KAYL/TETINGEN
DANIEL OLY

Der Kayldall-Motorradclub bietet Bikern Abwechslung und Einsatz für karitative Zwecke

Jetzt, da das Wetter allmählich besser wird, holen Biker wieder gern ihre Lieblingsmaschine aus der Garage. Die Motorradsaison vollständig einläuten - das dürfte wohl noch dauern. Ein wichtiger Termin steht aber schon fest: Am 27. April ist Motorradtour zum Spendenmarathon Télévie, der „Télévie Motostour 2019“. Dann rollen wieder hunderte Biker durch das Land, und zwar für den guten Zweck.

Ausgerichtet wird das Event vom Motoclub Kayldall. Der Verein wurde 2005 gegründet, ist mit knapp 80 aktiven Mitgliedern der größte aktive, eingetragene und föderierte Motorradverein Luxemburgs und vor allem auf Tourismus-Fahrten spezialisiert. „Wir müssen unseren Mitgliedern und den Teilnehmern schließlich etwas bieten“, meint Präsident Alain Rodenbour. Zum Glück biete das Land da genug Abwechslung, auch bei der Wahl der Routen.

Seit rund elf Jahren organisiert der Club auch die „Télévie Motostour 2019“-Rundfahrt anlässlich des Spendenmarathons Télévie. Dafür finden sich dann auch Sponsoren, trotzdem organisiert der Verein das alles selbst. „Es war eine spontane Idee“, erklärt der Präsident, erinnert aber gleichzeitig daran, dass sich der Motorradclub ohnehin sehr für Kinderheime engagiert. „Wir leisten Beiträge für Ausflüge, machen Kleidersammlungen, finanzieren andere wichtige Projekte“, erinnert er. Das beläuft sich auf rund 7.000 bis 8.000 Euro im Jahr. Auch die Winteraktion, bei der neues Schuhwerk besorgt werden soll, steht hier auf der Liste. „Das organisieren wir das ganze Jahr über, da sind wir permanent im Einsatz. Organisiert wird das natürlich alles selbst. Wir haben uns zweimal angeschmiert, als wir uns mit anderen Vereinen gemeinsam betätigen wollten“, weiß der Präsident. „Deshalb machen wir das lieber im Alleingang.“

Freiwilliger Einsatz mit reichlich Vorbereitung

Daher setzt der Verein verstärkt auf den Einsatz von Freiwilligen. „Ohne die geht es natürlich nicht“, betont er. Bei den Rundfahrten gibt es deshalb auch kein Roadbook. „Das ist zu umständlich, die Teilnehmer sind da sehr bequem.“ Stattdessen gibt es vom europäischen Dachverband für Motorräder FIM zertifizierte Führer, die den Weg kennen, und natürlich Ausschilderungen satt. Meist sind so rund 30 Freiwillige im Einsatz, die den Teilnehmern den Weg zeigen. „Das ist aber eine beliebte Arbeit“, weiß Rodenbour. Und durch die langjährige Erfahrung sei es ohnehin so einfach wie möglich. „Wir legen die Routen deshalb meist so, dass wir immer auf der Hauptstraße unterwegs sind, keine Blockaden verursachen und auch sonst flüssig im Verkehr mitschwimmen können“, meint er.

Das braucht entsprechend Vorbereitung: „So eine Tour hat rund vier Monate Vorlaufzeit, in der wir die Strecke aussuchen, mehrfach abfahren und immer wieder anpassen, wenn es etwa eine Baustelle gibt“, sagt Rodenbour. Denn: „Jedes Jahr gibt es da immer mal wieder Stress, weil etwas in letzter Sekunde ändert.“ Auch deshalb setzt man statt festem Roadbook lieber auf Anleitungen - und die Schilder, die von anderen Freiwilligen aufgezogen werden.

In diesem Jahr führt die Télévie-Rundfahrt übrigens von Junglinster über Kiischpelt/Wilwerwiltz, Mersch bis nach Rodange. „An diesen Events nehmen dann sehr viele Menschen teil, abhängig vom Wetter selbstverständlich“, erklärt Rodenbour. Neben den Motorrädern des Zolls, der Polizei und des Roten Kreuzes sind so aber auch Teilnehmer aus der gesamten Großregion vertreten. „Das reicht von 250 bis knapp 600 Menschen, je nach Event“, weiß er.

Neue Gesichter sind gern gesehen

Aber der „Motoclub Kayldall“ ist nicht nur eine Anlaufstelle für Rundfahrten. Für neue Mitglieder (oder die, die es noch werden wollen), bietet der Club auch reichlich Hilfe, etwa bei der Aufklärung zu den Risiken. „Das fängt aber schon bei der Kleidung an - wer mit Jeans auftaucht, wird zum Beispiel nicht direkt nach Hause geschickt, kriegt aber eine gute Erklärung, warum das keine gute Idee ist.“

Wer Mitglied werden will, genießt erst einmal ein Schnupperwochenende, bei dem mal mit dem Tross mitgefahren werden darf. Verpflichtend sei da nicht. Und: „Wir nehmen natürlich durchweg jeden auf.“ Das jüngste Mitglied sei so gerade einmal 16 Jahre alt, der älteste aktive Teilnehmer stolze 72. „Alle haben sie bei uns einen Platz, denn es geht nur gemeinsam.“ Gerade Neueinsteiger würden deshalb davon profitieren, weil sich das „Peloton“ immer in der Geschwindigkeit anpasse, um niemanden auf der Strecke zu lassen. Mehr Sicherheitshinweise und -Tage würde der Club auch gerne bieten können. „Das macht aber leider keiner, weil es eben eine Stange Geld kostet - das ist sehr schade, ist aber leider Realität.“

Auch sonst sind die typischen Themen auch in Kayl an der Tagesordnung: „Die Diskussion mit Streckensperrungen und den Unfällen geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Den Menschen ist das durchaus bewusst“, erklärt Rodenbour. Ein Teil der Problematik stamme deshalb auch klar von den Fahrern selbst ab, wenn diese etwa zu rücksichtslos unterwegs sind. Entsprechend oft sei ein gemäßigtes Fahren im Club ein Thema. „Das schlechte Image kommt ja nicht von ungefähr“, betont er. „Ein weiteres Thema ist das Fahren durch die Mittelspur im Stau. Auch hier halten wir sie dazu an, auch auf Autofahrer Rücksicht zu nehmen und nur bei stehendem Verkehr durch die Mitte zu fahren“, meint er. Besonders junge Menschen würden zu oft allein gelassen. Unter anderem auch, weil die anderen Motorradfahrer mit Erfahrung in ihrer direkten familiären Umgebung meist fehlen.

„Es wird oft noch als unnötig, als Hobby verstanden“, meint Rodenbour. Er selbst fährt seit rund 40 Jahren Motorrad - und freue sich auf die Pension. „Dann kann ich endlich mal mehr fahren“, sagt er.


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