CHRISTIAN BLOCK

Wenn man einen tieferen Sinn aus dem Pferdefleischskandal ziehen will, dann vermutlich diesen: Die Verpackung garantiert nicht immer für den Inhalt. Nicht anders ist es in der Politik, die gerne mit Begriffen handhabt, die Sicherheit vermitteln wollen: Klimaziele, Gemeinsame Agrarpolitik, Jugendgarantie; und die darüber hinaus gerne von politischen Akteuren zur Selbstprofilierung verwendet werden. Jedenfalls soll jetzt die Jugendgarantie, die jedem jungen Menschen unter 30 Jahren einen „hochwertigen“ - O-Ton EU-Kommission - Job oder eine Ausbildungsstelle in Aussucht stellen soll, Wirklichkeit werden.

Das realitätsnähere Ziel lautet: „Kein junger Mensch unter 25 Jahren darf länger als vier Monate ohne einen Arbeitsplatz, eine Weiterbildungsmaßnahme, ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle bleiben.“ Es geht um nichts anderes als um das Vermeiden einer „lost generation“.

Das EU-Parlament hat deshalb im Januar den Druck auf die europäischen Arbeitsminister erhöht, konkrete Pläne auf den Tisch zu legen. Auch hierzulande soll der Aktionsplan vom März 2012 zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit umgesetzt werden. Qualifikation und schnelles Handeln sind die Mittel, mit denen Jugendliche entweder in die Richtung eines Berufs oder zurück zur Schule gebracht werden sollen. Rund die Hälfte aller Jugendlichen, 1.000 in etwa, ist bereits länger als vier Monate bei der Adem gemeldet. Die CAE und CIE-Verträge, die den Unternehmen mit Anreizen begegnen, hatten bisher nicht den nachhaltigen Effekt, den sie erzielen sollten, sind aber auch dann immerhin eine Etappe mehr auf dem Lebenslauf. Denoch scheint sich nur allmählich etwas zu bewegen, wo die Probleme doch bereits lange vor der Krise bekannt waren - dahingehend auch eher struktureller Natur, als krisenbedingt. Bestes Beispiel dürfte hier das Thema „Übergang Schule-Berufswelt“ sein. Reichen also Pilotstudien aus? Oder wie sieht das Paket aus?

Die Anhörung der Jugendlichen selbst könnte die notwendigen Impulse geben. Denn alles an die Schulinstitution zu hängen und an den Bildungsweg zu koppeln ist, auch wenn die Qualifikation das Kernproblem auf dem Arbeitsmarkt schlechthin ist, der falsche Weg.

Die Anerkennung von Erfahrungen abseits der formellen Bildungswege in einer Zeit, die die Selbstverwirklichung als Maß aller Dinge anpreist, kann eine Möglichkeit sein, dem heterogenen Bevölkerungszuwachs mit der notwendigen Flexibilität zu begegnen. Das bedeutet allerdings auch ein Umdenken bei Arbeitgebern, die immer noch gerne Qualifizierung gleichsetzen mit Diplomen oder dem Renommee von Unternehmenspraktika oder Universitäten, ein Risiko, das Exzellenzinitiativen wie auch dem selbstauferlegten Unterscheidungdrang vieler Universitäten geschuldet ist.

Wenn nicht schnell viel kommt, hält das europäische Versprechen jedenfalls nicht, was es sich vorgenommen hat. Über das Stadium „schnell“ ist man nämlich längst hinaus.