LUXEMBURGCHRISTIAN BLOCK

Konzept für „Cycle 1“ bereitet Eltern wie Lehrern Sorgen – Bedenken zum Klassen-Splitting

Anderthalb Wochen vor der geplanten Rückkehr der Grundschüler in den Klassensaal wächst der Druck auf die Regierung. Die Lehrergewerkschaft SNE stellt sich unter den derzeitigen Bedingungen gegen eine Wiederaufnahme des „Cycle 1“. Das bereits von Ressortminister Claude Meisch (DP) angedeutete Konzept sieht vor, dass die sanitären Vorsichtsmaßnahmen unter Vorschulkindern nicht gelten sollen, sie also etwa miteinander spielen, sich bewegen können und mit „all ihren Sinnen Erfahrungen machen“. Doch was für die Entwicklung von Kindern in diesem Alter sinnvoll ist, steht für das „Syndicat National des Enseignants“ (SNE) in keinem Verhältnis zu den damit verbundenen Risiken. Die der CGFP zugehörige Gewerkschaft sieht die Gefahr, dass sich die Kinder untereinander mit dem Coronavirus anstecken, das Virus dann mit nach Hause bringen beziehungsweise umgekehrt von außen in die abgeschirmte C1-Gruppe bringen. „Es könnte zu regelrechten Infektionsketten kommen“, lautet die Einschätzung des SNE.

Wachsende Skepsis am Splitting

Die nationale Elternvertretung (RNP) fordert derweil in einem offenen Brief, Eltern die Wahl zu lassen, ob sie ihre Kinder zurück in die Vorschule oder auch in ein Kompetenzzentrum schicken wollen. „Diese Möglichkeit der Wahl liegt uns am Herzen angesichts der Tatsache, dass die sanitären und Sicherheitsmaßnahmen (...) quasi unmöglich einzuhalten bleiben“, schreibt die RNP. Die Elternvertretung stellt sich auch die Frage, ob die geplante Halbierung der Klassen, die nach den Pfingstferien abwechselnd im Wochenrhythmus zur Schule und/oder in die „Maison Relais“ gehen, mit Blick auf ihre Umsetzung machbar ist. Starke Zweifel daran hat auch das OGBL-Syndikat „Erzéiung a Wëssenschaft“ (SEW). Der Lehrergewerkschaft zufolge soll auf ein allgemeines Splitting der Klassen verzichtet werden beziehungsweise nur dann erfolgen, wenn mehr als 17 Kinder in einer Klasse sind oder die Klassensäle zu klein sind, um den Abstand von zwei Metern zueinander einzuhalten.

Aus Sicht der RNP müssen Eltern auch weiter die Möglichkeit haben, ihre Entscheidung zu überdenken, ob sie auf die „Maison Relais“ zurückgreifen oder nicht. Aufgrund der knappen Frist zur Ausfüllung des Formulars sei es vielen Eltern unmöglich gewesen, Rücksprache mit ihrem Arbeitgeber zu halten. Nach Syvicol-Angaben wollen knapp 40 Prozent der Eltern ihre Kinder in die „Maison Relais“ geben. Allerdings gibt es auf lokaler Ebene große Unterschiede.

SEW warnt unter diesen Bedingungenvor Folgen für Kinder

Auch SEW-Präsident Patrick Arendt rechnet damit, dass sich noch einige Eltern umentscheiden werden, auch weil das bis Ende vergangener Woche auszufüllende Formular „relativ konfus“ gewesen sei und etliche Anrufe ratloser Eltern zur Konsequenz hatte.

Für den Gewerkschafter und Lehrer müssen bei dieser „Rentrée“ hingegen nicht nur die organisatorischen Schwierigkeiten berücksichtigt werden. Das OGBL-Syndikat hat sich gestern in einem offenen Brief an Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) gewandt, weil ein Großteil der Bestimmungen wie die Klassenaufteilung auf Anweisungen der Gesundheitsaufsicht zurückgeht. Auch wenn die Gewerkschaft hinter einer Rückkehr zur Schule steht und auch die Kinder „so schnell wie möglich“ ihr normales Leben zurückwollen, so werde der Weg zurück in den Klassensaal unter den jetzt geplanten Voraussetzungen Schäden bei den Kindern hinterlassen. Die Schüler werden „ihre Schule nicht so wiederfinden, wie sie sie verlassen haben (und auch nicht viele ihrer Freunde und Lehrer). Halbe Gruppengrößen, die ständige Isolation der einzelnen Gruppen, die Betreuung von Kindern in Räumlichkeiten, die dafür nicht vorgesehen wurden (Hitze, Belüftung, Akustik, ...), drastische Beschränkungen, die ungezügeltes Austoben im Pausenhof verhindern (Maskenpflicht, Abstandsregeln, gesperrte Spielplätze, ...), ständige Kontrolle durch die Vertrauenspersonen, damit ja auch alle ,sanitären Richtlinien´ eingehalten werden - all dies wird bei den Schülern tief reichende Spuren hinterlassen,“ schreibt die Gewerkschaft. Auch sei die beabsichtigte Trennung der Gruppen in der Realität nicht umsetzbar.

Doch ob die Regierung so kurz vor dem 25. Mai noch größere Änderungen an ihren Plänen vornehmen wird? Schließlich sind Ministerium und Gemeinden derzeit weiter intensiv dabei, den Schultransport, zusätzliche Räume und Personal zu organisieren sowie Detailabläufe in den mehr als 150 Grundschulen landesweit festzulegen. Weil Schule und Betreuung parallel laufen, die einzelnen Gruppen sich aber nicht vermischen sollen, wird auch mehr Platz und Personal benötigt.

Auch sind sich die verschiedenen Akteure nicht unbedingt in allen Punkten einig. Mit einer Wahlmöglichkeit für die Eltern von Schülern im „Cycle 1“ kann sich der SEW-Vorsitzende beispielsweise nicht anfreunden. Man müsse im Interesse der Kinder auch „über die Krise hinausdenken“, sagt Arendt und verweist auch auf die Schulpflicht: Wenn die Schule wieder öffnet, dann für alle Schüler. Allerdings ist er sich auch der Tatsache bewusst, dass nach den Erklärungen Meischs in einer Videokonferenz am Dienstagabend die Sorgen der Lehrer im C1 nicht unbedingt kleiner werden.

Für den SEW ist jedenfalls klar, dass eine Abkehr vom Klassensplitting immer noch möglich sei. Das könne „in einem halben Tag“ organisiert werden. In diesem Fall könnten die „Maison Relais“ auch morgens ihren „Accueil“ und eine Betreuung bis 19.00 abends sicherstellen, was berufstätigen Eltern entgegenkäme.