LUXEMBURG/CASSINI-KRATER
JEFF KARIER

Lust, den Planeten zu kolonisieren? Das ermöglicht die Aufbausimulation „Surviving Mars“

Den Traum, den Mars zu besiedeln, durfte man auf dem PC schon einige Male in die Tat umsetzen. Mit „Surviving Mars“ haben sich nun auch die bulgarischen Entwickler von „Haemimont Games“, die bereits unter anderem einige „Tropico“-Teile sowie „Omerta - City of Gangsters“ entwickelt haben, zum roten Planeten aufgemacht.

Countdown läuft

Zu Beginn können wir uns für einen Sponsor unserer Mission entscheiden. Dadurch werden unsere Startbedingungen bestimmt, etwa wie viel Geld wir zu Beginn zu Verfügung haben oder die Zahl der Raketen die wir nutzen können. Auch eine Spezialisierung wählen wir aus, die erneut bestimmt Vorteile bietet. Somit gestaltet sich jede Partie etwas anders. Der nächste Schritt ist jedoch immer gleich: Wir beladen unsere Rakete mit der wir zum Mars fliegen. Dort angekommen bestimmen wir auf der Übersichtskarte wo wir landen. Mit an Bord sind aber keine Kolonisten, dafür ist es noch zu früh. Die ersten Marsbewohner sind unsere kleinen, süßen Drohnen, die die Drecksarbeit machen. Sie laden die Startressourcen aus und bauen die ersten Anlagen.

Dabei haben sie sich große Mühe gegeben, die Kolonialisierung möglichst realistisch umzusetzen, zumindest was die Gewinnung der Ressourcen und den Aufbau einer solchen Kolonie angeht. So gewinnen wir Strom durch Windräder oder Solaranlagen, Wasser gewinnen wir aus dem Untergrund oder aus der dünnen Atmosphäre und Rohstoffe wie Metall finden wir als Steine an der Oberfläche oder gewinnen sie aus dem Boden. Auch die Grundlagen für Zement können wir auf dem Mars finden und abbauen. Und damit in den von unseren Drohnen gebauten Kuppeln Menschen leben können, brauchen wir natürlich auch Sauerstoff, der von Moxis erzeugt wird.

Damit es bei Engpässen zu keiner Katastrophe kommt, Systeme lahmgelegt werden und unsere Kolonisten sterben, müssen wir auch Wasser- sowie Luftspeicher bauen. Auch Batterien für den Strom müssen wir konstruieren, besonders wenn wir mit Solaranlagen arbeiten, da diese nachts eben keinen Strom liefern. Wichtig ist es auch, redundante Systeme aufzubauen, damit im Falle einer Fehlfunktion, eines Meteoriteneinschlags oder sonstiger Zwischenfälle die Kolonie weiter funktionieren kann. Diese Planung erfordert anfangs etwas Überlegung, nach einer gewissen Zeit und dem ein oder anderen Rückschlag klappt es dann sehr gut.

Erst wenn die Grundlagen stehen, können wir Menschen zum Mars schießen. Dabei können wir festlegen, welche Berufe und Eigenschaften - positive wie negative - diese haben dürfen. Aus dem Pool an passenden Kandidaten werden dann zwölf in die Rakete gesetzt. In der Kuppel, in der unsere Kolonisten wohnen, ist nur wenig Platz, um die nötigen Gebäude zu bauen, die ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Außerdem müssen wir einige Gebäude, die Rohstoffe wie Essen oder Maschinenbauteile herstellen, innerhalb der Kuppel bauen.

Wir ziehen ein

Den Platz muss man also gut nutzen. Einige andere Gebäude zur Herstellung von Rohstoffen siedelt der Spieler in der direkten Umgebung der Kuppel an. So muss man sich auch gut überlegen, wie man seine Kolonie aufbaut, damit man sich nicht selber den Weg versperrt. Nach und nach holt man mehr Kolonisten auf den Mars und wird auch nach mehreren Stunden langsam unabhängig von der Erde. Parallel erforscht der Spieler stets neue Technologien, die zufallsgeneriert im Technologie-Baum angeordnet sind. Es ist notwendig, sich weiter auszubreiten, um an alle benötigten Rohstoffe zu kommen. Dazu deckt man Stück für Stück die Karte auf und hofft auf möglichst reiche Vorkommen, die noch dazu nahe beieinander liegen. So wächst ein Netzwerk, das es zu verwalten gilt. Dazu gibt es auch im Vorfeld festgelegte oder zufallsgenerierte Story-Elemente oder vielmehr Ereignisse, die das Spielerlebnis abwechslungsreich und fordernd gestalten.

Faszination trotz Kleinigkeiten

Unterm Strich macht „Surviving Mars“ vieles richtig. Es fühlt sich realistisch an, sieht dabei auch recht hübsch aus - die Liebe zum Detail ist bemerkenswert - und es macht einfach Spaß, seine Kolonie wachsen zu sehen. Es fehlt aber an einem passenden Mikromanagement. Zwar kann man seinen Kolonisten eine Arbeit zuweisen, die wechseln aber nach einiger Zeit wieder zurück. Ist das gewollt? Auch das Interface ist etwas simpel geraten, da wäre mehr möglich gewesen, um ein intuitiveres Spiel zu schaffen. Außerdem verfolgt man bei jeder Partie zumindest am Anfang eigentlich immer dasselbe Muster, der Variationsreichtum ist eher gering. Und doch kann „Surviving Mars“ einen intensiven Sog, eine Faszination entwickeln und für viele, viele Stunden Spaß bereiten. Wenn aber noch an der ein oder anderen Stelle nachgebessert wird, könnte es zu einem rundum gelungen Simulationsspiel werden.