LUXEMBURG
PIERRE WELTER

„Ferni“ musste leiden: Drei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert

Zwei Männer mussten sich jetzt wegen Tierquälerei vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Die Anklage wirft dem 74-jährigen Ferdinand F. und seinem 45-jährigen Sohn Georges vor, ihren Hund sträflich vernachlässigt zu haben. Der Gesundheitszustand der Hündin war so schlecht, dass sie Ende Dezember 2014 eingeschläfert werden musste. Die ihnen vorgeworfene Tierquälerei wiesen beide Angeklagten zurück.

Ein Münsterländer mit Namen „Ferni“

Der Vorfall soll sich bereits im Dezember 2014 ereignet haben. Damals hatte eine Nachbarin die abgemagerte Hündin, einen Münsterländer mit Namen „Ferni“, in der Nähe des Wohnhaus der beiden Angeklagten gefunden - ausgetrocknet, mit kahlen Stellen im Fell und mit Entzündungen an Haut und Organen. Die Ursache: Die Beschuldigten ließen, so der Vorwurf, dem Hund nicht die erforderliche Pflege und tierärztliche Behandlung zukommen, so dass das Tier zusehends verwahrloste.

Laut Tierärztin war der Körper des völlig erschöpften Hundes von oben bis unten von Milben, Flöhen und Würmern befallen. Als der Hund in die Klinik eingeliefert wurde, wog der Hund nur noch 14 Kilogramm. Das normale Gewicht bei solch einem Tier beträgt in der Regeln rund 22 Kilo. Auch Verletzungen und allergische Reaktionen aufgrund des schlechten Futters (nur Kalbsmilch) hatten kahle Stellen im Fell der Hündin verursacht.

Maden in den Wunden eingenistet

In den offenen Wunden hatten sich bereits Maden eingenistet. Das Laufen war „Ferni“ unmöglich geworden. Die Hündin musste dadurch „länger anhaltende Leiden erdulden“ und schließlich eingeschläfert werden. Die Tierärztin diagnostizierte unter anderem ein totales Nierenversagen. Bei seiner richterlichen Vernehmung redete der 74-Jährige sprichwörtlich „um den heißen Brei.“

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin hin, warum der Hund so krank war, reagierte der 74-jährige Wiederholungstäter gereizt: „Wat soll ech iwwerhapt hei“, schrie er in den Saal.Der Hund sei schon bei seiner Geburt ein „Krüppel“ gewesen. Sein 45-jähriger Sohn behauptete vor Gericht, er hätte alles nur Mögliche für den Hund getan. Dann sei der Hund weggelaufen. Als er den Hund im Tierasyl abholen wollte, sei er dort wie ein Krimineller empfangen worden. Die aus dem Tierasyl hätten dem Tier ein Antibiotikum gespritzt. Das Tierasyl hätte den Hund falsch ernährt. Das sei nicht gut für den Hund gewesen. Er hätte den Hund dann selbst gefüttert. Dadurch sei es dem Hund von Tag zu Tag besser gegangen, behauptete der Mitangeklagte vor Gericht.

Die Nebenklägerin beantragte einen Schadenersatz von 5.000 Euro für das Tierasyl. Der Verteidiger Marc Theisen sah keine Anzeichen für Tierquälerei. Außerdem wollte der Verteidiger eine Analyse der Fotos vom Hund.

Die Anklagevertreterin hatte kein Erbarmen mit den mutmaßlichen Tierquälern und beantragte eine Freiheitsstrafe von jeweils drei Monaten auf Bewährung sowie ein Hundehalteverbot von fünf Jahren. Das Urteil wird am 20. Oktober gesprochen.