LUXEMBURG
GUSTY GRAAS

Vertrag von Rijswijk am 20. September 1697: Franzosen geben Herzogtum Luxemburg ab

Das 1839 unabhängig gewordene Luxemburg blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Es waren immerfort fremde Mächte, die die Grafschaft und später das Herzogtum sowie Großherzogtum Luxemburg für den Erhalt oder den Ausbau ihres Einflussbereiches benutzten. Das Territorium diente ebenfalls als Ausgleichselement, um Erfolge bei den einzelnen Friedensverhandlungen erzielen zu können.

Hegemonieansprüche von Ludwig XIV.

Appetit auf das Herzogtum Luxemburg hatte denn auch Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715), der einzigartige Herrscher des Französischen Königreiches. Bereits durch den Pyrenäenvertrag von 1659 fielen dem französischen König die luxemburgischen Territorien Diedenhofen, Montmédy und Damvillers mit allen ihren angegliederten Eigentümern zu. Es handelte sich um die erste Zerstückelung Luxemburgs. In den Jahren 1815 und 1839 sollten noch zwei weitere Aufteilungen folgen.

Ab 1667 stürzte sich Ludwig XIV. in zwei zusätzliche Kriege, um seinen Expansionskurs weiterzuführen. Durch den Vertrag von Nimwegen im Jahre 1678 erhielt Frankreich Franche-Comté und die nördlichen Territorien (Valenciennes, Cambrai). Der König setzte alsdann die Versammlungskammer von Metz ein, die sich eingehender mit dem Statut Luxemburgs im Pyrenäenvertrag beschäftigte. Durch eine bewusst falsche Interpretation des Vertrages verlangte die Kammer mittels einer Zermürbungstaktik auch noch frühere Dependenzen, wie zum Beispiel die Herrschaft Hesperingen. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden mussten dem König Treue schwören. Dementsprechender Protest von Seiten der spanischen Machthaber blieb ohne Wirkung. 1681 verlangte die Kammer von Metz die gesamte Einverleibung Luxemburgs in das französische Reich. Der Grundstein für das französische Regime in unserem Land war gelegt. Ein Jahr später blockierte Marschall Créqui die Festung und feuerte im November 1683 Kanonenkugeln auf die Stadt. Am 11. Dezember desselben Jahres erklärte Spanien unter König Karl II. Frankreich den Krieg.

Eroberung der Festung

Die Festung Luxemburg kapitulierte schlussendlich am 4. Juni 1684 und am 15. August kam es zum Abschluss des Waffenstillstandsabkommens von Regensburg zwischen dem Reich und Spanien einerseits und Frankreich andrerseits, das bis auf Weiteres die durch den Pyrenäenvertrag erworbenen Territorien behalten durfte.

Die Eroberung der Festung sollte in Europa nicht unerwähnt bleiben, berichteten doch französische, niederländische und deutsche Blätter über den Vorgang. Créqui und Vauban wurden als die wahren Architekten des militärischen Erfolgs dargestellt, aber der eigentliche Glanz entfiel auf den Sonnenkönig. Kaum waren die Spanier abgezogen, stellte Vauban 3.000 Arbeiter zur Verfügung, um die Festung neu zu gestalten, unter anderem auf dem Fetschenhof und dem Verlorenkost. Da durch die Bombardierungen von 1683-1684 schwere Schäden entstanden waren, genehmigte Ludwig XIV. eine finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau. Durch ein Edikt vom 12. November 1686 lockte der König mit steuerlichen Vorteilen ausländische Handwerker ins Land, eine Praxis, die in der modernen Politik eifrige Nachahmer in unserem Land fand!

Die Ausmaßen der Festung ließen keinen Zweifel an der königlichen Absicht aufkommen, das unter der Leitung eines Gouverneurs stehende Herzogtum, definitiv in das Königreich zu integrieren.

Mit dem neuen Regime verloren die zentralen Institutionen weitreichende Kompetenzen. Leider wurden zu dieser Zeit viele sich im Besitz des Adels befindende Schlösser und Wälle von kleinen Städten im Land zerstört. Glücklicherweise blieb Schloss Vianden von diesem Schicksal verschont.

Neuer Krieg

Der Vertrag von Regensburg sollte allerdings nicht zu einer Entspannung der internationalen Lage führen. Die Gegner der Franzosen schlossen sich in der Augsburger Liga zusammen und 1688 brach der Krieg aus, wobei Luxemburg diesmal nicht betroffen war. Der Sonnenkönig hielt der internationalen Front nicht stand und ab 1693 nahm er Gespräche mit seinen Gegnern auf. Besonders gegenüber den Spaniern zeigte er sich zu Konzessionen bereit und schlussendlich fiel das Herzogtum Luxemburg durch den Vertrag von Rijswijk (Niederlande) am 20. September 1697 wieder zurück an Spanien. Durch diesen Vertrag wurde ebenfalls der Pfälzische Erbfolgekrieg beendet.

Vauban hatte sich ursprünglich gegen eine Rückgabe Luxemburgs ausgesprochen. Sollte das Gegenteil eintreten, hätte der Architekt für eine Schleifung der Festung plädiert. Dieses Schicksal erlitt das imposante Bauwerk übrigens durch den Londoner Vertrag von 1867.

Die französische Herrschaft zwischen 1681 und 1697 erscheint wie eine Zäsur in der luxemburgischen Geschichte. Die feudale Struktur der Gesellschaft war geschwächt und viele richterliche Amtsstellen gingen dem Adel verloren, der im Laufe des 18. Jahrhunderts zusehends an Macht einbüßte.

Bibliografie: Trausch Gilbert, Histoire du Luxembourg, Éditions Privat, Toulouse, 2003