CLAUDE KARGER

Es war nicht nur ein technischer Meilenstein: Genau heute vor 25 Jahren machte Internet-Pionier Tim Berners-Lee die erste Webseite der Welt öffentlich: info.cern.ch. Die Seite der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) im schweizerischen Genf, wo der britische Computerspezialist ab dem Frühjahr 1989 ein Projekt auf der Grundlage des Hypertext-Protokolls entwickelte, um die Kommunikation zwischen Forschern weltweit zu verbessern, kann heute noch angesteuert werden.

Sie bettet sich ein in das umfangreiche Informationsangebot des großen Forschungsinstituts, das natürlich auch noch den simplen NeXT-Rechner - den ein gewisser Steve Jobs damals vermarktete - aufbewahrt hat, der als erster Webserver diente. Wie Computernetzwerke zusammen geschaltet werden können, hatten bereits andere seit den 1960ern ergründet und auch die ersten E-Mail-Systeme gab es bereits - alles eher was für Spezialisten, die sich im Rahmen von Forschungsprogrammen bewegten.

Man kann sagen, dass Berners-Lee mit seinem „World Wide Web“-Projekt dem Internet erstmals ein „Gesicht“ gab. Es wäre aber weiterhin für längere Zeit eine Angelegenheit für wenige Insider geblieben, wenn das CERN nicht 1993 gezielt auf Patentierung oder Lizenzzahlungen für die WWW-Technologie verzichtet hätte. Die freie Verfügbarkeit erlaubte ständige Weiterentwicklungen und brachte einen unvergleichlichen Boom - wir erinnern uns noch genau an die Aufbruchstimmung in diesen auch von großen politischen Umwälzungen wie dem Zerfall der Sowjetunion bestimmten Jahren - und änderte nicht nur die Kommunikation und die Wirtschaft nachhaltig, sondern auch unsere Lebensgewohnheiten. Erfolgsgeschichten wie die von Amazon (1994), eBay (1995), Google (1998), Wikipedia (2001), Facebook (2004), Youtube (2005), Twitter (2006) oder Netflix (2007) wären ohne die Geniestreiche am CERN wohl niemals entstanden.

Ein knappes Vierteljahrhundert danach gibt es in dieser Welt der fortschreitenden Verbilligung und Verschnellerung von Computern und Kommunikationsverbindungen mittlerweile fast 1,1 Milliarden Webseiten. Das mobile Internet mit seinen Apps entwickelt sich aber längst rasanter. Ein nie da gewesenes Informationsangebot, in dem man vom Schönsten bis zum Abscheulichsten alles findet - jede Errungenschaft hat auchihre Schattenseiten - und das rund um die Uhr. Eine Welt ohne das Web mit seinen zahlreichen Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten, daran wird sich bald niemand erinnern können.

Gerade deshalb scheint es uns ausgesprochen wichtig, besonders die heranwachsenden Generationen nicht nur über die technologischen Hintergründe des Systems aufzuklären, sondern auch vom frühesten Alter an mit ihnen die Gefahren des Web, dessen notwendige Neutralität - für die Tim Berners-Lee heute noch ein wichtiger Fürsprecher ist, genau wie für den freien Zugang zum WWW-, den Umgang mit den dort vorhandenen Informationen und vor allem den Schutz ihrer Privatsphäre zu diskutieren. Und über Wege, mal „abschalten“ zu können. Denn die digitale Diät ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, wie wir aus eigener Erfahrung wissen.