Das aktuelle Stück „Lampedusa“ von Henning Mankell ist derzeit im Kasemattentheater zu sehen. Obwohl das Stück auf das politische Thema „Lampedusa“ eingeht, werden die Zuschauer mit zwei verschiedenen Figuren konfrontiert: Anna, eine TV-Moderatorin, und Titania, eine moderne Muslima. Die beiden sitzen zu Beginn in einem Raum, wo sie sich auf eine Sendung vorbereiten. Anna stellt dabei Fragen zu ihrem Leben, die von Titania beantwortet werden. Doch die Situation erweist sich als schwierig: Titania ist bewusst, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzt, wenn sie in der Sendung über sich selbst erzählt- was bei Anna nicht auf Verständnis trifft.
Geheimnisse und Vorurteile
Bei diesem Interview entsteht ein Spiel zwischen Angst und Glauben. Titania, die als Fünfjährige mit ihrer Familie aus Sambia vertrieben wurde, redet über ihre Erziehung und über Religion. Manches davon versteht Anna nicht und es entstehen bei ihr Vorurteile. Es kommt oft zu einem offenen Konflikt zwischen den beiden, denn Titania hat Geheimnisse, was Anna spürt das. Sie bringt sie dazu, einige ihrer Geheimnisse, wie zum Beispiel ihre große Liebe, zu offenbaren: Eine Frau namens Julia. Titania bezeichnet Anna als „hochnäsig“ und beschreibt ihre Angst als „Überflutung- Syndrom“. Dadurch wird ein Bezug zu Lampedusa hergestellt. Titania sieht nur Hass und Angst für diese Gegend, da alles aufbricht. Ihre Wut macht sie stark und so beschließt sie, in der Sendung zu sagen, dass sie eine Muslimin ist und eine Frau liebt, ohne dabei den echten Namen preis zu geben.
Durch Angst kommt die Flucht
Dann legt sie einen Stein auf den Tisch. Dieser Stein symbolisiert die Geschichte einer Frau, die vergewaltigt und dann gesteinigt wurde. Anna ist entsetzt über diese Geschichte und es entsteht eine Kluft zwischen beiden Figuren, wobei Titania unsicher wird. Sie will dann doch nicht in der Sendung reden. Anna ist verzweifelt und selbst der Meteorologe kann nicht helfen. Schließlich verlässt Titania die Bühne und kehrt nicht zurück. Anna weiß nicht weiter und verschwindet von der Bühne. Der Meteorologe kehrt zurück und hält einen Monolog über ein „enthauptetes Europa“ was auch die letzten Worte des Stücks sind. Das Thema Migration wird in diesem Stück in Frage gestellt und beide Frauen brillieren in ihren Rollen dank ihrer Authentizität und der großen Lust am Schauspielern. Obwohl der Meteorologe eine kleine Rolle spielt, wird dem Zuschauer klar, wie oberflächlich und falsch die TV-Welt sein kann. Figuren wie Titania gehen dadurch unter und verlieren ihre Stimme, die unterdrückt wird.



