LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Geänderte Jagdverordnungen beschäftigen weiter die Gemüter - Genervte Ministerin

Nichts scheint Luxemburg derzeit mehr zu beschäftigen als Leben und Tod von Fuchs und Wildsau. Hier stehen sich unversöhnliche Fronten aus Jägerschaft einerseits, und Naturschutzverbänden und Regierung andererseits, gegenüber. Die am 16. Januar beschlossenen Regelungen der Regierung für das Jagdjahr 2015/2016, insbesondere die Aussetzung der Fuchsjagd und ein sechswöchiger Waldfrieden sorgen weiterhin für Aufregung. Nicht nur Abgeordnete der Opposition (Diane Adehm und Gilles Roth, beide CSV) sondern auch Parlamentarier der Regierungskoalition stellen kritische Fragen aus der Jägerperspektive an Umweltministerin Carole Dieschbourg.

Der DP-Abgeordnete Guy Arendt bezog sich in seiner parlamentarischen Anfrage an die Ministerin zunächst auf deren Antwort auf eine schon länger zurückliegende Frage. Damals habe die Ministerin von einem dramatischen Anstieg der Wildschweinpopulation seit 1980 gesprochen und auf massive Abschusspläne für die Jahre 2013 bis 2015 verwiesen. Allerdings seien statt geplanten 13.470 nur 10.100 Wildschweine abgeschossen worden. Die Ministerin habe die Notwendigkeit von höheren Abschüssen betont.

Wie der hohen Wildschweinpopulation beikommen

Unter Bezugnahme auf diese Aussagen über den hohen Sauen-Bestand fragt Arendt, wie sich damit ein sechswöchiges Jagdverbot auf Wildschweine verträgt. Hat der „Conseil de la Chasse“ dieser Ruhezeitregelung und dem Jagdverbot auf Füchse zugestimmt? Falls nicht, warum wurde die Entscheidung des Rates nicht berücksichtigt? Im Weiteren wollte Arendt Auskunft über das Aufkommen der afrikanischen Schweinegrippe in Luxemburg haben. Ob die beschlossenen Maßnahmen nicht deren Verbreitung fördern?

Nach den Sauen ging es um die Füchse: Ob die Ministerin über aktuelle Bestandzahlen der Fuchspopulation in Luxemburg verfüge und ob ein Jagdverbot keine Überbevölkerung zur Folge habe? Welche Maßnahmen seien vorgesehen, um zukünftige Schäden in der Landwirtschaft durch Füchse zu vermeiden? Wie will das Umweltministerium die Abwanderung von Füchsen in den städtischen Raum verhindern?

80 Prozent aller Sauen werden bei Treibjagden geschossen

Man merkt der ministeriellen Antwort ein gewisses Maß an Gereiztheit an. Carole Dieschbourg betont zum wiederholten Mal, dass es kein Jagdverbot für Wildschweine gibt. Sobald die Sauen den Wald verlassen, können sie abgeschossen werden. Genau dort wo sie Schäden verursachen. 80 Prozent aller Wildschweine würden bei Treibjagden erlegt, die terminlich nicht mit der sechswöchigen Jagdpause kollidieren.

Selbst in der Zeit der intensivsten Schweinebejagung in den Jahren 2002 bis 2004 im Kampf gegen die Schweinepest, seien in den sechs Wochen, in denen jetzt Waldfrieden herrschen soll, nur 2,2 bis 3,3 Prozent der Abschüsse erfolgt.

Der Conseil de Chasse berät nur

Im nationalen Jagd-Rat hätten sieben der zwölf Mitglieder gegen die beschlossenen Maßnahmen gestimmt, aber es handele sich nur um ein beratendes Gremium, daher habe man sich lieber an die Expertenmeinungen gehalten.

In Sachen Schweinegrippe müsse sich der Abgeordnete an das dafür zuständige Landwirtschaftsministerium wenden, da es kein Jagdverbot für Wildschweine gibt, gibt es auch keine Auswirkungen, die die Verbreitung von Krankheiten fördern könnten.

Die Zahl der Füchse sinkt seit Jahren

Aufgrund der Abschusszahlen könne man sagen, dass die Zahl der Füchse seit 1998 um 57 Prozent zurückgegangen ist. In anderen Ländern Europas sei man zur selben Erkenntnis gekommen. Britische Forscher seien schon 2002 zur Erkenntnis gekommen, dass ein Jagdverbot keinen Einfluss auf die Fuchspopulation hat.

Schockierte Antwort: Der Fuchs schädigt nicht - er ist ein Nützling!

Geradezu schockiert fällt die Antwort auf die Frage nach durch Füchse verursachten Schäden aus. „Von welchen Schäden spricht der Abgeordnete Arendt?“ Es gebe keine Schäden. Im Gegenteil der Fuchs nütze der Landwirtschaft, da er sich hauptsächlich von Kleinsäugern und Nagern ernährt.

Die Abwanderung von Füchsen in urbane Räume habe überhaupt nichts mit der Jagd zu tun und es sei utopisch, daran zu glauben sie „draußen“ halten zu können. Über das Zusammenleben mit dem Fuchs kläre eine Broschüre der Naturverwaltung für das breite Publikum auf, diese sei auch allen Jagdpächtern zugegangen.