LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Emissionsloses Fahren dank Wasserstoff - Erfinder stellt Kit zum Aufrüsten vor

Als Karl Wagner (45) hörte, dass allein die Batterie eines neuen Elektrowagens gut 600 Kilos wiegt, soviel wie früher ein kleines Auto, war er sich sicher: Auch Elektrofahrzeuge werden nicht fundamental zu einem klimafreundlichen Fahren beitragen, da ein solches Gewicht Unmengen an Energie verlangt, um angetrieben werden zu können. Seit Jahren hat das Thema Wasserstoff den Querdenker interessiert und schließlich zum Tüfteln inspiriert. Mit seiner Erfindung, dem H2Warp-Kit, kann Wasserstoff ähnlich wie Benzin als Antriebmittel für Motoren genutzt werden. Zuvor hat Wagner im Kraftwerkbau und in der Automobilzulieferindustrie gearbeitet. Wir haben den Erfinder getroffen, als er in Luxemburg seine Erfindung vorstellte.

Wie schätzen Sie die momentane Gesinnung der Autoindustrie in Sachen CO2-Reduzierung ein?

KARL WaGNER Diplomatisch gesagt, nicht ganz optimal. Die Statistiken 2018 zeigen, dass weltweit vermehrt Geländewagen verkauft werden, insgesamt also vorwiegend Spritschleudern. Obwohl Umweltfreundlichkeit in aller Munde ist, werden die Autos in den letzten Jahren stets schwerer und leistungsstärker. Tendenziell geht es also punkto Angebot und Nachfrage in die falsche Richtung.

Mit Ihrer Erfindung soll ein emissionsloses Fahren mit handelsüblichen Autos möglich werden. Wie funktioniert das?

WAGNER Wir können Wasserstoff mit destilliertem Wasser so aufbereiten, dass er vom Motor wie ein fossiler Brennstoff verbrannt werden kann. Der Motor selbst muss also nicht verändert werden. Man nutzt dazu eine altbekannte Technik, die schon bei Erd- oder Flüssiggas fahrenden Autos eingesetzt wird. Wenn diese Gasanlagen auf den Motor gesetzt werden, kann man mit meiner Erfindung, dem H2Warp-Kit, Autos mit Wasserstoff antreiben und somit kein CO2 mehr ausstoßen!

Ist bereits absehbar, wie weit man mit einem Wasserstofftank fahren kann?

WAGNER Es kommt auf die Größe des Tanks an. Im Moment ist eine Art Box angedacht, so ähnlich wie eine Skibox, die auf dem Dach des Autos installiert wird und ungefähr zwei bis drei Kilo Wasserstoff fasst. Das dürfte eine Reichweite von um die 150 Kilometer ergeben, je nachdem welches Auto man fährt. Da wir am Motor nichts verändern, kann man jederzeit, wenn der Wasserstoff aufgebraucht ist, wieder auf Benzin oder Diesel zurückschalten, um zur nächsten Wasserstofftankstelle zu fahren. Ein Reichweitenproblem wird dank dieser Hybridtechnik umgangen.

Hat der TÜV ihre Entwicklung bereits abgesegnet?

WAGNER Wir haben beim TÜV vorgesprochen. Was den Tank oder die Gasanlage angeht, dürfte es keine Probleme geben. Die Umwandlungsbox, in der der Wasserstoff transformiert wird, haben wir dem TÜV jetzt noch nicht so vorgezeigt. Aber auch hier ist eigentlich nichts grob Problematisches dabei. Bislang haben wir kein kategorisches Nein erhalten oder unüberwindbare Hindernisse gefunden, aber es muss alles jetzt ordentlich getestet werden.

In welchem Stadium befinden Sie sich jetzt?

WAGNER Als nächstes wollen wir ein Auto, das mit einer Gasanlage betrieben wird mit der Umwandlungsbox ausstatten und das Ganze beim Fahren austesten. Die Box muss jetzt nach TÜV-Vorgaben gebaut werden, da sind viele Kriterien bezüglich Materialsicherheit oder Dichtigkeit zu berücksichtigen. Das ist nichts Schwieriges, aber es muss alles noch gemacht werden. Außerdem stellen wir gerade unser Team zusammen. Ich bin mit verschiedenen Ingenieuren und Universitäten im Gespräch, um Unterstützung bei der Entwicklung zu erhalten. Wir sind zudem auf der Suche nach Leuten, die gerne in jeglicher Hinsicht am Projekt mitarbeiten möchten und versuchen natürlich auch, potenzielle Investoren zu erreichen. Wenn man bedenkt, dass es 1,5 Milliarden Autos auf der Welt gibt, die CO2 in die Luft blasen, plus die 100 Millionen die jedes Jahr neu produziert werden, dann gibt es recht viele Autos, die eine Umrüstung nötig haben, um den CO2-Gehalt weltweit mit wenigen Mitteln verringern zu können.

Gibt es Reaktionen seitens der Politik?

WAGNER In Luxemburg sind wir bereits mit einigen politischen Akteuren in Kontakt gewesen, die das Projekt sehr interessant fanden. In Deutschland werden die Elektroauto-Subventionen von 4.000 Euro gerade verlängert. Wenn man bedenkt, dass die H2Warp-Umrüstung etwa 5.000 Euro kosten wird, würde man mit einer solchen Subvention im Nachhinein für nur 1.000 Euro ein emissionslos fahrendes Auto nutzen können! Auch den Leuten, die jetzt mit der zukünftigen CO2-Steuer stärker belastet werden, kommt meine Erfindung zu Gute, da die CO2-Emissionen gen Null tendieren!

Preislich liegt die Umrüstung also etwa bei 5.000 Euro?

WAGNER Also das Kit soll nachher etwa 5.000 Euro kosten. Anfangs ist der Preis noch recht hoch, bis eine breitere Produktion anlaufen kann. Das Teuerste ist der Wasserstofftank, da dieser aus Carbon gefertigt ist. Da der sich in einer mobil anbringbaren Box befinden wird, die für alle umzurüstenden Autos gleich ist, kann man hier schnell in die Massenproduktion gehen, was sich natürlich vergünstigend auf die Preisgestaltung auswirken wird. Die Installation selbst wird von einer Fachwerkstatt ausgeführt werden und nach dem OK beim TÜV kann man dann losfahren.

Wo kann ich Wasserstoff tanken?

WAGNER Bislang sind viele Tankstellen noch nicht dafür ausgerüstet. Entweder nutzt man einen Wasserstoffgenerator, in den man Wasser einfüllt und ihn ans Stromnetz anschließt. Über Nacht kann man dann selbst seinen Wasserstoff erzeugen und das Auto betanken. Im Idealfall koppelt man den natürlich an eine Windkraft- oder Solaranlage, sodass man günstig und umweltneutral seinen Treibstoff herstellen kann. Bis jetzt muss jemand, der sein Auto mit eigenem Strom betreiben möchte, sich erstmal ein Solarpanel kaufen und ein Elektroauto, so dass zwei Mal hohe Kosten anfallen. Mit dem H2Warper spart man sich den Erwerb des teuren Elektroautos, da man nur sein bisheriges Auto umrüsten muss. Zudem wird der Strom, der etwa von Windanlagen produziert wird, im Wasserstoff speicherbar und kann weiterhin genutzt werden, selbst wenn kein Wind mehr bläst. Wird Wasserstoff mit CO2 angereichert, entsteht Methan, das man über das gut ausgebaute Gasnetz quer durch Europa transportieren und speichern kann.

Wo sehen Sie potenzielle zukünftige Anwendungsbereiche für H2Warp-Autos?

WAGNER Unsere umgerüsteten Autos könnten in einer Carsharing-Struktur fahren, sodass wir zum einen Testkilometer erhalten und sie zentral von uns aus betanken können, damit wir auch auf diesem Gebiet weiter testen und zum Beispiel Wasserstoffabfälle von bestehenden Industrieverfahren verwerten können. Dann kann ich mir eine Art „Uber Clean“ gut vorstellen, bei dem die Gäste mit sauberen, umgerüsteten Autos von A nach B gelangen können. Da die Fahrzeuge schnell umgerüstet werden können, ist mit solchen Systemen eine baldige Verbesserung der Luftqualität in den Städten möglich!


Weitere Informationen und Videomaterial zum H2Warp-

Kit finden Sie unter: www.h2warp.com