LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Hellseher ging in Berufung: Seinen Prozess sah er wohl so nicht voraus

Ein „Hellseher“ war am 29. März 2018 von der 12. Strafkammer des Bezirksgericht Luxemburg wegen Vertrauensmissbrauch, Missbrauch der Schwäche und Betrug zu zwei Jahren Freiheitsstrafe und zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt worden. Jetzt will der Hellseher eine Überprüfung des Urteils aus erster Instanz. Anwesend war der 41-jährige Mann gestern nicht.

Befreiung von bösen Mächten

Der obskure Hellseher Jacob hatte seinem Kunden 2013 versprochen, mithilfe seiner übersinnlichen Kräfte in die Zukunft zu sehen, ihn vor bösen Mächten zu schützen und jedes erdenkliche Problem lösen zu können. Rechtlich relevant wurde es, als der Hellseher sich seine vermeintlich übernatürliche Begabung fürstlich entlohnen ließ. Durch seinen Hokuspokus gewann er Macht über einen zahlungskräftigen Kunden, ihm soll er 20.000 Euro abgenommen haben. Der Angeklagte hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen.

Maître Philippe Stroesser meinte gestern, dass die Vorwürfe auf wackeligen Beinen, auf fragwürdigen Argumenten stehen würden. Das mutmaßliche Opfer wüsste nicht mehr, ob es 20.000 Euro waren, die der Hellseher ihm abgeknöpft haben soll. Zweitens hätte sein Mandant eine normale Intelligenz. Von einem „état suggestif“ sei keine Rede. Für den Verdacht, dass das mutmaßliche Opfer dem „Marabou“ eine Summe gegeben habe, gebe es keine Beweise. Die Hellseherei diente nur als „Aufhänger“ für Beratungsgespräche. Weil eine Lebensberatung vorgenommen wurde, hätte der Hellseher die Einordnung als Dienstleistung erklärt. Druck auf das mutmaßliche Opfer habe es nie gegeben. Für den Vertrauensmissbrauch, Missbrauch der Schwäche und Betrug beantragt der Verteidiger einen Freispruch.

Magie und magische Formeln

Der Staatsanwalt wollte das Urteil aus erster Instanz voll und ganz bestätigt werden. Der Hellseher wusste, dass sich sein Kunde in einer Lebenskrise befand und auf seinen Rat hoffte. Er hatte sich vertrauensvoll an „Monsieur Jacob“ gewandt und Hilfe erwartet. Seine Wundermittel: Magie und magische Formeln für 20.000 Euro. Die Höhe der Geldstrafe legte er nicht fest. Der Staatsanwalt verlangt ferner die Beschlagnahmung aller Gegenstände, die in dieser Affäre zur Sprache kamen.

Das Urteil fällt am 30. Oktober 2018.