LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Ausstellung „18“ in den Rotondes: Künstler gestalten Minigolfanlage

Noch hat man eher das Gefühl, eine Baustelle zu betreten. Es wird gehämmert, geschleift und gesägt. Holzreste liegen in den Ecken, daneben Arbeitsgeräte und Werkzeug jeder Art. Bevor die Ausstellung „18“ am Donnerstagabend in und um die Rotondes eröffnet, muss definitiv noch einmal ordentlich durchgefegt werden. Doch bereits jetzt erkennt man natürlich, was die Besucher in den kommenden Wochen erwartet: jede Menge Spaß, denn hier entsteht gerade eine Minigolfanlage der ganz besonderen Art. Insgesamt sind 22 Künstler am Werk, um einen 18-Loch-Parcours mit spektakulären Bahnen entstehen zu lassen. In der Regel darf man Kunst ja nicht anfassen, sondern nur aus der Ferne betrachten, dagegen darf diese Ausstellung sogar bespielt werden.

Verschmelzung von zeitgenössischer Kunst und Spiel

„Die Idee kam von einem früheren Mitarbeiter und war eigentlich nur ein Witz, mir hat sie aber so gut gefallen, dass wir sie nun in die Tat umgesetzt haben“, erklärt Rotondes-Direktor Steph Meyers an diesem Dienstagmorgen, an dem die Presse schon mal reinschnuppern und selbst den Minigolfschläger schwingen darf. Ziel sei eine zeitgenössische Kunstausstellung in Verbindung mit der spielerischen Seite gewesen, das Ganze passend zum diesjährigen Sommerprogramm. Ein sehr breites Publikum soll angezogen und letztlich mit Kunst in Kontakt gebracht werden.

Künstler aller Art wurden für dieses Projekt ausgewählt. Ganz unterschiedliche Formate treffen aufeinander. „Alles Künstler, mit denen wir seit unseren Anfängen oder schon sehr lange zusammenarbeiten“, präzisiert Marc Scozzai.

Die Expo, beziehungsweise das Spielfeld dehnt sich auf das ganze Areal und alle Räume der Rotunden aus. Vier Minigolfbahnen befinden sich im Außenbereich. Loch 1 ist noch verhüllt, um die Überraschung bis Donnerstag zu wahren. Unschwer erkennt man jedoch, dass sich unter der Plastikplane ein alter Mini verbirgt, passend zweideutig dazu auch der Name dieser Station, für die Christophe Pfeiffer verantwortlich zeichnet: „Mini Golf“. An Loch 2 mit dem Namen „Golf Cayenne“ von Frédéric Rey fehlt noch der Rollrasen. Um die Ecke kniet Serge Ecker mit der Bohrmaschine bewaffnet am Boden. Langsam nimmt die von ihm konzipierte Bahn „Real (Error) State“ bestehend aus dünnen Aluminiumrohren und in Gold gestrichenen Ziegelsteinen, Form an. „Da wir uns hier inmitten von Baustellen befinden, wollte ich genau dieses Material nutzen. Und wenn man sich anschaut, wie hoch die Immobilienpreise inzwischen sind, könnte man fast meinen, die Gebäude wären aus Goldsteinen gebaut“, erklärt Ecker. Mit zwei sieben Meter langen Eisenbahnschienen hat unterdessen Trixi Weis an ihrer Station „Le long des rails“ gearbeitet.

Unterschiedliche Formen treffen aufeinander

„Conversation“ heißt die Bahn des Duos Keong-A Song & Marco Godinho in der Galerie von Rotunde 1. Die zwei Künstler hatten bisher nicht die Gewohnheit, zusammenzuarbeiten und lassen nun erstmals ihre Praktiken aufeinandertreffen. Ein Fahrrad steht Kopf, ein massiver Ast ragt zur Decke, Zimmerpflanzen in Kübeln stellen weitere Hindernisse dar. „Ausgangspunkt war, dass jeder von uns sich ein Objekt aussucht und wir darauf aufbauend eine skulpturale Situation schaffen. Am Ende ist doch ein großes Ensemble zusammengekommen“, bemerkt Godinho. In der Tat scheint diese Bahn mit den maximal erlaubten sechs Schlägen kaum zu bewältigen.

Vorbei am „Tipi Golf“ - der Name ist Programm - von Sven Becker & Paul Schroeder“ geht es zur Station von Daniel Wagener, der gerade den Teppichboden an seine Bahn „Golvend Golftapijt“ in Wellenform getackert hat und sich nun an der Sägemaschine zu schaffen macht. „Mir war es wichtig, den Hauptakzent auf die Bespielbarkeit zu legen. Wenn man es nicht schafft, den Ball einzulochen, ist das doch frustrierend“, lacht er. Die Idee und die Anfertigung eines Modells seien die eine Sache, die technische Umsetzung dann noch einmal etwas anderes.

Als nächstes sticht ein Wachturm ins Auge, bei dem von der oberen Plattform aus nach unten gespielt wird. „Arsène. Le Badin“ wurde von Max Mertens ausgeklügelt. „The Moving Circle“ direkt daneben stammt vom Künstlerduo Martine Feipel & Jean Bechameil: eine runde Plattform mit Hindernissen in unterschiedlichen geometrischen Formen, die noch dazu ständig ihren Rhythmus wechseln. Um den imposanten Looping von Raoul Gross zu bewältigen, muss man ordentlich ausholen und sollte vielleicht im eigenen Interesse einen Helm aufsetzen. Für Lucie Majerus‘ Bahn „Paint Ball / Prête-à-jouer“ muss man sogar in einen kompletten Schutzanzug schlüpfen, um Farbspritzer an den eignen Klamotten zu vermeiden. Farbkübel sind bei ihr nämlich „part of the game“. „Mit jedem Schlag hinterlässt der Spieler seine eigene Farbspur“, beschreibt sie. Nasse Füße riskiert man derweil beim Werk „The Drop“ von Stina Fisch & Leif Heidenreich. Im abgedunkelten Veranstaltungsraum von Rotunde 1 ist ein in der Schrottpresse zum Block verarbeiteter „Golf Bon Jovi“ der Blickfang der Bahn von Morgan Fortems, während es die Station von Guillaumit gleich in zweifacher Ausführung gibt. „Play on Steve“ kann nicht vor Ort, sondern auch in Form eines Videospiels gespielt werden. Die Bahn „Star spangles iron Curtain“ von Filip Markiewicz, bei der man eine E-Gitarre zum Erklingen bringt, sowie die Spiegel-Installation „Rotondednotor“ von Yann Annicchiarico fehlen noch.

In der „Buvette“ kommt derweil Club-Feeling auf. In „Club The Golf feat. Fonclair“ von Laura Mannelli (und DJ Fonclair) setzt man mit dem richtigen Schlag eine Lasershow und den dazu passenden Sound in Gang. Das letzte Loch befindet sich in Rotunde 2, wo Charles Wennig & Laurent Daubach auch noch einiges an Arbeit vor sich haben, um die monumentale Bahn „Doppelpunkt“ bespielbar zu machen. Ein hohes Maß an Konzentration ist bei dieser speziellen Minigolfanlage definitiv gefordert. Und wer meint, das Ganze wäre ein Kinderspiel, wird schnell eines Besseren belehrt.

 

Vernissage am Donnerstag um 17.00. Danach kann bis zum 26. August von donnerstags bis samstags 15.00-19.00 sowie sonntags 12.00-18.00 gespielt werden. Der Eintritt kostet 5 Euro, gratis bis 5 Jahre, 3 Euro bis 16 Jahre. Alle Infos unter www.rotondes.lu