LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Vereinfachtes Verfahren zur Änderung eingedeutschter Vornamen

Johann darf wieder Jean sein. Lotte heißt bald wieder offiziell Charlotte. Mehr als 17.000 Einwohner Luxemburgs können ihren deutschen Zwangsnamen endgültig ablegen, und zwar ganz ohne administrative Hürden. Zur Erinnerung: Eine Gesetzesänderung hatte mit sich gebracht, dass vor dem Jahr 1945 Geborene plötzlich die deutsche Variante ihres Vornamens auf offiziellen Dokumenten wiederfanden, - ihren auf der Geburtsurkunde eingetragenen offiziellen Vornamen nämlich. Aus Henri war demnach Heinrich und aus Pierre Peter geworden, was natürlich für reichlich Unmut bei den Betroffenen sorgte. Die Gesetzesänderung, die im Juni 2013 gestimmt wurde, tritt zwar erst in ein paar Monaten in Kraft, trotzdem haben bereits einzelne Verwaltungen, die neuen Vorgaben umgesetzt: Auf Dokumenten darf künftig nur noch der offizielle und nicht der gebräuchliche Vorname benutzt werden.

Pragmatische und schnelle Lösung des Problems

Die beiden Minister Félix Braz und Dan Kersch haben gestern eine rasche Lösung der Problematik angekündigt. Eine neue Prozedur soll die Französisierung des einstigen Zwangsnamen erleichtern. „Wir lösen damit ein Problem, das uns die vorherige Regierung eingebrockt hat. Es handelt sich um eine pragmatische Lösung“, betonte Minister Kersch. Die genannte Gesetzesänderung würde übrigens weitere Probleme mit sich bringen, auf die die Minister jedoch nicht weiter eingingen.

Wer sich indes einen komplett anderen Vornamen wünscht, muss andere Prozeduren durchlaufen. „Diese Möglichkeit schaffen wir nur für Fälle, in denen Betroffenen - unter Nazi-Besatzung etwa - eine deutsche Fassung ihres Vornamens aufgezwungen wurde“, erklärte der Justizminister. Zwar wurde bereits unter vorherigen Regierungen die Möglichkeit geboten, den Namen in der Geburtsurkunde in die französische Fassung umändern zu lassen - ein erstes Mal 1948 und ein weiteres Mal 1982 - jedoch machte nicht jeder Betroffene Gebrauch davon, wohl weil kein solcher Anlass bestand, wie das jetzt der Fall ist. Schließlich konnte man bis dato auch seinen gebräuchlichen Vornamen für offizielle Dokumente, wie Führerschein, nutzen. Das geht nun also nicht mehr, dies nicht zuletzt auch im Sinne der Rechtssicherheit bei Reisedokumenten, Ausweispapieren, Führerscheinen und anderen Verwaltungsdokumenten.

Die Betroffenen werden in den kommenden Tagen angeschrieben, müssen ein Formular ausfüllen, dieses unentgeltlich zurücksenden und sich anschließend nie wieder als Johann oder Lotte rufen lassen. Dann werden sie nämlich im Nationalen Register natürlicher Personen nur noch als Jean und Charlotte geführt.
Weitere Informationen gibt es über die Telefonnummer 24 78 15 60