DÜDELINGEN
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Die Düdelinger Pflegestation für Wildtiere baut aus und wird weiter professionalisiert

Bereits vor dem offiziellen Start von Tag zwei des großen „Portes ouvertes“-Wochenendes der Pflegestation für Wildtiere in Düdelingen gestern Morgen, warteten Besucher vor den Toren der Einrichtung, um einen Blick hinter deren Kulissen zu erhaschen. Alle 15 bis 20 Minuten fanden Führungen statt, man war bedacht, nicht zuviele Gäste auf einmal auf das Areal im Parc Le’h zu lassen, während die Ess- und Trinkgelegenheiten auf dem Nachbargrundstück aufgebaut worden waren. „Pssst!“ heißt die Devise. Schließlich befinden wir uns hier auf einer einzigartigen Krankenstation in Luxemburg, in der sich Wildtiere von Verletzungen oder Krankheiten erholen sollen.

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3.500 Patienten in diesem Jahr

Die meisten der rund 250 Patienten, die derzeit hier betreut werden bleiben auch gut vor den Blicken der Besucher verborgen: Sie sollen so wenig wie möglich Kontakt mit Menschen haben, denn Ziel ist es, sie nach der Genesung wieder in die Freiheit zu entlassen. Fast 3.100 Tiere wurden in diesem Jahr bereits vorbei gebracht, die Verantwortlichen rechnen damit, dass 2019 insgesamt 3.500 Patienten in der längst viel zu kleinen Station, die seit 30 Jahren im Betrieb ist, betreut werden. Über die nächsten drei Jahre wird sie mit kräftiger staatlicher Unterstützung konsequent ausgebaut, dreimal so viel Platz wird dann zur Verfügung stehen, um die optimale Betreuung der Tiere zu gewährleisten, die seit dem vergangenen Jahr nicht nur in Düdelingen, sondern auch in drei „Wëlldéier Drop-offs“ in Clerf, Junglinster und Niederfeulen eingeliefert werden können. Von dort werden sie dann mit dem „Wëlldéier-Taxi“ - speziell ausgerüsteten Bussen - ins zentrale Pflegezentrum gebracht.

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„Immer mehr Exoten“

Es sind aber längst nicht nur Wildtiere, die hier landen. „Wir haben immer mehr Exoten“, ist vor Ort zu hören. Papageien zum Beispiel, die abgegeben werden, weil sie den Besitzer überfordern oder auch dessen Familie. Denn die Vögel können bis zu 70 Jahre alt werden, so dass sie meist von mehreren Generationen betreut werden müssen. Auch exotische Tiere, die etwa von der Justiz konfisziert wurden, landen zumindest zeitweilig in Düdelingen, das allerdings nicht optimal für die Betreuung dieser Arten ausgerüstet ist. Derzeit bereitet das Zentrum einige Rotmilane auf ihre Auswilderung vor, die in Belgien beschlagnahmt wurden: ein Mann hatte Eier aus einem Nest gestohlen und die Küken von der Hand aufgezogen, die heute als erwachsene Tiere so sehr an den Menschen gewöhnt sind, dass sie in der Wildnis wohl nicht mehr klar kommen. Die Experten der Station müssen nun versuchen, ihnen das wieder anzutrainieren.

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In den letzten Jahren ist die Professionalisierung der Betreuung immer weiter voran geschritten und wird es wohl auch weiter tun, als wichtiges Element des „Qualitätssprungs“, den Carole Dieschbourg auch in Verbindung mit den Investitionen in neue Infrastrukturen sieht. Doch das Zentrum wird auch weiterhin auf das ehrenamtliche Engagement angewiesen sein. Von der Telefonberatung bis zur Fütterung und dem Transport verletzter Tiere: „Es werden immer Leute gebraucht“, sagt Roby Biwer, der Präsident von „natur&ëmwelt“.