NIC. DICKEN

Nahezu alles anders machen als die aktuelle Regierungskoalition will die CSV also, wenn sie, wie ihre Hauptexponenten inbrünstig immer wieder betonen und fordern, 2018 wieder an die Macht kommen soll. Allzu dürftig ist ihre Argumentation allerdings besonders in einem nicht unwesentlichen Punkt: Die CSV will die Uhren ab 2018 in den meisten Politikbereichen wieder auf Null - sprich: 2013 - zurückstellen und mit ihrer alten Politik fortfahren.

Was das heißt, sollten sich die Bürger allerdings sehr wohl bewusst machen. Das wäre nämlich nichts anderes als eine Rückkehr in die 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wo die nach wesentlichen und vor allem notwendigen Reformen nicht gerade lechzende Volkspartei das Land wieder hinbringen möchte.

Fast 35 Jahre lang hatte die CSV ununterbrochen und, als größter Koalitionspartner, maßgeblich die Regierungspolitik bestimmt. Sie hat in dieser Zeit zweifellos Zeichen gesetzt, sie hat aber auch viele wesentliche Entwicklungen verschlafen und Reformen verpasst, ein Umstand, der bis heute auf der Arbeit einer ungleich reformfreudigeren Regierungsmannschaft lastet. Dass in den letzten knapp dreieinhalb Jahren nicht alles in Butter war, was die neue Dreierkoalition als Projekte und wesentliche Reformen auf den Weg und in die Umsetzung gebracht hat, sollte in diesem Zusammenhang keineswegs bestritten werden.

Aber sie hatte zumindest den Mut, oft genug zum Unwillen bestimmter Bevölkerungskreise, die eigenen Ideen im Hinblick auf die Modernisierung der Gesellschaft und die Schaffung zeitgemäßer Lebensumstände darzulegen und in politischen Entscheidungen zu realisieren.

Vieles von dem, was Blau-Rot-Grün in den letzten Jahren getan hat, wurde von den Bürgern noch nicht in vollem Ausmaß erkannt, anderes wird mit stillschweigender Genugtuung angenommen und genutzt. Wesentlich bleibt, dass es den Bürgern dieses Landes, dem Land selbst und auch der immer wieder beschworenen Finanzsituation des Landes heute auf keinen Fall schlechter geht als im Sommer 2013.

Das sollte nicht nur der CSV-Präsident zur Kenntnis nehmen, der das Hochamt seiner Partei am Samstag einmal mehr dazu nutzte, mit der Dampfwalze über die Regierungsarbeit zu fahren, sondern das muss auch der deutlich maßvoller auftretende designierte Spitzenkandidat sich vergegenwärtigen, der mit seinen Alternativen zur Regierungspolitik zwar heftig wuchert, mit präzisen Angaben jedoch pfleglich hinter dem Berg hält.

Er sollte sich deshalb bewusst werden, dass man allein mit staatsmännischem Auftreten nicht überzeugen kann und seine neunjährige Regierungszugehörigkeit ihn nicht unbedingt als Reformeiferer ausgewiesen hat. Oder sollte er am Ende eine Rückbesinnung auf alte und überholte Politikkonzepte als Alternativen zur aktuellen Regierungspolitik verstanden wissen wollen? Damit würde er dem Land und der Bevölkerung keinen Gefallen erweisen.