LUXEMBURG/BRÜSSEL/WIEN
LJ MIT DPA

76 Personen befinden sich inzwischen hierzulande in Quarantäne

Die Zahl der Fälle von Coronavirus-Infizierten in Luxemburg liegt derzeit bei sieben; 76 Personen befinden sich hierzulande in Quarantäne. So teilte die „Direction de la santé“ am Abend mit, dass zwei weitere Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Eine der Personen sei aus den USA zurückgekehrt, die andere aus der Schweiz.

Was nun den in Luxemburg arbeitenden Grenzgänger aus Frankreich anbelangt, über den das Gesundheitsministerium am Montagabend zu berichten wusste, so soll es sich bei diesem um einen Mitarbeiter der „Clinique Bohler“ auf Kirchberg handeln, wie gestern zu erfahren war. Wie die „Hôpitaux Robert Schuman“ mitteilten, soll die Person aber keinen Kontakt mit Patienten gehabt haben. Die Person sei zu Hause isoliert worden, zeige wenig Symptome und sei wohlauf. Es bestehe ein epidemiologischer Zusammenhang mit Norditalien, wie es weiter heißt.

Derweil wurden gestern weitere Events abgesagt, darunter die Remicher Kavalkade, die am übernächsten Wochenende stattfinden sollte, sowie der Tag der offenen Tür an der Uni Luxemburg, der am 21. März sein sollte und nun nur noch online, will heißen via Website „openday.uni.lu“ abgehalten werden soll. Auch wurde die für nächsten Montag geplante offizielle Visite des andorranischen Regierungschefs Xavier Espot Zamora in Luxemburg kurzfristig abgesagt.

Näheres dürfte heute Nachmittag ab 15.00 von Premierminister Xavier Bettel zu erfahren sein, lädt dieser doch nach sehr langer Zeit wieder zu einem Pressebriefing im Anschluss an die Sitzung des Regierungsrats ein, der ganz im Zeichen der Coronavirus-Krise stehen dürfte.

EU-Parlament setzt Arbeit aus

Das Europaparlament stellt indes ab heute wegen des Coronavirus für eineinhalb Wochen seine parlamentarischen Aktivitäten ein. Zudem wird auch die nächste Plenarsitzung verkürzt und von Straßburg nach Brüssel verlegt. Die Plenarsitzung dieser Woche war bereits nach Brüssel verlegt und auf einen Tag verkürzt worden. Parlamentspräsident David Sassoli hat sich nach einer Italienreise als Vorsichtsmaßnahme in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben ihrerseits gestern in einer Videokonferenz ihre Linie im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus besprochen. Dies teilte ein Sprecher von EU-Ratschef Charles Michel auf Twitter mit. Michel hatte bereits vorher gesagt: „Unsere Aufgabe ist es, einen koordinierten Ansatz der EU zu stärken.“

Sorge löst vor allem die Lage in Italien aus. Das Land verzeichnet von allen europäischen Staaten die weitaus meisten Infektionen mit dem Virus und die meisten Todesopfer. Im ganzen Land gelten inzwischen Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Infolge der Coronavirus-Welle sind in Italien bislang 631 Menschen gestorben. Die Gesamtzahl der gemeldeten Infizierten übersprang gestern die 10.000er-Marke.

Wegen der Coronavirus-Krise hat der EU-Ministerrat seine nächste Sitzung zu Handelsfragen abgesagt. Bei dem Treffen sollte es unter anderem um die Auswirkungen des Ausbruchs von Covid-19 auf die globalen Lieferketten und Handelsströme gehen. Weltweit haben sich inzwischen mehr als 110.000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge jedoch noch wesentlich höher.

Derweil in China gestern ein geringerer Anstieg gemeldet wurde und die Zahl der Neu-Infizierten auch in Südkorea zurückgeht, breitet sich das Virus in Europa weiter rasant aus.

Österreich schränkt Einreise ein

Österreich ergreift derweil drastische Maßnahmen. Die Einreise aus Italien wird massiv erschwert, wie Regierungschef Sebastian Kurz gestern sagte. Kontrollen an der Grenze würden in nächster Zeit wieder zur Normalität. Fast niemand aus Italien darf mehr aus beruflichen oder privaten Gründen zu Zielen in Österreich fahren. Alle Veranstaltungen in geschlossenen Gebäuden mit mehr als 100 Menschen sind nun verboten. Für Veranstaltungen im Freien gilt ein Verbot ab einer Größe von mehr als 500 Menschen. In Österreich waren bis gestern Nachmittag 183 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. „Wir haben nach wie vor diese geringe Zahl an Fällen, aber es geht darum, dass wir die Ausbreitung oder das Tempo der Ausbreitung reduzieren“, sagte Kurz. Für einige Wochen sei es nun nötig, das soziale Leben zu reduzieren.