MAMER
SIMONE MOLITOR

Im Zeichen der Solidarität: „Connection“ stärkt Partnerschaft zwischen Strukturen und Künstlern

Die Rückkehr zum „business as usual“ fällt in manchen Sektoren besonders schwer. In einigen wird aber auch ganz bewusst ein anderer Weg gewählt. Aus der Krise wurden Lehren gezogen. Im Theatermilieu steht ein regelrechter Neuanfang bevor. Nie zuvor wurde so viel Wert auf Zusammenarbeit gelegt. Die „Rentrée“ steht ganz im Zeichen der Solidarität, dies insbesondere in den „Théâtres de la Ville de Luxembourg“  und dem Mamer Kinneksbond, wo gestern das Projekt „Connection“ vorgestellt wurde. 
Jérôme Konen, Leiter des Kinneksbond, sprach von einer bis dahin nie da gewesenen und sehr harten Periode, die den Sektor stark getroffen habe. „Im Grunde mussten wir uns selbst und unsere Kunst, die auf Nähe, Zusammenkunft und Austausch gründet, in Frage stellen. Müsste man einen positiven Aspekt der vergangenen Monate nennen, so wäre dies der große Austausch zwischen den Strukturen, den Künstlern und den Verbänden. Ein ungewöhnlicher Moment der Solidarität, wie ich ihn nie zuvor erlebt habe“, schwärmte Konen. Dieser Austausch, besonders mit den „Théâtres de la Ville“, habe schließlich zum Projekt „Connection“ geführt, das in Partnerschaft mit dem Kasemattentheater, dem „Théâtre du Centaure“ und dem „Théâtre Ouvert Luxembourg“ (TOL) den Anfang der neuen Spielzeit besonders markieren wird. „Es bestand der starke Wille, das Beste aus dieser ungewohnten Situation zu machen Die Initiative fußt auf der Solidarität und soll die Kreation unterstützen“, so Konen weiter.

Dokumente der Aktualität

„Commande de textes“ war ein wichtiger Bestandteil von „Connection“. „Wir wollten jenen das Wort geben, die diese Zeiten mit ihren Wörtern am besten beschreiben können“, sagte der Direktor des Kinneksbond. Texte rund um die aktuellen Themen „Discours sur l’état d’urgence“, „Hymne aux oublié.e.s de la crise“ sowie „Inventaire des belles choses“ wurden in Auftrag gegeben. „Am Ursprung war wirklich dieser Wille, den Sektor und seine Künstler während eines sehr schweren Moments zu unterstützen. Gleichzeitig sollte aber auch die eigentliche Mission des Theaters erfüllt werden, die darin besteht, die Aktualität zu dokumentieren und ein Spiegel der Gesellschaft zu sein“, meinte Tom Leick-Burns, Direktor der hauptstädtischen Theater. „Ein anderer Aspekt war der, die Zusammenarbeit zu stärken, Binome zu schaffen, demnach Autoren und Regisseure zusammenzubringen, die gemeinsam einen Text und eine Inszenierung ausarbeiten“, präzisierte er.
Acht solcher Binome und folglich acht Texte sind schließlich entstanden. An acht Abenden werden sie präsentiert. „Es geht uns darum, den Sektor zu dynamisieren und eine etwas andere ,Rentrée‘ zu bieten, bei der die Geselligkeit, die Kreation und die Solidarität in den Mittelpunkt rücken“, unterstrich Leick. Mit einem französischsprachigen Abend wird der Zyklus „Commandes de texte“ am 18. und 19. September im Großen Theater gestartet. Auf dem Programm stehen „Intérieur Nuit / Extérieur Kate“ von Lola Molina und Marion Rothaar sowie „Contraction_s“ von Nathalie Ronvaux und Stéphane Ghislain Roussel. Am 25. und 26. September folgt ein Abend auf Luxemburgisch und Deutsch im Kinneksbond mit „Wie ein König“ von Guy Helminger und Gintare Parulyte sowie „Erop“ von Romain Butti und Fábio Godinho. Der 2. und 3. Oktober ist der englischen Sprache gewidmet. Geboten wird „Deliver Us“ von Anna Leader und Richard Twyman sowie „How Many Moons, Dolores?“ von Elisabet Johannesdottir und Rita Reis im Großen Theater. Der Zyklus schließt französischsprachig im Kinneksbond mit „Marguerites“ von Tullio Forgiarini und Aude-Laurence Biver sowie „Le monologue de la vieille reine“ von Ian De Toffoli und Daliah Kentges.
Da auch die Berufe abseits der Bühne während dieser Krisenzeit unterstützt werden sollen, wurde darüber hinaus für diese Vorstellungsreihe ein Aufruf gestartet, der sich an Bühnenbildner richtete. Ziel war es, ein gemeinsames Bühnenbild zu schaffen. Mit „IS (0) LANDS“ wurde der Vorschlag von Julie Conrad von der Jury zurückbehalten. Die von ihr entworfene Kulisse lässt sich ganz flexibel anpassen.

Zwei Performance-Rundgänge

„Die letzten Monate und die Zwangsschließung der Theater haben auch gezeigt, wie wichtig es ist, unsere eigenen Mauern zu verlassen. Kultur kann nicht einfach nicht stattfinden, weil kulturelle Einrichtungen geschlossen sind. Daraus ist das Bestreben entstanden, im Einklang mit den sanitären Schutzmaßnahmen wieder mit den Zuschauern in Kontakt zu treten und jedem den Zugang zur Kultur zu ermöglichen“, erklärte Konen und wies auf einen weiteren Projektaufruf unter dem Motto „hors les murs“ hin. Künstler wurden ermutigt, multidisziplinäre künstlerische Begegnungen außerhalb der dafür vorgesehenen Veranstaltungsorte zu konzipieren. Zwei Aufführungen wurden von der Jury ausgewählt: „(Can’t) stay at home“ von Frédérique Colling, Catherine Elsen und Sally Merres, ein künstlerischer Rundgang durch die Straßen der Gemeinde Mamer (9., 16. und 17. Januar), sowie „Les bancs publics, un itinéraire urbain inventé“ von Laure Roldàn in Luxemburg-Stadt (am 8. und 9. Mai). 

„Partage de plateaux“ im Herbst

Da die derzeit geltenden Abstandsregeln für die kleinen Theaterhäuser unüberwindbare Hürden bedeuten, stellen die „Théâtres de la Ville de Luxembourg“ und der Kinneksbond im Herbst ihre jeweiligen Bühnen zur Verfügung. Am 12. September bietet das Kasemattentheater „Mort aux Cons! Eine Lesung über die menschliche Dummheit“ im Kapuzinertheater. Das „Théâtre du Centaure“ spielt sein Stück „Truckstop“ von Lot Vekemand und Daliah Kentges im Oktober (sechs Vorstellungen) ebenfalls im Kapuzinertheater. Unter anderem Myriam Muller und Pitt Simon stehen am 5. Dezember in „Bug“ von Tracy Letts und Fábio Godinho auf der gleichen Bühne. Das TOL präsentiert ab dem 29. September sein „Comme s’il en pleuvait“ von Sébastien Thiéry und Jérôme Varanfrain auch im Kapuzinertheater (sechs Vorstellungen). „Girls & Boys“ von Dennis Kelly und Marion Poppenberg wird ab dem 13. November im Kinneksbond gespielt (sechs Vorstellungen). „Nicht spielen zu können, ist das Schlimmste, das sich Schauspieler vorstellen können. Einen großen Dank deshalb an die beiden Häuser, die ihre Bühnen mit uns teilen“, sagte TOL-Direktorin Véronique Fauconnet.
Im Anschluss an die Vorstellung der „Connection“-Projekte präsentierte das Kinneksbond sein Programm für die neue Spielzeit. Wir werden in einem weiteren Artikel darauf zurückkommen