HOUSTONCORDELIA CHATON

In Houston hilft ein Luxemburger Ölbaron einem hiesigen Start-up beim Markteintritt in die USA

Der 22. Oktober 2014 ist ein heißer Tag. In Pratt, Kansas, klettert das Thermometer auf über 30 Grad. Dirk Martin ist schon warm, als er mit dem Auto zum Treffpunkt fährt. Der Vertriebschef von Apateq weiß: Heute geht es um richtig viel. Sein Pick-up hinterlässt eine Staubwolke, als Martin ihn zur kleinen Ölquelle lenkt. Mitten in der trockenen Grassteppe steht ein Förderturm von ein paar Metern. Nichts Ungewöhnliches, in den USA gibt es hunderttausende solcher Bohrlöcher. Sie fördern zwischen zwei und 20 Barrel Öl am Tag. Ein Barrel bringt rund 70 Dollar.

Neben dem Bohrloch steht ein blauer Container. „Apateq - Made in Luxemburg“ steht darauf. Drinnen befindet sich das, was Martin seinen Gästen zeigen will: Die Technologie von Apateq. Das Luxemburger Cleantech-Unternehmen ist auf die Reinigung von verschmutztem Wasser - und besonders auf Öl-Wassertrennung - spezialisiert. Emulgiertes Öl, Schwebstoffe, Bakterien und Viren und sogar radioaktive Stoffe - mit seiner eigens entwickelten Technologie kann Apateq das alles, meist ohne Chemie, herausfiltern und jede Brühe so in sauberes Wasser verwandeln, das beispielsweise zur Re-Injektion in ein Bohrloch oder zur direkten Einleitung in den Kanal geeignet ist.

Das interessiert die Gäste. Rund 30 von ihnen sind gekommen; viele von ihnen Männer mit breitkrempigen Hüten und skeptischem Blick. Einige fördern Öl per Fracking. Um die Risse im Gestein offen zu halten, injizieren sie Wasser mit einem Chemiegemisch. Das alles wird mit dem Öl nach oben gefördert. Aber das Wasser, was sie in die Fracking-Löcher spritzen, ist Trinkwasser - und teuer. Wenn es zurück gepumpt wird, ist es durch Öl und Chemikalien verschmutzt. Die Anwohner haben Angst, dass es ihr Grundwasser verseucht. Martins Technik interessiert die Gäste. Einer ist über 17 Stunden im Auto bis nach Pratt gefahren.

Mit dem Privatjet zum Wassertest

Andere Zuschauer sind mit dem Privatjet eingeflogen: Vertreter von Wasseraufbereitungsunternehmen, manche mit Töchtern im Ölbereich. Sie brauchen sauberes Wasser, Restwasser, das den striktesten Normen entspricht. Erwartungsvoll schieben sie die Sonnenbrillen zurecht und mustern Martin.

Der Apateq-Mitbegründer weiß, dass es um alles geht. „Wir haben uns erst im Frühjahr 2013 gegründet, sind aber schon jahrelang in der Branche tätig. Unsere Technik hat sonst niemand“, sagt er. Dann beginnt die Vorführung. Die hochgepumpte, hellbraun-trübe Brühe wird gefiltert und behandelt. Nach sieben Schritten ist das Wasser klar.
„Ready!“, ruft Martin und zeigt die Probe herum. Die rund 30 Gäste murmeln zustimmend. „Great!“, sagt einer mit breitem amerikanischen Akzent. „Aber ich brauche reinstes Wasser für meine Ölförderung.“ Martin erklärt ihm, dass der Prozess etwas günstiger ist, wenn man bei Stufe sechs aufhört. Dann befindet sich zwar noch Salz im Wasser - aber keine Chemikalien mehr. „Es kann problemlos und viel kostengünstiger wieder in das Bohrloch injiziert werden“, sagt Martin. Seine Gäste sind überzeugt. „We want made in Luxembourg“, sagt ein Kanadier. „Richtig gute europäische Technik, nicht so ’was aus China!“ Er ist nicht der einzige, der bestellt. Der Gast eines französischen Konzerns mit Niederlassung in den USA findet es gut, dass das Unternehmen nicht aus Deutschland kommt. Das wird im Konzern nicht so gern gesehen.

Martin wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er lächelt Henk Jelsma zu. Der Luxemburger ist sein guter Engel. „Danke Dir! Ohne Dich hätten wir das nie geschafft!“, sagt er. Jelsma lächelt zurück. Er kennt alle, die hier sind. Sie sind wegen ihm gekommen. Seit Jahrzehnten ist der 68-Jährige im Ölgeschäft. Jelsma hat in Afrika, Russland und dem Nahen und Fernen Osten gearbeitet, bevor er sich in Houston, Texas niederließ und Präsident und Gründer von Dominion Oil und Radial Drilling wurde. Der ehemalige Gaspericher wurde Ölbaron mit 27 Ölquellen und eigener, patentierter Fördertechnik.

Ein paar Mal im Jahr fliegt er zu Familienbesuchen in die Heimat. Bei einem solchen lernte er Dirk Martin kennen. Die beiden blieben in Kontakt. Im April 2013 startete Apateq. Jelsma kam zur Einweihung und erfuhr von dem Vorhaben, ursprünglich zur Abwasserreinigung eingesetzte Membranen auch zur leistungsstarken und kostengünstigen Öl-Wassertrennung in der Öl- und Gasindustrie einzusetzen. „In den USA sucht der Markt eine Lösung“, riet er dem Start-up.

Bei Apateq in Neudorf feilten die Mitarbeiter an einem 40-Fuß-Container, der bis zu 300 Liter pro Stunde reinigen kann. Bis August dauerte es, dann entsprach er den US-Standards. Im September kam der blaue Container in Houston an.

Die Ölindustrie ist eine geschlossene Gesellschaft. Niemand vertraut dort gern auf Unbekannte. Als Henk Jelsma ein paar Bekannte anrief und von Apateq erzählte, waren sie einverstanden. Jelsma selbst brauchte die Technik nicht, da er dank seiner eigenen Fördertechnik kaum Wasser verbraucht. „Aber ich habe Spaß an dem Produkt - und kann so Landsleuten helfen“, freut er sich. Auf seinem Betriebsgelände steht noch immer ein Auto mit Luxemburger Nummernschild. Heimat ist ein starkes Band.

Der arrivierte Ölbaron hat die Sache des Start-ups zu seiner eigenen gemacht. „Wollt ihr nicht euren Sitz hier haben?“, fragte Jelsma Martin. Der war froh über das Angebot. Ab 2015 ist es so weit: „Apateq USA“ geht an den Start. „Mitte Januar 2015 werden wir vor neuen Gästen von Universitäten und lokalen Genehmigungsbehörden unseren Container vorführen“, verrät Martin. Wenn Jelsma jetzt in Luxemburg ist, besucht er nicht nur seine Familie, sondern auch das Team von Apateq.