NEUNKIRCHEN
CHRISTIAN SPIELMANN

„STEAM. Das Fantasy-Musical“ feiert Premiere in Neunkirchen

Im Jahr 2002 wurde im saarländischen Neunkirchen das Musical Projekt geboren, eine Initiative des Oberbürgermeisters Jürgen Fried, des Leiters der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Markus Müller und des Schauspielers Martin Leutgeb, welche die Produktion von Musicals fördern soll. Seither gab es sieben Uraufführungen, u. a. „Merlin, wir können auch anders!“, „Lysistrate“ oder „Der Jedermann! Das Musical“. Die Musik für ihr achtes Musical, „STEAM. Das Fantasy-Musical“, mit dem Untertitel „Ein Augenblick in der Ewigkeit“, komponierten Francesco Cottone und Amby Schillo. Das Buch stammt von Francesco Cottone und Ellen Kärcher, die auch Regie führt. Die Welturaufführung war am vergangenen Freitag in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen.

Drei Welten

Direkt ist nicht klar, was sich auf der Bühne abspielt. Da wird erst einmal der Transporteur Phileas (Andreas Fischer) von den zwei Polizistinnen One (Sandy Klein) und Two (Sibille Sandmayer) aufs brutalste gezwungen, die Menschen auszuspionieren. Erst im Laufe des Stückes wird ersichtlich, dass es in Zukunft auf der Erde drei verschiedene Welten gibt. Ganz oben in „Imorta“ herrscht die Königin Esteam (Heike Lismann-Gräß) zum Wohle des Volkes unten auf der Erde mit ihrem Ministerstab, u. a. dem Minister für Sicherheit (Jens Usner), für Propaganda (Nicolas Schneider) oder für Kriege (Rouven Wildegger-Bitz), mit tyrannischer Hand. Unten in „Aqua-Town“ bauen die Mechaniker alles Erdenkliche, was auf der Erde benötigt wird. Ihr Meister heißt Zacharias (Enrico Tinebra), und seine beste Mitarbeiterin ist Martha (Kristin Backes). Daneben sorgen die Dampfmacher mit ihrem Leiter Trebor (Jens Fried) dafür, dass genügend Dampf vorhanden ist, der für die Oberen lebenswichtig ist. Aus „Aetherna“, dem Reich der Naturgeister, beobachten Gnomus (Markus Müller) und Gnomis (Christine Mehlhorn) die Menschen, die ihre Menschlichkeit und ihr Denkvermögen einbüßt hat. Mit Hilfe eines Zaubersteins helfen die Geister zuerst Martha, dann Phileas ihre vergessenen Fähigkeiten wiederzufinden und die Diktatur zu stürzen.

Professionelle Laien

Rund 85 Laiendarsteller/-innen stehen auf der Bühne, umgeben von noch rund 40 professionellen und freiwilligen Mitarbeitern/-innen. Und was hier jung und alt auf die Bühne zaubern, ist alles andere als amateurhaft, ja, das ist voll professionell! Die Geschichte, aber vor allem die Kostüme inspirieren sich am „Steampunk“, dessen Kleidungsstil ins viktorianische Zeitalter zurückgeht. Weiteres Element dieser Bewegung ist die dampf- und zahnradgetriebene Mechanik.

Stimmlich perfekt

Alle sind mit Herz und Seele in ihre Rollen gewachsen, wobei besonders One und Two auffielen, die selbst nach Ablegen der Masken strenge Polizistinnen blieben. Sogar stimmlich waren alle Rollen überdurchschnittlich besetzt.

Die Musik besteht größtenteils aus rockigen Tönen, wobei der Titelsong sich am besten einprägt. Sehr nett klingt das Liebesduett „Verbotene Gefühle“ zwischen Esteam und ihrem Diener Viktor (Robert Groß). Ellen Kärcher erschuf zudem ein paar flotte Tanzeinlagen, wie z. B. zum Ministerball oder zum Instrumentaltitel „Die Elemente“.

Um zu verhindern, dass der Zuschauer viele Informationen erst spät erhält und sie dann verarbeiten muss, hätte man besser getan, mit einer Einleitung die Struktur der futuristischen Erde zu erklären. Dies würde sicher zu mehr Verständnis führen. Trotz dieses leichten Schwachpunkts besticht das Musical „Steam“ durch die perfekte Umsetzung einer Fantasy-Geschichte, im Zusammenspiel mit der Professionalität aller Laien.
Tickets und weitere Informationen gibt es
unter www.musicalprojekt-neunkirchen.de