LUXEMBURG
LJ

Der Nachwuchs im Handwerk misst sich bei „LuxSkills“

Gärtner, Fliesenleger, Frisör, Schreiner oder Elektriker - bei der nationalen Berufsmeisterschaft „LuxSkills“ treten seit Jahren die Lehrlinge des Handwerks gegeneinander an und stellen ihr Können unter Beweis. In diesem Jahr treffen Wettbewerber aus elf Berufen aufeinander, elf Projekte gibt es demnach zu bestaunen. Es ist auch das zentrale Datum für das Handwerk, den besten Nachwuchs im eigenen Bereich zu finden. Ein wichtiges Event auf dem Kalender für das Handwerk in Luxemburg, demnach. Die Meisterschaften finden seit der Jahrtausendwende alle zwei Jahre statt und sollen handwerkliche und industrielle Berufe wieder in den Vordergrund stellen, oder ihnen den würdigen Rang verleihen. Die „LuxSkills“ setzen deshalb auf das Motto: „Deng Talenter/Deng Zukunft“, um den Wert handwerklicher Talente nochmals zu unterstreichen.

Seit Mittwoch hatten die Lehrlinge Zeit, sich mit einem Projekt konkret zu positionieren. Am heutigen Samstag gibt es einen Tag der offenen Tür, bei dem die Möglichkeit besteht, sich über die einzelnen Fachrichtungen zu informieren. Dann werden auch die Gewinnerprojekte gekürt. Die Handwerker die teilnehmen, können sich dann darauf freuen, als Vorzeigeprojekt den diesjährigen „LuxSkills“-Wettbewerb zu gewinnen. Die Sieger des nationalen Wettbewerbs werden dann in den kommenden Monate eine Vorbereitung auf die „EuroSkills“-Wettbewerbe der besten Handwerker Europas brauchen, bevor es dann - falls sie auch beim europäischen Wettbewerb gewinnen können - zu den „WorldSkills“ der besten Handwerker der Welt geht.

Lëtzebuerger Journal

Informativ, praktisch, pragmatisch - Die „LuxSkills“ bieten einen direkten Blick auf handwerkliche Berufe

Die „LuxSkills“ findet seit Mittwoch und noch bis heite im „Centre National de la Formation Continue“ in der „Rue Henri Koch“ in Esch/Alzette statt. An insgesamt 38 Stationen wird etwa über das Handwerk der Malerei, der Mechatronik oder der Schneiderei informiert. Sechs Aussteller bieten zudem praxisnahe Präsentationen an, Berufsdemonstrationen und Workshops wird es auch geben. Mehrere Rundtische mit Unternehmen, etwa der Handelskammer, der Post, ArcelorMittal oder der CFL vervollständigen das Paket. Daneben wird es einen Quiz-Parcours geben, der sich mit den vorgestellten Berufen beschäftigt und bei dessen Teilnahme Preise gewonnen werden können.

Das diesjährige Event steht auch vor dem Hintergrund der Einführung des „Basic-check“-Orientierungstests für Sekundarschüler. Die von der Handelskammer und der Arbeitnehmerkammer gemeinsam entwickelte Plattform soll den Schülern eine Orientierungsmöglichkeit bei der Wahl ihres möglichen späteren Berufes bieten. Damit soll das Handwerk weiter gestärkt werden.

Folgende Berufe werden auf der „LuxSkills“ vorgestellt: Maler-Dekorateur, KFZ-Mechatroniker, Energie-Elektroniker, Mechatroniker, Schweißer, Industrie-Mechaniker, Schmied, Wasserstrahlschneider, Fräser, technischer Zeichner, Bautechniker, Schneider, Schreiner, Klimatechniker, Schlosser und Metallbauer. Zudem sind Aus- und Fortbilder wie die Hotelschule (Lycée Technique Hôtelier Alexis Heck), die „Jonggärtner Lëtzebuerg“, die Experten der „Maison de l’Orientation“ oder das „Luxembourg Institute for Digital Training“ (LIDIT) mit Ständen vertreten. Elf Teilnehmer befinden sich zudem im Wettbewerb und werden ihre handwerkliche Kunst am heutigen Samstag mit ihren Projekten zur Schau stellen. Die gezeigten Berufe sind: Fliesenleger, Zimmerer, Installateur, Dachdecker, Frisör, KFZ-Mechatronik, Kosmetiker, Florist, Tischler, Industriemechaniker sowie Industrieller Wartungsmechaniker. LJ

 Infos im Internet und einen Plan der Ausstellung findet man unter www.worldskills.lu sowie auf Facebook unter „Worldskillsluxembourg“

Nationale Meisterschaft mit internationalem Ziel

„LuxSkills 2018“

Die „LuxSkills“ sind als nationaler Wettbewerb des Handwerks ein wichtiger Maßstab für angehende Handwerker (oder die, die es noch werden wollen) und zudem eine gute Austauschmöglichkeit mit Experten aus dem Sektor. Außerdem können sie hier ihr Können unter Beweis stellen und neue Ideen erproben. 1999 gegründet, sollen die „LuxSkills“ den luxemburgischen Handwerks-Nachwuchs fördern und dazu motivieren, auch international erfolgreich zu sein.
Das Event hat aber auch internationalen Charakter: Im Rahmen der „EuroSkills“ und schließlich der alle zwei Jahre abgehaltenen „WorldSkills“ können sich die besten Handwerker miteinander messen und auf neue Ideen kommen. Die „EuroSkills“ werden im September in Budapest abgehalten, die nächste „WorldSkills“, bei der sich die besten Handwerker der Welt treffen werden, wird 2019 in Kazan in Russland stattfinden.

Handwerk ganz nah - „LuxSkills“ ist nicht nur ein Wettbewerb, sondern auch ein lebendiges Schaufenster der Berufe

In der einen Ecke der Halle wird gehämmert, in der anderen gesägt. Die diesjährigen Teilnehmer des Handwerker-Wettbewerbs „LuxSkills“ arbeiten fleißig an ihren jeweiligen Projekten, während interessierte Schüler, Eltern und Lehrpersonal an den Ständen vorbeigehen und ihnen bei der Arbeit zuschauen. Die Teilnehmer treten jeweils in ihren Ausbildungsberufen an. Das reicht vom Schreiner, über den Heizungsinstallateur bis hin zum Frisör. „’LuxSkills‘ ist eine tolle Gelegenheit um sich als junger Mensch über die verschiedenen Berufe zu informieren. Und durch den zum Teil sehr hohen Mangel an Lehrlingen stehen ihnen sehr viele Möglichkeiten offen“, erklärt Mike Engel, Direktor der „Maison de l’Orientation“. Als Informations- und Beratungsstelle der Regierung ist sein Team neben vielen anderen Unternehmen, Organisationen und Vereinigungen auf der „LuxSkills“ vertreten. „Viele Berufe haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt und sind nicht mehr so, wie man sie sich im ersten Moment vorstellt. Hier können die Jugendlichen einen genaueren Einblick in diese bekommen und werden auch entsprechend informiert.“ 

Mit anderen messen

Dieses Jahr nehmen rund 45 Lehrlinge teil. Darunter auch Kevin Meyer. „Es ist eine tolle Erfahrung, man kann sich testen und mit anderen messen“, meint der 21-jährige Installateur. Er findet den Wettbewerb mit den anderen Lehrlingen spannend und rechnet sich auch Chancen aus in seiner Berufssparte zu gewinnen. Nebenan ist David Turk in seine Arbeit vertieft. Der Dachdecker und seine Kollegen müssen jeweils ein Stück eines Dachs samt kleinem Dachfenster eindecken. Auf die Frage, warum er am Wettbewerb teilnimmt, meint der 20-Jährige: „Ich möchte anderen Jugendlichen zeigen, wie mein Beruf aussieht und was man als Dachdecker macht.“ Er müsse allerdings nun etwas Gas geben, um mit seiner Arbeit rechtzeitig fertig zu werden und wendet sich dieser wieder zu. 

Einige Meter weiter studiert der Zimmerer Dominic Gerhardt den Plan. „In dem Dachstuhl-Modell sind viele kniffelige Punkte eingebaut, die man knacken muss und wenn man das schafft, freut man sich einfach“, erklärt Gerhardt. Im Alltag würde ein solcher Dachstuhl nie gebaut werden, hier gehe es aber darum möglichst viele verschiedene Dinge in einer Arbeit zu vereinen, um das Können sowie das Wissen der Teilnehmer zu testen. „Man muss sich wirklich gut hineindenken können, sonst klappt das nicht.“ 

Lëtzebuerger Journal

Abwechslung und Kreativität

Bereits zum zweiten Mal dabei ist André Ferreira. „Da es mir viel Spaß gemacht hat und es eine tolle Erfahrung war, wollte ich auch dieses Mal wieder mitmachen“, erklärt der 22-jährige Fliesenleger. Beim letzten Mal gewann er sogar und nahm anschließend an den „EuroSkills“ teil. „Das war der Wahnsinn was da lief, ein ganz anderes Niveau. Einige Kandidaten konnten sich drei Monate vor dem Wettbewerb gezielt vorbereiten, arbeiteten nur am Projekt.“ Er hingegen bereitete sich neben der Arbeit auf den Wettbewerb vor. Es waren also komplett andere Bedingungen im Vorfeld. Dennoch sei es toll gewesen, sich mit den Handwerkern aus anderen Ländern zu messen. „Ich kann nur empfehlen mitzumachen“, meint Ferreira. Einige Meter neben ihm sitzen Guy Bartholmé und Steve Dechmann. Sie sind Experten, die die Arbeit von Ferreira überwachen und später auch bewerten. „Die Kandidaten arbeiten selbstständig, wenn aber mal ein Problem sein soll oder etwas nicht so läuft wie es soll, geben wir ihnen auch mal die nötige Hilfestellung“, meint Dechmann. Schließlich geht es bei „LuxSkills“ auch darum, dass die Teilnehmer motiviert arbeiten, Spaß haben und eine gute Erfahrung mitnehmen. Die Experten arbeiten allerdings nicht nur während des Wettbewerbs, sie bereiten diesen auch vor. „Das ist dann doch recht viel Arbeit, die man im Vorfeld leisten muss“, meint Dechmann, der dieses Jahr zum ersten Mal Chef-Experte bei den Fliesenlegern ist. Von ihm stammt auch der Plan, den Ferreira umsetzt. „Die Idee war es, das kulturelle Erbe von Esch widerzuspiegeln.“ So sind etwa die Hochöfen zu sehen sowie ein Minenschacht und eine Eisenbahn. 

Ebenfalls zum zweiten Mal nimmt Mandy Hein an den „LuxSkills“ teil. „Während dem Wettbewerb macht man jeden Tag etwas anderes und hat eine noch größere Vielfalt als normalerweise im Beruf“, begründet Hein ihre erneute Teilnahme. Heute konnte die junge Frau ihrer Fantasie freien Lauf lassen. „Eigentlich wollte ich einen Apfelbaum als Frisur machen, allerdings waren die Haare des Models etwas zu kurz, so, dass es jetzt eher eine Mischung aus Hecke und Weihnachtsbaum geworden ist“, meint Hein und muss lachen.

Unentschlossen bei der Berufswahl

Waren die Gänge des „Centre National de Formation Professionnelle Continue“ am Vormittag noch recht voll mit Schülern, Lehrern und Eltern, leeren sich die Gänge im Nachmittag nach und nach. Auf Nachfrage bei einem der Schüler, ob er denn einen Beruf gefunden hat, der ihm gefällt, meint er: „Ich will zur Armee.“ Sein Kollege rechts neben ihm spielt mit dem Gedanken zur Post zu gehen, da ihn Telekommunikation interessiert. Andere Schüler zeigen sich wenig interessiert an dem Angebot das auf der „LuxSkills“ geboten wird. Sie würden eher ein Studium anstreben oder wüssten einfach noch nicht, was sie später beruflich machen wollen. Sie seien etwas überfordert mit der schieren Auswahl.

Ähnlich ginge es auch ihrer Tochter Nora, meint Evelyne Kirpach: „Sie ist momentan auf 9ième, weiß aber noch nicht genau welchen Weg sie einschlagen möchte.“ Ihr Wunschberuf ist zwar der der Tierpflegerin. Allerdings ist das kein Beruf, den sie in Luxemburg an einer Schule lernen könne. „Wir haben bereits beim ‚Parc Merveilleux‘ angefragt, ob es möglich wäre ein Praktikum zu machen. Dies sei aber erst ab 18 möglich.“ Nora ist mit ihren noch 15 Jahren aber ein gutes Stück zu jung dafür, so, dass Tochter und Mutter nach weiteren Optionen suchen. Etwa eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin oder ähnliches könnte eine Möglichkeit sein, weil Nora sich für die Arbeit im Garten interessiert. „Uns wird geraten auf jeden Fall einen Plan B in der Hinterhand zu haben.“ Trotzdem versuche Kirpach, dass ihre Tochter ihren Wunschjob lernen kann und hat nun Kontakt zum Zoo in Neunkirchen aufgenommen. Dieser biete die Möglichkeit, einen Tag mit einem Tierpfleger zu verbringen und mit anzupacken. „Vielleicht ergeben sich ja dann neue Möglichkeiten.“