LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Filmische Biografie „De Gaulle“: Erstmals wird dem General ein Kinofilm gewidmet

Fast 14 Wochen Abstinenz vom Kino mussten die Filmfans in Kauf nehmen. Daher war die Freude groß, sich wieder einen Film auf großer Leinwand ansehen zu dürfen. Der Andrang war nicht riesig, und wie immer am frühen Mittwochvormittag gaben sich die üblichen Verdächtigen unter den Filmkritiken das traditionelle Stelldichein. Alle wollten „De Gaulle“ von Gabriel Le Bomin sehen. Im kleinen Saal 6 des Kirchberger Kinokomplex musste jeder die Abstandsregeln von drei freien Sitzen zwischen zwei besetzten Plätzen einhalten. Es war schon komisch, nicht neben einer Kollegin oder einem Kollegen zu sitzen, und das in den ersten beiden Reihen, dort wo das Bild am größten ist und sich deutlich von der Größe eines Fernsehschirms unterscheidet. So saßen alle brav verteilt im Saal. Und am Ende waren sich dann doch alle einig: Es tut gut, wieder ins Kino zu gehen. Man hat etwas vermisst!

Glauben an den Sieg

General Charles de Gaulle (1890-1970) war eine der wichtigsten Figuren im Widerstand gegen das kriegerische Deutschland unter Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg. Das Kino hat ihm bis jetzt keinen Spielfilm gewidmet. „De Gaulle“ ist somit der erste Kinofilm, der eine kurze Periode im Leben des Generals und Staatsmanns beschreibt, nämlich die von April bis Juni 1940. Lediglich ein mehrteiliger Fernsehfilm handelte von de Gaulle: „Le Grand Charles“ von Bernard Stora (2006), in dem Bernard Farcy die Titelrolle spielte.

Lambert Wilson spielt in Le Bomins Biografie den Colonel de Gaulle, der vom französischen Ministerpräsident Paul Reynaud (Olivier Gourmet) zum General ernannt wird. Die Make-up-Abteilung hat hier gute Arbeit geleistet, und Wilson ähnelt dem jungen de Gaulle. Im Film vermischen sich de Gaulles Familiengeschichte und das Kriegsgeschehen. De Gaulle ist mit Yvonne (Isabelle Carré) verheiratet, und das Paar hat drei Kinder: Philippe (Félix Back), Elisabeth (Lucie Rouxel) und Anne (Clémence Hittin), die unter dem Down-Syndrom leidet. Er versucht Winston Churchill (Tim Hudson) mit Frankreich zu verbünden, um somit die Meinung von Maréchal Philippe Pétain (Philippe Laudenbach), dass Frankreich vor Hitler kapitulieren muss, zu kontern. Währenddessen reist die Familie aus dem heimischen Colombey-les-Deux-Églises nach Brest, wo man sich sicherer fühlt. Doch bald zieht die deutsche Armee in die Stadt, und Yvonne versucht mit ihren Kindern zu fliehen.

Unklares Geschehen

Nicht nur die Odyssee von Yvonne wird beschrieben, sondern auch in Rückblenden die Zeit nach der Geburt von Anne. Yvonne und Charles müssen sich auf die Erziehung eines behinderten Kindes einstellen, das beide aber abgöttisch lieben. Andererseits wird via Zeiteinblenden das Kriegsgeschehen akribisch nacherzählt, wie die Gespräche mit Churchill, der Streit mit dem Maréchal Pétain, der aufgeben will, oder die Bestrebungen von Männern wie Georges Mandel (Gilles Cohen), den Krieg der Freiheit wegen weiterzuführen.

In diesem Hin und Her bleibt besonders die Geschichte von Yvonnes Flucht auf der Strecke, und das wegen unpräzisen Erklärungen. Die Familie gelangt - wie auch immer - auf ein Schiff, und dann verirrt sich die Handlung in unklaren Geschehnissen, bis sie in London ankommt. Die Sorgen um Anne und die bedingungslose Liebe ihrer Eltern sorgt für ein paar emotionale Momente. Leider aber verliert sich der eigentliche Hauptstrang, die Geschichte von de Gaulle, in diesen Abweichungen.

Ein paar Kriegsszenen sind sehr gut nachgestellt und ebenfalls bestens in Szene gesetzt. Doch hätte man sich mehr Erklärungen zu den politischen Aktionen gewünscht.

Lambert Wilson spielt in überzeugender Manier den General, wie auch Isabelle Carré seine Frau. Insgesamt ist „De Gaulle“ jedoch ein mittelmäßiger Film, dem es an Konsequenz in der Inszenierung mangelt.