LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Luxemburgische Koproduktion „Deux“: der erste Spielfilm von Filippo Meneghetti

Filippo Meneghetti studierte Filmregie und Anthropologie in Rom. Nach einem Dokumentar- und einem Kurzfilm hat er nun seinen ersten Spielfilm „Deux“ realisiert, der in französisch-belgisch-luxemburgischer Koproduktion entstanden ist. Die luxemburgische Produktionsfirma Tarantula hat den Film mitfinanziert. Am Montag hatten die Produzenten Donato Rotunno und Elise André zur Vorpremiere des Films ins „Utopia“ eingeladen.

Ein gemeinsamer Plan

Nina (Barbara Sukowa) und die etwas ältere Madeleine (Martine Chevallier), genannt Mado, lieben sich heimlich seit 20 Jahren. Mados Tochter Anne (Léa Drucker) und ihr Sohn Fred (Jérôme Varanfrain) ahnen nichts von einer lesbischen Beziehung ihrer Mutter. Fred wirft der Mutter zudem vor, sich nicht wirklich um seinen Vater gekümmert zu haben. Nina und Mado planen, ihre gegenüberliegenden Wohnungen zu verkaufen und nach Rom zu ziehen, wo sie sich kennengelernt haben. Doch Mado erleidet einen Schlaganfall. Sie kann nicht mehr gehen und sprechen, und ihr linker Arm ist gelähmt.

Anne engagiert Muriel (Muriel Benazaref), die Tag und Nacht auf ihre Mutter aufpasst. Dies gefällt Nina nicht, da sie Mado nicht mehr so oft sehen kann. So schleicht sie sich nachts in die Wohnung, um bei ihrer Freundin zu sein. Mado beginnt wieder zu gehen, und man merkt, dass ihre Gedanken und Erinnerungen nur um Nina kreisen. Anne bekommt Wind von der Liebe ihrer Mutter und bringt sie in einem Pflegeheim unter, damit sie Nina nicht mehr sehen kann.

Schockierte Tochter

Das Interessante an „Deux“ ist die Reaktion von Anne. Auch wenn sie sicher weiß, dass die Tabus um die gleichgeschlechtliche Liebe längst geklärt sind, ist sie schockiert, als sie erfährt, was zwischen ihrer Mutter und der Nachbarin läuft. Nur versucht sie nicht mit den beiden Frauen zu reden, um zu verstehen. Sie legt eine Trotzreaktion an den Tag, die für ihre Mutter alles andere als positiv ist. Durch eine aufgebrachte Nina erfährt sie, dass diese Liebe schon 20 Jahre andauert. Sie tut sich schwer, diese zu billigen. Die böswilligen Attacken von Nina auf Muriel gehen etwas zu weit, selbst wenn sie unterstreichen wie stark ihre Liebe zu Mado ist.

Für Unverständnis sorgen zwei Traumsequenzen. Eine zeigt zwei Versteck spielende Mädchen, von denen plötzlich eine nicht mehr auftaucht und die andere anfängt zu krächzen wie die umherfliegenden Raben. Die andere zeigt Mado, wie sie den leblosen Körper eines jungen Mädchens aus dem Wasser zieht.

Der filmische Rhythmus ist sehr langsam gehalten, sodass sich einige Längen einschleichen, auch wenn der Streifen nur 95 Minuten dauert. Martine Chevallier und Barbara Sukowa spielen ihre Rollen mit viel Gefühl und Überzeugung, sodass der Film durch ihre Interpretation größtenteils getragen wird, denn thematisch wird nichts wirklich Neues oder Originelles erzählt. In Nebenrollen spielen die in Luxemburg arbeitenden Hervé Sogne (M. Brémond, der Immobilienmakler), Eugénie Anselin, Véronique Fauconnet und Gilles Soeder.