Echternacher Festival startet in die neue Spielzeit

Echternach Seit 38 Jahren gibt es das internationale Festival in Echternach und ist in dieser Zeit ein echtes Markenzeichen für die Stadt und das Großherzogtum geworden. Kaum ein großer Name aus der Welt der klassischen Musik fehlt in den Annalen der Festspiele. An diesem Wochenende startete die neue Spielzeit und wurde mit den Sejong Soloists aus New York und dem amerikanischen Geiger Gil Shaham dem Prädikat „international“ voll und ganz gerecht. Der erste Teil des Abends war dem Streichorchester alleine vorbehalten und stellte einen delikaten Auftakt dar. Ausgewählt hatten die Musiker Präludium und Scherzo für Streichoktett von Dmitri Schostakowitsch und Edvard Griegs Orchestersuite „Aus Holbergs Zeit“. Beide Werke sind, zumindest teilweise, Reverenzen an Johann Sebastian Bach. Schostakowitsch verneigte sich in seinem Präludium vor dem Thomaskantor und bei Griegs Opus 40 erinnert insbesondere der vierte Satz (Air) an die berühmte gleichnamige Komposition des Meisters. Es war eine Freude, der Interpretation des 1995 gegründeten Ensembles zu folgen. Klar und durchsichtig gestalteten sie das Präludium. Bissiger Humor prägte das Scherzo. Und auch die Holberg-Suite stand in ihrer Darstellung auf einem sehr hohen Qualitätsniveau. Die New Yorker ließen die Musik perlen. Es glückte ihnen auf sehr ansprechende Weise, die von Grieg gewollte Kombination aus barockem Gestus und eigener Tonsprache lebendig werden zu lassen.

Weniger überzeugend nach der Pause

Nach der Pause dann wendeten sich die Musiker ganz dem 18. Jahrhundert zu. Sie hatten sich hierfür die berühmten „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi auserkoren, bei denen Shaham mit seiner Stradivari-Geige von 1699 den Solopart übernahm. Dieser Teil geriet leider nicht so überzeugend, wie man es nach dem Auftakt hätte erwarten können. Kein Zweifel, Shaham ist ein großer Virtuose, der mit den nicht unerheblichen Anforderungen der Jahreszeiten gut fertig wurde. Klanglich jedoch waren die vier Concerti recht weit von dem entfernt, was man heutzutage unter Vivaldis Musik versteht. Das vibratoschwangere Spiel mit breitem Strich erinnerte eher an Interpretationen wie etwa von Lola Bobesco aus den 70er Jahren, denn an die inspirierte Spielart, wie man sie sonst von Kammerorchestern kennt, die stehend und ohne Dirigenten in barocker Tradition musizieren. Deutlich unterstrich Shaham, dass sein musikalischer Schwerpunkt eher in der Romantik liegt. Trotzdem war der Spielzeitstart des Echternacher Festivals ein Erfolg. Das nächste Konzert findet am 8. Mai um 20 Uhr im Echternacher Trifolion statt. Zu Gast sind dann der Geiger Vadim Repin und der Pianist
Andreï Korobeinikov. Gerhard Kluth