Es hat nur nach außen hin den - sicherlich sehr kurzfristigen - Anschein, als wäre mit dem offiziellen Eintritt in die Sommerferien das Thema Griechenland finanz- und wirtschaftspolitisch vom Tisch. Das ist es nämlich und selbstverständlich keineswegs, die wirklich nur scheinbare Ruhe ist das Ergebnis einer vor gut zwei Wochen getroffenen Einigung über eine weitere zwischenzeitliche Lösung des nach wie vor er- und bedrückenden Schuldenproblems, das die Griechen selbst, aber auch die gesamte europäische Währungsunion, weiter mit sich herumschleppen.
Die Einigung mit eindeutig aufschiebendem Charakter hat nämlich an der eigentlichen Problematik nichts geändert, außer vielleicht, dass die Griechen selbst gezwungen waren, eine Reihe von sicherlich unpopulären Maßnahmen zu beschließen, deren Umsetzung und Auswirkungen sich aber erst noch zeigen müssen. Erreicht wurde allenfalls eine zeitweilige Beruhigung an den festgefahrenen Fronten, an deren Auflösung kann im Moment niemand denken.
Während also auf der offiziellen Bühne, auch unter dem Eindruck der medialen Zuspitzung der Flüchtlingsproblematik im Mittelmeerraum, etwas Entspannung eingekehrt zu sein scheint, herrscht im Hintergrund weiterhin geschäftiges Treiben, werden von einer mittlerweile vierköpfigen Prüfungsmannschaft - zu EZB, EU-Kommission und IWF ist mittlerweile auch ein Team des ESM (Europäischer Stabilitäts-Mechanismus) hinzu gestoßen - weiter Untersuchungen vorgenommen und Verhandlungen geführt, die zu dauerhaften und nachhaltigen Abmachungen und Ergebnissen führen sollen. Der griechische Premierminister Tsipras, der nach seinem eklatanten Wahlsieg Ende Januar gemeinsam mit seinem Finanzminister Varoufakis angetreten war, die Partnerstaaten der Währungsunion, die EZB und das kapitalistische Finanzsystem das Fürchten zu lehren, musste mit sechsmonatiger Verspätung die Kröten schlucken, die er so entschieden und für seine Mitbürger überzeugend von sich gewiesen hatte. Wichtiger aber als dieser eigentliche Vorgang ist die Einsicht der griechischen Regierung darüber, dass sie ihre ureigenen Probleme nur in gemeinsamen und partnerschaftlichen Initiativen wird lösen können. Selbstherrliche Alleingänge helfen keinem weiter und lassen die Partner mit ehrlicher Hilfsbereitschaft am Ende sogar lächerlich erscheinen. Das aber hat wiederum keiner nötig.
Es bleibt beim derzeitigen (Zwischen-)Stand der Dinge zu hoffen, dass der neue Zeitraum, den sich die Griechen und ihre wichtigsten Gläubiger gemeinsam eröffnet haben, zu ehrlichen, kritischen und vor allem auch - hüben wie drüben - selbstkritischen Überlegungen genutzt wird. Sicher scheint im Augenblick nur zu sein, dass man im Sinne einer dauerhaften Lösung an einem angemessenen und möglichst maßvollen Schuldenschnitt genau so wenig vorbeikommen wird, wie an einer zusätzlichen Ausweitung der Rückzahlungsfristen. Rechthaberei allein führt nicht zum Ziel. Sinnvolle Hilfe zur Selbsthilfe - die auch als solche verstanden werden muss - bleibt unerlässlich für eine dauerhafte Lösung des Kernproblems.


