LUXEMBURG
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Steigender Wasserbedarf kann nur durch mehr Wasserschutz gelöst werden

Die maximale Trinkwasserproduktionskapazität des Großherzogtums liegt einer Antwort von Umweltministerin Carole Dieschbourg auf eine parlamentarische Frage zufolge bei derzeit knapp 176.000 Kubikmetern Wasser am Tag - und liege damit trotz sinkendem Pro-Kopf-Verbrauch seit 2005 nur durch Nutzung von Reservebohrungswaser der SEBES (immerhin 38.000 Kubikmeter Wasser) über dem theoretischen Spitzenverbrauch. Grund zur Besorgnis sei das noch nicht.

Aber es müsse mehr getan werden, um die verfügbaren Wasserressourcen vor Verschmutzung zu schützen. Quellen und Bohrungen, die für knapp 50.000 Menschen Wasser liefern könnten, seien derzeit nicht angeschlossen, da sie mit zu hohen Nitrat- oder Pestizidwerten belastet sind.

Zu diesem Zweck habe die Regierung bereits 2014 die erste Schutzzone für Trinkwasser rund um Quellen im Großherzogtum ausgewiesen, gefolgt seien seitdem 11 großherzogliche Verordnungen und 32 weitere Vorschläge. Aber die Arbeit müsse weiter gehen, wie die Ministerin befand. „Alle Ressourcen müssen vor Verschmutzung geschützt sein“, betonte sie. Dazu gehöre auch die Abänderung des Wassergesetzes von 2017, um Schutzmaßnahmen besser finanzieren zu können.

Pro-Kopf-Verbrauch von 202 Liter

Die CSV-Abgeordneten Diane Adehm und Gilles Roth hatten bei der Umweltministerin nachgefragt, ob die Informationen eines „wort.lu“-Artikels bezüglich der Aussagen des Direktors des staatlichen Wasserwirtschaftsamtes zur möglichen Trinkwasserknappheit im Großherzogtum der Wahrheit entsprächen. Zudem wollten die Abgeordneten wissen, ob es für diese Bestandsaufnahme feste Kriterien gebe und was die Regierung zu tun gedenke, um einem entsprechenden „Schreckensszenario“, wie es Adehm und Roth formulierten, entgegenzuwirken.

Die potenzielle Knappheit ermittelt die Regierung Ministerin Dieschbourg zufolge anhand von zwei mit den Gemeindesyndikaten der Trinkwasserversorgung organisierten Studien, die eine Hochrechnung der verfügbaren Ressourcen bis 2035 und das Ausarbeiten von Szenarien zum Einsparen von Trinkwasser-Ressourcen befassten.

Demnach liege der durchschnittliche Tagesverbrauch im Großherzogtum bei knapp 120.000 Kubikmeter Wasser am Tag - das wären rund 202 Liter pro Kopf und Tag. „Besonders in den verbrauchsintensiven Wochen steigt der Spitzenverbrauch und liegt um einen Faktor 1.3 bis 1.5 über dem normalen Mittelverbrauchswert“, betonte Dieschbourg aber auch. Das führe zu dem Spitzenwert von 160.000 Kubikmeter am Tag. „Um diesen Verbrauch auszugleichen, müssen wir an verbrauchsintensiven Tagen die Reservebohrungen des SEBES mit hinzuziehen“, ließ die Ministerin wissen. Das sei zusammen mit dem erhöhten Wasserbedarf durch das starke Wachstum des Großherzogtums und den zu erwartenden längeren Trockenperioden in Folge des Klimawandels eine nicht mehr von der Hand zu weisende Problematik - auch wenn der Verbrauch pro Kopf seit 2005 zurückging; damals lag der Verbrauch der Ministerin zufolge bei knapp 236 Litern.

Ministerin Dieschbourg erklärte in ihrer Antwort auch, dass die Regierung bereits mehrere Maßnahmen unternommen habe, um einer Trinkwasserknappheit vorzubeugen. So sei 2016 das Finanzierungsgesetz zum Bau neuer Aufbereitungsanlagen des SEBES angenommen worden, die eine Finanzierung des knapp 166 Millionen Euro teuren Projektes, zur Hälfte aus staatlicher Hand, vorsahen. „Durch diese Anlage wird ab 2021 die Produktion vom SEBES aus dem Oberstauerstausee auf 110.000 Kubikmeter steigen“, meinte Dieschbourg. Bislang sind es 72.000 Kubikmeter. Daneben würden weitere Vorstudien durchgeführt, um die Absicherung der Versorgung durch neue Quellen zu sichern; auf bestimmte Projekte festlegen wollte sich Ministerin Dieschbourg aber nicht.

Natürlich bleibe auch reichlich Potenzial beim Sparen: „Die erwähnte Studie zum Einsparen von Trinkwasser zeigt Einsparpotenziale von bis zu 20 Prozent“, schreibt die Ministerin in ihrer Antwort. Hier seien die Akteure gefordert, mit Sensibilisierungskampagnen für einen sinnvolleren Umgang mit Trinkwasser zu sorgen.