„Luxemburg neu erfinden“, das war das Leitthema der diesjährigen „Journées de l‘Economie“, die vor einigen Tagen mit starker Publikumsbeteiligung in der Handelskammer stattfanden und über denen wie ein Mantra der Vorsatz der gerade mal zwei Monate im Amt befindlichen neuen Regierung lag, das Land einer grundlegenden Reform zu unterziehen und den Staatsapparat nicht nur geschmeidiger, sondern vor allem auch effizienter zu gestalten. Wie viel in den unterschiedlichen Bereichen, von der beruflichen Ausbildung über den Arbeitsmarkt bis hin zum lähmenden Verwaltungsdickicht und fortschrittsfeindlichen Prozeduren, seit Jahren im Argen liegt, braucht wohl nicht mehr diskutiert zu werden. Der Eindruck zunehmender Sklerose hat sich in den letzten Jahren erhärtet und die für die Zukunft entscheidende Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wie die politische Führung vorgehen will und soll, um das schlingernde Schiff Luxemburg wieder auf Kurs zu trimmen.

Dass die Regierung die bisherige Entwicklung nicht weiter tatenlos hinnehmen will, das haben die beiden maßgeblichen Koalitionäre Xavier Bettel und Etienne Schneider schon mehrfach unterstrichen, auch wenn man sich die eine oder andere Aussage etwas konkreter gewünscht hätte. Aber am Ende zählen ja nicht die Vorsätze, an denen es auch in der Vergangenheit nicht unbedingt gefehlt hat, sondern vielmehr die Art und Weise, wie man an die Lösung der Probleme herangeht. Wichtig ist vor allem der Mut, die Probleme schnell und frontal anzugehen und dabei möglichst viele Menschen, ob Ausbilder, Arbeitnehmer, Staatsbeamter oder Unternehmer, mit auf den Weg zu nehmen. Dieser Weg wird kein leichter sein, um es mal mit Xavier Naidoo zu sagen, und er wird auch alles andere als sicher sein, was man uns in beschwichtigender Form bei den letzten Wahlgängen glauben machen wollte. Denn war es nicht gerade dieses unumstößliche Sicherheitsdenken, das uns zuletzt in den Immobilismus manövriert hat?

Luxemburg hat Potenzial und muss an die eigene Stärke glauben, die Rückendeckung bekommt durch Tausende hochqualifizierter ausländischer Mitbürger und Berufspendler, die an ihr legitimes Interesse für eine Redynamisierung unserer Volkswirtschaft permanent unter Beweis stellen. Die Effizienz, mit der Unternehmen in Luxemburg funktionieren müssen, um sich diesseits und jenseits der Grenzen einem harten Wettbewerb mit Erfolg stellen zu können, muss auch auf öffentlichen Bereich angestrebt werden. Stimulieren statt verwalten, animieren statt regieren, das müssen die Leitfäden werden für eine Zukunftsgestaltung, die keinen weitere Aufschub mehr leidet.

Luxemburg muss nicht neu erfunden werden, das Land und seine Leute müssen sich vielmehr auf banale und erprobte Tugenden zurückbesinnen, die einen gewaltigen Aufschwung bewirken konnten. Der missgünstige Blick von Nachbar- und Partnerstaaten sollte uns nicht Angst, sondern vielmehr Mut einflößen.

Mitleid bekommt man geschenkt, den Neid der anderen muss man sich verdienen. Packen wir‘s an!