eingeteilt, wo man in verschiedenen Seminaren den Lernstoff der Vorlesungen vertieft oder praktisch anwendet. Dadurch ist man schon ab dem ersten Jahr sehr praktisch eingebunden. Die Vorlesungen sind teilweise sehr weit gefächert und decken viele Gebiete ab.

Medizinstudenten müssen auch während ihres Studiums im Präparationskurs Tote aufschneiden. Fällt es Dir schwer, Leichen zu sezieren?

Asselborn Da ich mich noch am Anfang des Studiums befinde und noch nicht an Körperspenden lernen konnte, kann ich nur begrenzt Informationen und Erfahrungen dazu geben. Generell glaube ich aber, dass die Arbeit mit Körperspenden mit hohem Respekt verbunden ist und man dieses Privileg wertschätzten soll.

Was ist das Interessante am Studium?

Asselborn Das Interessante am Medizinstudium ist, dass man den Körper versteht und man weiß, was bei Reaktionen und Krankheiten passiert und was man dagegen tun kann. Dieses Wissen wird dann beim Patienten angewendet. Dadurch, dass man auch sofort praktische Anwendungen hat, verliert man nicht so schnell das Interesse am Studium.

Was nervt oder stört Dich?

Asselborn Spontan fällt mir nicht viel ein, was mich wirklich stört. Wie bei anderen Studien gibt es natürlich die ein oder anderen Professoren, die man nicht so mag oder die vielen Vorlesungen, die anstrengend sein können. Unterm Strich aber kann ich mich bis jetzt nicht beklagen.

Wo willst Du nachher arbeiten und als was für ein Arzt?

Asselborn Da ich mich noch am Anfang des Studiums befinde, habe ich mich noch nicht auf eine Richtung festlegen können. Mein Ziel ist es, das nächste Jahr zu bestehen und dann erst zu sehen, welche Spezialisierung in Frage kommt. Als Arbeitsort interessieren mich vor allem Australien und Afrika. Australien deswegen, da mich dieses Land schon immer fasziniert hat und ich mir vorstellen könnte, auch dort später zu leben. Einer meiner Wünsche wäre auch, mit „Médecins Sans Frontières“ in Krisengebieten arbeiten zu können, zum Beispiel in Afrika oder sonst wo.

Was rätst Du Jugendlichen, die Medizin studieren wollen?

Asselborn Was mir sehr geholfen hat, war ein Praktikum, das ich noch während des Gymnasiums absolvierte. Dadurch konnte ich sehen, dass es genau das ist, was ich studieren will. Einfach beim Hausarzt oder im Krankenhaus nachfragen, ob diese ein Praktikum organisieren. Daneben kann ich auch wärmstens das erste Jahr der Uni.lu empfehlen. Aus Erfahrung weiß ich, dass viele luxemburgische Abiturienten die Uni.lu meiden. Qualitativ waren die Vorlesungen, die ich besucht habe, ganz gut und durch die niedrige Teilnehmerzahl ist die Betreuung sehr studentennah. Als Sprungbrett für andere Länder, vor allem Deutschland, ist es sehr empfehlenswert.

Als Anlaufstelle für Fragen und Informationen würde ich jedem die ALEM, die „Association Luxembourgeoise des Étudiants en Médecine“ an Herz legen.


www.alem.lu