LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der „PREMIER BAL“ der Tanzschule Mireille Roulling ist eine Institution in Luxemburg – aus gutem Grund

Um 20.30 ist es soweit: Feierlich ziehen über 50 Tanzgruppen in den großen Saal des Parc Hotels in Dommeldange ein. Aufgeregt reihen sich die Schüler, die im Herbst 2018 einen Tanzkurs begonnen haben, in die große Polonaise zur Eröffnung. Die Mädchen streichen die langen Kleider glatt und halten die Blumensträußchen fest, Jungs nehmen Haltung an, schließlich ist das Publikum zahlreich. Die rund 700 Gäste klatschen im Takt der Melodien der „Hitfabrik“ beim Einzug und jubeln Mireille Roulling zu, die sich in diesem Jahr ein besonders figurbetontes Kleid ausgesucht hat, um den „PREMIER BAL“ zu eröffnen. Immerhin ist es das 66. Mal, dass ihre Tanzschule ihn veranstaltet. Roulling strahlt, begrüßt die Gäste und kündigt die Ballett-Gruppe der Kleinsten an, die mit fünf bis sechs Jahren nervös ihre ersten Schritte über das Parkett wagen.

So ähnlich wird es am Samstag, den 2. Februar sein, wenn die Tanzschule Mireille Roulling wieder einlädt. Für die 44-jährige Leiterin ist es ein liebgewonnenes Ritual, für viele ihrer Schüler eine echte Premiere und für Außenstehende bemerkenswert. Ein „PREMIER BAL“ zum 66. Mal? Wer geht heute noch in die Tanzschule? Und warum? Wir haben Roulling, die die Tanzschule seit 1998 leitet und sie 2001 offiziell von Annette Kohner übernommen hat, in ihren Geschäftsräumen nahe dem „Rousegärtchen“ besucht.

Lëtzebuerger Journal

Frau Roulling, ist ein Ball und Tanzschule bei Jugendlichen heute noch angesagt?

Mireille Roulling Ja, auf jeden Fall! Und sie sind jedes Jahr sehr aufgeregt! Oft geht das von einer Generation zu nächsten, da ist es so eine Art Familientradition, aber nicht überall. Früher waren die Eltern hier auf der Tanzschule, jetzt kommen ihre Kinder. Wir haben mindestens 20 bis 30 im Alter von 16 bis 18 jedes Jahr zu Kursbeginn. Wenn sie hier sind, sehen sie, dass Tanzen sportlich und modern ist. Tanzen ist übrigens auch etwas für Jungs! Mein achtjähriger Sohn macht auch schon mit. Wir haben sogar den Fall, dass nach Kursbeginn der Jugendlichen die Eltern zurück kommen, weil sie sagen, das ist ein Sport, den man gemeinsam ausüben kann und das gefällt uns daran. Eine Mutter meinte mal: Was die können, können wir auch! Es kommen aber auch mehr Senioren, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Manchmal reden sie so viel, dass ich mich wundere, wie sie noch zum Tanzen kommen (lacht)!

Der PREMIER BAL dauert bis spät in die Nacht. Worauf tanzen die Gäste?

Roulling Wir laden jedes Jahr die „Hit-Fabrik“ aus Deutschland ein, die wirklich alles spielt; vom Walzer über Hiphop bis zum Jive. Das liegt auch an den Choreografien, denn wir wollen ja, dass die verschiedenen Gruppen, die bei uns an der Tanzschule unterrichtet werden, auch auftreten können. Klassische Melodien wie der Wiener Walzer sind bei Jugendlichen übrigens durchaus beliebt! Es hat übrigens seinen Grund, dass wir den „PREMIER BAL“ immer im Parc Hotel in Dommeldingen veranstalten. Dort gibt es nicht nur genug Parkraum, sondern die Gäste können dort auch schlafen, wenn sie wollen. Somit wird es ein ganz entspannter Abend. Der „PREMIER BAL“ schließt übrigens immer mit dem Resultat des „Coupe des Débutants“ ab, da werden die drei besten Paare ausgezeichnet und dürfen nochmal vor allen tanzen.

Lëtzebuerger Journal

Geht bei rund 700 Gästen und so vielen nervösen Kindern und Jugendlichen nichts daneben?

Roulling Nein, nicht, dass ich mich erinnern kann. Einmal hat eine Tänzerin ihren Schuh verloren, das war es dann aber auch. Wir planen natürlich viel im Voraus und eine gewisse Routine ist auch dabei.

Sie leiten seit 1998 die Tanzschule, die sie 2001 übernommen haben. Haben Sie nach so vielen Jahren einen Lieblingstanz?

Roulling Mir ist immer wichtig, dass meine Basis das klassische Ballett ist, das sieht man auch sofort bei Tänzern. Beim Gesellschaftstanz ist es auch abhängig vom Partner, was ich gern tanze. Im Grunde sind mir die Standardtänze sehr lieb. Ich tanze häufig mit David Pereira. Einige Jahre lang habe ich auch Showtanz ausgeübt, aber jetzt nicht mehr. Oft gehen wir als Tanzschule auch mit Schülern zu Wettbewerben, damit sie sich das mal ansehen können. In diesem Jahr tanzen Bruno und Monika Bohn aus Deutschland auf dem Premier Bal vor, die echte S-Klasse-Senioren sind.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie tanzen?

Roulling Dann kann ich die Welt vergessen, all´ die Dinge, die sonst eine große Rolle spielen. Ich kann Dinge tun, die sonst im Alltag nicht möglich sind. Die Leute sind fasziniert vom Tanz. Es ist ein Wahnsinnsgefühl. Ich bin sehr stolz, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf habe machen können. Und auch darauf, dass ich so vielen Menschen Spaß am Tanz vermitteln kann.

www.ecole-de-danse.lu