LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Eurobarometer: Arbeits- und Wohnungsmarkt bereitet den Luxemburgern Sorgen

Die Luxemburger sind zufrieden mit der momentanen Situation ihres Landes, jedoch pessimistisch, was die Zukunft anbelangt. So in etwa resümierte Georges Bingen, Vertreter der Europäischen Kommission in Luxemburg, gestern die Ergebnisse einer neuen Eurobarometer-Umfrage. „Die Interpretation steckt nicht in den Resultaten“, meinte allerdings TNS Ilres-Direktor Charles Margue. Trotzdem wurde während der Vorstellung spekuliert, interpretiert und vermutet. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf Luxemburg und seine Nachbarländer sowie auch Portugal gelegt.

Aktuelle wirtschaftliche Lage „gut“

Die aktuelle nationale Wirtschaftslage bewertet der Großteil der Luxemburger - befragt wurden 508 luxemburgische (65%) und nicht-luxemburgische Einwohner - als „gut“. Besonders schlecht sehen die Einwohner Frankreichs (91%) und Portugals (96%) die Wirtschaftssituation in ihrem Land. Bei der Einschätzung des Arbeitsmarktes gibt es auch in Luxemburg Abstriche. Nur 53% bewerten die Situation im Bereich Beschäftigung als „gut“. Im EU28-Durchschnitt sind es lediglich 20%. In Luxemburg, Deutschland und Belgien sind die Menschen allerdings zufrieden mit ihrer eigenen finanziellen Situation. In Frankreich bewerten immerhin 63% diese als „gut“. In Portugal sind es nur 30%.

Pessimismus spiegelt sich dagegen deutlich wider, wenn es um Zukunftsfragen geht. So gehen 28% der Luxemburger, 26% der Belgier, 37% der Franzosen und 57% der Portugiesen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage innerhalb ihres Landes verschlechtern wird. Die Majorität aller Befragten glaubt auch, dass sich die Wirtschaftskrise noch zuspitzen wird (55% in Luxemburg). Am meisten Sorgen bereitet den Luxemburgern die Situation auf dem Arbeitsmarkt: 49% der Befragten sind der Ansicht, dass die Arbeitslosigkeit das wichtigste Problem des Landes ist, gefolgt vom Wohnungswesen bei 39%. „Diese Problematik wird erst seit kurzem thematisiert und spielt deshalb in Luxemburg momentan eine größere Rolle. Nicht jeder findet noch etwas auf dem Wohnungsmarkt“, gab Margue zu bedenken. Zum Vergleich: In Deutschland steht die Inflation an erster Stelle. Persönlich betroffen fühlen sich die Luxemburger übrigens auch am ehesten von der zu befürchtenden Inflation (28%) sowie den angekündigten Steuererhöhungen (17%).

Jüngere Generationen mit positivem EU-Bild

„Luxemburg galt immer als Musterschüler der EU. Ich würde mal behaupten, dass das seit einer gewissen Zeit nicht mehr der Fall ist. Das hat sich im Jahr 2005 beim Referendum deutlich gezeigt“, so Margue. 40% der befragten Luxemburger äußerten sich aber positiv über die Europäische Union und 40% neutral. Auffallend in diesem Punkt ist die positivere Einstellung der jüngeren Generationen. Unterm Strich sehen im Großherzogtum trotzdem zwei Drittel der Zukunft der EU optimistisch entgegen. In erster Linie verbinden die Luxemburger (53%) und auch die anderen Befragten (EU28-Durchschnitt: 37%) Frieden mit der EU. Darauf folgen in absteigender Reihenfolge Werte wie „Menschenrechte“, „Demokratie“ und „Respekt anderer Kulturen“. Fernab liegt „Religion“ mit nur 4%. Auch der Solidaritätsgedanken spielt mit nur 14% eine untergeordnete Rolle, worüber Charles Margue „persönlich enttäuscht“ ist.