LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Genius“, der Erstlingsfilm von Theaterregisseur Michael Grandage

Maxwell Perkins schrieb nach seinem Universitäts-Abschluss kurz für die „New York Times“, ehe er 1910 als Lektor beim New Yorker Verlag „Charles Scribner’s Sons“ angestellt wurde. Er entdeckte die Schriftsteller F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und Thomas Wolfe. Die Freundschaft zu Thomas oder Tom Wolfe steht im Mittelpunkt des ersten Kinofilms des britischen Theaterregisseurs Michael Grandage, „Genius“, der hauptsächlich auf der Biografie von A. Scott Berg „Max Perkins: Editor of Genius“ basiert.

Der Mann mit dem Hut

New York, 1929. Max Perkins (Colin Firth) hat ständig seinen Hut auf, bei der Arbeit, im Zug und sogar zuhause. Macht Tom Wolfe (Jude Law) mal den Mund auf, bekommt er ihn nicht so schnell wieder zu. Er hat einen Roman geschrieben, „O Lost“, den niemand veröffentlichen will. Als das Manuskript auf dem Tisch von Max landet, ist dieser von der Geschichte fasziniert und stimmt der Publikation zu. Zusammen mit Tom muss er den Riesenwälzer jedoch kürzen und einen anderen Titel suchen. Die beiden Männer lernen sich im Lauf der Zeit besser kennen. Max nimmt Tom mit zu seiner Frau Louise (Laura Linney) und seinen fünf Töchtern nach Hause. Tom hat eine Liaison mit der Bühnenbildnerin Aline Bernstein (Nicole Kidman), die er Max und seiner Frau vorstellt. Der Roman wird in „Look Homeward, Angel“ umbenannt und ist schnell ein Bestseller. Das zweites Werk „Of Time and the River“ umfasst weit über 5.000 Seiten, und erneut streiten die beiden Männer um jedes Wort, das gestrichen werden soll, bis auch dieses Buch in den Bestsellerlisten landet. Der Filmtitel basiert auf der Tatsache, dass Wolfe schnell als neues Genie in der amerikanischen Literatur gehandelt wurde, und dass viele Menschen Perkins ebenfalls für ein Genie hielten, ohne das die oben genannten Schriftsteller nie Fuß gefasst hätten. Die beiden Männer freunden sich im Film langsam an.

Ein spezielles Thema in ihren Diskussionen sticht jedoch nicht hervor, das spezifisch faszinieren würde. Es ist vielmehr Max, der durch seine coole Art und Weise, seiner Arbeit nachzugehen, in der Gunst der Zuschauer liegt, als Tom, der mit seinen verbalen Durchfallattacken eher nervt, als dass er sich als überdurchschnittlicher Schreiber erweist.

Nur durch die Voice-over-Stimme von Colin Firth, die aus dem Roman vorliest, entdeckt der Zuschauer die Überlegenheit in Toms Schreibstil. Den Nebengeschichten über die beiden Frauen fehlt es nicht an Potenzial. Louise erträgt die Arbeit und die Vernachlässigung der Kinder im Namen des Jobs ihres Mannes, während Aline die Eifersucht plagt. Nur vertieft Regisseur Grandage diese Einstellungen nicht. Die schauspielerischen Leistungen können somit diese Mankos etwas ausgleichen, nicht aber einige Längen verstecken, die sich wegen sich wiederholenden Szenen einschleichen.