GABRIELE SCHNEIDER

Das „GayMat“-Festival findet in diesem Jahr schon zum 18. Mal statt, zum siebten Mal in Folge in Esch-Alzette. Das Motto wechselte in diesem Jahr von „On the Move“ zu „Stand Together“, um mehr Zusammenhalt mit und in der Szene zu symbolisieren. Die Forderungen sind brandaktuell, besonders vor dem Hintergrund von politischer Verfolgung von Homosexuellen in Ländern rund um den Globus. Gabriele Schneider, Präsidentin der Organisation „Rosa Lëtzebuerg“, erklärt, warum der Mottowechsel eingeschlagen wurde.

„Geschehnisse wie die Verfolgung und Misshandlung von Homosexuellen in Tchetschenien oder die Entwicklungen und Tendenzen populistischer und neofaschistischer Bewegungen in Europa und weltweit, die sich grundsätzlich gegen die Vielfalt in der Gesellschaft aussprechen, gaben uns Anlass zum Wechsel des Mottos unseres Festivals. 

Wir sehen darin Tendenzen, die die Welt in eine Richtung bewegen möchten, die unsere Werte der Freiheit, des Friedens, der Harmonie des Miteinanders und der Vielfalt in allen Bereichen in Frage stellen. Wir schätzen aber unsere Werte und Gesetze - sie sind gut und sind ein Garant für den Schutz aller in der Gesellschaft lebenden Menschen. Wichtig ist es deshalb, Minderheiten nicht auszugrenzen, sondern Integration und Inklusion zu betreiben. Unsere wichtige Aufgabe ist daher die Aufklärung über die Vielfalt im Zusammenleben. Vielfalt der Geschlechter, Vielfalt der Kulturen, und darüber hinaus in allem, was uns zwischenmenschlich verbindet und miteinander und aneinander wachsen lässt.

In den Jahren 2015 und 2016 wurde ganz Europa und Luxemburg von einer Flüchtlingswelle erreicht und viele Menschen haben Schutz und Asyl hier in unserem Lande beantragt, um in Harmonie und Freiheit leben zu können.

Dazu gehören auch Menschen der LGBTQI-Gesellschaft, die aus Gründen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität nicht mehr in ihrem Heimatland bleiben konnten.

Wir haben in unserem Zentrum ‚Centre d’Information Gay & Lesbien‘ (CIGALE) einen sicheren Raum geschaffen, um sich zu treffen, auszutauschen, seine Geschichte ohne Angst und Zwang zu erzählen - sich zu befreien und vielleicht zum ersten Mal im Leben über Homosexualität offen zu reden.

Wir integrieren diese Menschen auf ein Maximum in unseren Aktivitäten und natürlich auch bei unserer größten Kundgebung im Jahr, dem Festival ‚GayMat‘.

‚Stand Together‘ steht für das Zusammenstehen gegen Verfolgung, Populismus, neofaschistische Übergriffe, Hassreden, verbale und körperliche Gewalt, Rassismus, Homo, Trans-, Bi-, und Xenophobie.

Im Rahmen des diesjährigen Festivals wurde gemeinsam mit dem ‚Musée de la Résistance‘ eine bewegende, außergewöhnliche und einmalige Ausstellung ‚lesbisch.jüdisch.schwul‘ von Berlin nach Esch geholt - eine Ausstellung, die die Homosexuellenkultur der Zwanziger Jahre bildlich dokumentiert und vergessene Künstler_Innen - lesbische Jüdinnen und schwule Juden, die in Kunst, Wissenschaft und Literatur gewirkt haben und einen großen Beitrag zur Emanzipation von lesbisch und schwul geleistet haben.

Ein große Dame, Simone Veil, die uns letzte Woche für immer verlassen hat, bestärkt uns in unserem Motto und unserem Einsatz für die Allgemeinheit: ‚Venus de tous les continents, croyants et non-croyants, nous appartenons tous à la même planète, à la communauté des hommes. Nous devons être vigilants, et la défendre non seulement contre les forces de la nature qui la menacent mais encore davantage contre la folie des hommes‘.“