COLETTE MART

Die bunt beleuchtete Tram wurde schnell zum Erfolg, wie die kürzlich veröffentlichten Passagierzahlen offenbarten.

Dies ist sicherlich gut so, denn es wäre nicht auszudenken, was politisch und verkehrstechnisch auf uns zugekommen wäre, falls die Bevölkerung nicht auf das neue Transportmittel angesprochen hätte, das zurzeit schnurgerade über den Kirchberg rollt, allerdings von der Stadt selbst aus doch erst nach einer Busfahrt oder einem morgendlichen Spaziergang über die rote Brücke im Nebel, oder aber von Pfaffenthal aus zu erreichen ist.

Hier und jetzt kommen für viele von uns die Erinnerungen zurück an eine Zeit, in der es noch keine zwei Autos pro Familie gab, in der man sich noch nicht für den morgendlichen Schulweg oder den Weg zur Arbeit automatisch ins Auto setzte.

Die Geschichte der Tram wird zurzeit allen Generationen nähergebracht, und in unseren Zeitungen finden wir alte Bilder aus den fünfziger Jahren, in denen die Tram auf fast autoleeren Straßen über die Avenue de la Liberté fährt. Es ist, als müssten wir jetzt wieder hier anknüpfen, an den Fäden unserer Erinnerungen, und als müssten wir uns zurückbesinnen auf eine Zeit, in der wir doch als Gesellschaft Verschiedenes besser gemacht haben, in dem wir grundsätzlich unsere alltäglichen Wege zu Fuß zurücklegten, oder aber das Fahrrad, den Bus oder die Tram auf dem Stadtgebiet nahmen.

Die Veränderung unserer Gewohnheiten geschah relativ schleichend. Wohnen und Arbeiten rückten mit der Entwicklung der Stadt Luxemburg zur Metropole der Großregion weiter auseinander und wer außerhalb der Stadt wohnte, stieg selbstverständlich jeden Morgen ins Auto. Die Emanzipation der Frau brachte vielfach das zweite Auto mit ins Spiel, denn schließlich mussten die Kinder morgens in die Kinderkrippe oder in die Schule gefahren werden, wenn die Eltern an bestimmte Arbeitstermine gebunden waren. Irgendwann, im Laufe der Jahrzehnte, in denen wir vielleicht vergaßen, wie sich der Morgennebel auf unserem Gesicht anfühlt und welche Erfrischung er uns bringen kann, in denen wir vielleicht nicht einmal mehr eine Mütze, Handschuhe oder Stiefel besaßen, weil wir diese ja im Auto kaum noch brauchten, standen wir plötzlich im Stau und lasen unsere Emails.

Wir lasen, dass es den Menschen allgemein, und auch den Kindern, an Bewegung mangelt, wir hörten von stressigen Verkehrssituationen vor den Schulen, wo die Kinder mittlerweile vorwiegend mit dem Auto hingebracht werden.

Die Tram führt uns zurück in unsere Erinnerung, in ein anderes Leben. Sie wird uns die Chance geben, mit Mütze und Handschuhen dann doch vielleicht jeden Morgen eine kurze Strecke zu Fuß zu gehen, und zu beobachten, wie die Stadt in den verschiedenen Jahreszeiten erwacht.

Und zwischen ihren bunten Lichtern können wir vielleicht ja auch mal mit jemandem plaudern, der die Dinge ähnlich sieht.