LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Die Angeklagten im G4S-Prozess geben sich weiter unschuldig - Verteidiger fordern Freispruch

Vier Männer, die schwer bewaffnet im April 2013 den Firmensitz des Sicherheitsunternehmens G4S in Gasperich überfallen haben sollen, stehen derzeit vor dem Berufungsgericht und hoffen auf einen Freispruch. Drei der vier Angeklagten beteuerten am ersten Verhandlungstag ihres Berufungsprozesses ihre Unschuld.

Die drei Beschuldigten waren in erster Instanz zu 25 Jahren verurteilt worden. Der vierte Angeklagte war freigesprochen worden. Allerdings legte die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Freispruch-Urteil ein. Auch der Angeklagte beteuerte weiter seine Unschuld. Er blieb bei seinen Aussagen aus erster Instanz.

Die Verteidigung kritisierte die DNA-Ergebnisse im Gutachten der Genetikerin des Staatslaboratoriums Dr. Elisabet Petowsky. Die Expertin hatte in einem Gutachten die Bewertung des gentechnischen Spurenmaterials in erster Instanz erstellt. Am zweiten Verhandlungstag im Berufungsverfahren blieb die Expertin dabei: Der konkrete Spurensachverhalt sei drei von vier Tätern zuzuordnen.

Die Verteidigung pochte auf Gutachten, die in erster Instanz nicht berücksichtigt wurden. In der dritten Verhandlung wurden diese Gutachten nun geprüft. Das Gericht kam zum Schluss, dass die Verteidigung keine neuen, geeigneten Beweise vorgetragen hat. Die Verteidiger Philippe Penning und Fréderic Mioli beantragten für ihre Mandanten Cihan G. und Simon S. einen Freispruch und holten zu einem Rundumschlag gegen die Darstellungen des DNA-Gutachtens an.

Am Freitag hielt der Verteidiger Philippe Stroesser sein Plädoyer. Er verteidigte den Angeklagten Dogan S. Der Verteidiger führte die Ähnlichkeit zu einer anderen Affäre an. Tatsächlich spreche vieles dafür, sagte Stroesser, dass die Affäre „Überfall auf das Casino in Mondorf 2011“ dieselbe Struktur habe wie die Affäre G4S. Auch in dieser Affäre wären DNA-Spuren gefunden worden. Auch damals seien viele erstaunt gewesen, als der Fahrer, der in erster Instanz zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, am 10. Juni 2015 in einem Berufungsverfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Auch hier sei beim Freispruch das Argument der DNA-Analyse im Spiel gewesen. Es sei durchaus möglich, dass sein Mandant den Stöpsel des Benzinbehälters angefasst habe. Das würde aber noch lange nicht bedeuten, dass sein Mandant einer der Räuber beim G4S-Überfall gewesen sei. Stroesser verlangte absolute Klarheit. Dazu gehöre aber auch der Rechtsgrundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Stroesser beantragte einen Freispruch für seinen Mandanten. Der Prozess wird am 29. November fortgesetzt.