LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Marianne Majerus ist eine weltweit bekannte Gartenfotografin -Jetzt bepflanzt sie in Luxemburg ihr eigenes grünes Paradies an der Mosel - und verriet uns, warum

Sie gehört zu den bekanntesten Gartenfotografinnen der Welt: Marianne Majerus. Seit ihrer ersten Ausstellung Ende der 70er Jahre in Großbritannien ist sie dort so etwas wie ein Star der Szene. So sitzt die Luxemburgerin unter anderem als Mitglied im Foto-Beratungs-Komitee der „Royal Horticultural Society“. Nachdem sie zunächst für Koch- und Reisebücher Fotos gemacht hatte, konzentrierte sie sich auf Pflanzen und Gärten und gründete schließlich in Großbritannien, wohin sie ihr Studium verschlagen hatte, ihr Unternehmen „Marianne Majerus Garden Images“. Bis heute hat Majerus nicht nur mehr als 100 Bücher allein bebildert, sondern auch eine Menge Auszeichnungen und Preise erhalten. Ihre Fotos werden in der „Times“ ebenso gedruckt wie in Magazinen wie „House & Garden“ oder „The English Garden“. Neben britischen Publikationen drucken auch Medien in Japan, Frankreich, Deutschland, Italien, den USA oder Südkorea ihre Bilder ab. Ihre Portraits bekannter Schriftsteller hängen in der „National Portrait Gallery“ in London und weiter Fotos sind im Luxemburger „Centre National de l’Audiovisuel“ zu finden. 1995, als Luxemburg europäische Kulturstadt war, hatte sie eine große Portraitausstellung im Land. Wir haben mit Majerus anlässlich eines ihrer Besuche in der Heimat gesprochen - und Interessantes erfahren.

Frau Majerus, wie sieht Ihr Garten aus?

Marianne Majerus Der Garten an der Mosel ist noch eine Baustelle! Wir sind dabei, das Haus zu renovieren. Teilweise ziehen wir nach Luxemburg zurück. Wie sich das entwickelt, hängt vom Brexit ab. In London haben wir einen schönen Garten mit vielen Stauden. Hier muss das erst noch etwas werden (lacht). Mir schwebt ein Dorfgarten mit Obstspalieren vor: Pfirsiche, Birnen und Äpfel.

Wie wird man Gartenfoto-grafin?

Majerus Ich war schon immer an Botanik und Natur interessiert. Der Rest kam in England während meines Studiums. Anfangs waren es Landschaften, dann Portraits. Ich habe auch historische Bücher und Bände über Essen illustriert. Dann wurde ich vor 35 Jahren gefragt, ob ich Gärten fotografieren wolle. Ich war damals in Großbritannien, weil ich dort englische Literatur und Wirtschaft studiert habe. Nach dem Abschluss habe ich noch in London etwas Fotografie studiert, aber größtenteils habe ich mir alles als Autodidakt beigebracht, seit ich mit neun Jahren zum ersten Mal eine Kamera in der Hand hielt. Durch die Fotografie bin ich viel herumgekommen. In Großbritannien bin ich für Fotos so viel gereist, dass ich England besser kenne als viele Briten. Aber ich mache auch viel in Italien, Deutschland, Frankreich oder hin und wieder in den USA.

Wann fotografiert man einen Garten am besten?

Majerus Meine Lieblingsprozedur ist es, gegen Abend dorthin zu gehen und zu fotografieren. Oft schlafe ich vor Ort und mache dann nochmal bei Sonnenaufgang Bilder. Ich entdecke lieber den Garten spontan durch die Kamera, als alles vorzubereiten. Dabei arbeite ich mit vielen Objektiven, das ist hilfreich bei der Kontrolle der Perspektiven.

Welche Gärten lieben Sie in Luxemburg und weltweit?

Majerus Ich arbeite viel mit renommierten Landschaftsarchitekten wie Tom Stuart-Smith, Christopher Bradley-Hole, George Carter und Arabella Lenox-Boyd, um nur ein paar zu nennen. 2010 habe ich beim Verlag Binsfeld das Buch „Geheime Gärten Luxemburgs“ herausgebracht, das leider vergriffen ist. Im Moment arbeite ich an einem neuen Buch über Rosengärten in Luxemburg. Ich habe schon immer verschiedene Rosen geliebt, vor allem die „Tour de Malakoff“. Das ist eine luxemburgische Rose von lilarosa Farbe, die nach der Festung benannt ist. Ich habe schon andere Bücher über Rosen herausgebracht. Beispielsweise hatte ich schon ein Buch mit dem britischen Rosenzüchter Peter Beales gemacht, der teilweise auch luxemburgische Rosen züchtet. Luxemburg hat als Rosenland Tradition. In luxemburgischen Katalogen auf Englisch aus jener Zeit von Soupert und Notting aus dem Jahr 1904 wurden luxemburgische Rosen angeboten. In etwas holprigem Englisch steht da was über unsere Rosen und den Versand, denn damals war das nicht so einfach. Die Züchter haben ganze Anlagen beliefert; das waren bestimmt hunderte von Rosen pro Lieferungen, denn für eine allein hätte sich der Versand nicht gelohnt. Der Katalog war damals schon einen Zentimeter dick. Ich habe solche alten Rosen des öfteren in England fotografiert. Jetzt freue ich mich über die Wiederbelebung des Rosenerbes in Luxemburg. Die Gärten hier in Luxemburg haben sich enorm entwickelt und die Rosengärten übertreffen öfters die britischen.

Gärten sind eng mit dem Thema Umwelt verbunden. Begegnen Sie dem Thema bei Ihrer Arbeit?

Majerus Ich denke, in Europa ist das eine große Sorge der Gärtner. Die müssen ja Pflanzen haben, die überleben können. Da verändern sich die Ansprüche. Züchter in England beschäftigen sich viel damit, denn in Essex gibt es beispielsweise so wenig Regen wie in Jerusalem. Hier entstand der weltberühmte Kiesgarten von Beth Chatto. Es ist ein Kiesgarten, der nie bewässert wird. Dort gibt es also nur Pflanzen, die so auch überleben können. Auch Plastikübertöpfe sind ein Problem: Das schwarze Plastik ist beim Recycling-Verfahren nicht sichtbar und wird deshalb nicht recycelt. In Großbritannien wird häufig zu Falschgras oder Astroturf gegriffen. Das ist ein Plastikgras, das zwar in kleinen Stadtgärten beliebt ist, aber es eine Katastrophe für die Umwelt.