DÜDELINGEN
SIMONE MOLITOR

„Live goes on“ heißt es im Düdelinger opderschmelz

Als das Düdelinger Kulturzentrum opderschmelz letzte Woche sein Programm vorstellte, hatte die neue Spielzeit eigentlich schon begonnen. Sven Sauber hatte sein Debütalbum bereits live auf der Bühne präsentiert und auch das Konzert des Crossover-Jazz-Quartetts WiFiCaBel lag einige Tage zurück. „Live goes on“ eben, wie das Motto der diesjährigen Saison lautet: Trotz Einschränkungen und strengen Hygienevorschriften soll das Publikum weiterhin in den Genuss von Live-Musik kommen, wenngleich das Ganze nun im Sitzen und mit Abstand stattfinden muss. Tische mit Stühlen und Sofas stehen dazu im großen Konzertsaal und auf dem Balkon bereit. Die Maskenpflicht entfällt, wenn man erst einmal Platz genommen hat.
„Damit kommen wir zwar nur auf eine Auslastung von 18 bis 22 Prozent, können demnach maximal 110 von 500 Plätzen besetzen, aber es ist wichtig, wieder Live-Erlebnisse zu bieten“, unterstrich Direktor John Rech, der gleichzeitig darauf hinwies, dass dies nur möglich sei, „weil wir ein nicht-kommerzieller Betrieb sind“. In der Tat ist die Kultur der Stadt Düdelingen zehn Prozent ihres Budgets wert. „Wir haben die große Chance, nicht kostendeckend arbeiten zu müssen. Müssten wir das tun, würde hier auch in normalen Zeiten fast nichts stattfinden“, gab Patricia Jochheim, zuständig für die Programmgestaltung im Jazz-Bereich, zu bedenken.  

„Kultur ist systemrelevant und lebensnotwendig“

Für Bürgermeister Dan Biancalana stehe – Corona-Krise hin oder her - momentan außer Frage, Kürzungen an der finanziellen Unterstützung vorzunehmen. „Die Kultur gehört neben dem Sport zu einem der wichtigsten Standbeine unserer Stadt“, betonte er. Bereits über die Sommermonate sei es dem Kulturdienst gelungen, sich der Situation anzupassen und ein Open-Air-Angebot auf die Beine zu stellen. Rund 2.300 Besucher hatten die Live-Konzerte „Ënnert dem Waassertuerm“ besucht. „Kultur steckt in der DNA der Stadt Düdelingen, sie ist systemrelevant für uns, ja auf vielen verschiedenen Ebenen sogar lebensnotwendig“, meinte auch Kulturschöffe Loris Spina. „Es soll weitergehen. Kunst und Kultur müssen weiterleben. Diesbezüglich haben wir eine soziale, aber auch eine sozioökonomische Rolle zu spielen. Wir sind und bleiben ein aktiver Akteur in der Kulturszene Luxemburgs und der Großregion“, versprach er. Derweil blickte John Rech kurz auf die Krisenmonate zurück, in denen über 200 Veranstaltungen abgesagt werden mussten. „Natürlich schlug sich dies auf unsere Moral nieder. Wir sind ein dynamisches Team, das immer nach vorne schaut. So ausgebremst zu werden, war nicht leicht, aber wir haben die Kraft gefunden, weiterzumachen“, so Rech.

Vielfalt an Veranstaltungen

Obwohl die Ungewissheit wegen der Corona-Pandemie immer noch groß sei, sollte das Programm bis Ende des Jahres wie geplant über die Bühne gehen können. „Deshalb stellen wir es erst so spät vor, weil wir eben möglichst sicher sein wollten, dass alles klappt“, erklärte Rech. Trotz aller Umstände fehlt es dem Angebot nicht an Vielfalt. Jazz gehört genauso dazu wie Folk-Musik, wie Literatur, Tanz und Theater. Die lokale Szene ist ebenso vertreten wie die internationale.
Nächstes Rendezvous im opderschmelz ist am 14. Oktober. Dann ist das französische Jazz-Trio „Das Kapital“ zu Gast, um sein Projekt „Vive la France“ vorzustellen, ein Album mit erfrischenden Covers von Brassens, Barbara, Ravel bis Piaf. Am 16. Oktober präsentiert der luxemburgische Gitarrist und Komponist Greg Lamy seine Show „Observe the Silence“, dies im Trio mit Gautier Laurent und Jean-Marc Robin. Am 25. Oktober laden die Klavierlehrer der regionalen Musikschule zu einer „Nacht mit Ludwig van B.“ ein. Ein Highlight steht am 2. Dezember an. Dann wird „The Outside Track“, eine fast ausschließlich weibliche Band, ihre erfrischende und kreative Interpretation keltischer Musik zum Besten geben. Am 4. Dezember stehen „Benny & The Bugs“ auf der Bühne. Und am 15. Dezember wird das Musical „Ritter Rost feiert Weihnachten“ für Kinder ab fünf Jahren geboten.

Unumgängliches Festival „Touch of Noir“

Sogar am interdisziplinären Festival „Touch of Noir“ wird im opderschmelz festgehalten. Eröffnet wird es am 10. November mit dem Tanzspektakel „Blast“, das von vier Tänzern zur Originalmusik von Rajivan Ayyappan aufgeführt wird. Am 16., 17. und 18. November präsentiert das Kollektiv Independent Little Lies mit „Amadeus“ eine fiktionalisierte Mozart-Biografie von Peter Shaffer. Am 20. November heißt es „Fellini 2020“ mit Filmmusik des Komponisten Nino Rota, insbesondere die der Filmwerke von Federico Fellini. Am 21. November steht der französische Komponist und Musiker Chassol mit seinem neuen Projekt „Ludi“ auf der Bühne. Filmliebhaber kommen am 25. November während des Kinokonzerts „De l‘Aube à Minuit“ auf ihre Kosten. „Literatur auf eine etwas unkonventionellere Art und Weise“ wird am 27. November bei der Veranstaltung „Be Offline“ unter der Moderation von Luc Spada geboten. Mit von der Partie sind die beiden Autoren Elise Schmit und Michel Abdollahi sowie ein Resident-DJ. Zum Abschluss werden am 1. Dezember Saxofonist Maxime Bender und Schlagzeuger Jeff Herr für ihr neues Projekt „Herr Bender feat EDSUN“ mit dem Sänger-Tänzer EDSUN auftreten.
In den beiden „Centres d’art“ können indes noch bis zum 18. Oktober zwei Ausstellungen besichtigt werden: Disorganized Info-Dump“ von Gilles Pegel (Centre d’art Nei Liicht) und „Mirage Mirage“ von Marianne Villière (Centre d’art Dominique Lang). Auf sie folgen ab dem 31. Oktober „Avoir désordre von Marc Buchy (Nei Liicht) und „Die hängenden Gärten“ von Arny Schmit (Dominique Lang).
Wie es um die großen Festivals wie „Zeltik“ oder „Fête de la Musique“ im nächsten Jahr steht, lässt sich indes momentan noch nicht sagen. John Rech und sein Team arbeiten aber schon an einem Plan B und C. Das Wichtigste sei nun, dem Publikum die Möglichkeit zu bieten, wieder Live-Spektakel zu genießen.
Alle Infos: www.opderschmelz.lu