LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Sympathie pour le diable“: ein Film, der auf realen Ereignissen basiert

Paul Marchand (1961-2009) war ein französischer Kriegsreporter. Er berichtete aus dem Libanon und aus Ex-Jugoslawien, genauer aus Bosnien und Herzegowina. Auf seinem Ford Sierra stand „Don’t waste your bullets, I am immortal“, aber er wurde von einem Sniper schwer verletzt und musste den Beruf aufgeben. Danach schrieb er ein paar Bücher und war oft Gast in TV-Shows. 2009 jedoch nahm er sich das Leben. Regisseur Guillaume de Fontenay verfilmte Marchands Roman „Sympathie pour le diable“, der 1997 erschien. Marchand drückte mit dem Titel aus, dass er ein Fan der Rolling Stones war, das Lied ist aber nicht im Film zu hören.

1992 in Sarajevo

Paul Marchand (Niels Schneider) raucht am liebsten kubanische Zigarren. Im Film gibt es nur ein paar Szenen, in denen er nicht an einer solchen zieht. Zusammen mit dem Fotografen Vincent (Vincent Rottiers) rast er durch das belagerte Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, mit seinem Ford
Sierra, damit ihn die Scharfschützen nicht treffen können. Wenn beide an einem Ort ankommen, der von einer Granate oder Bombe getroffen wurde, macht Vincent erstmal Fotos, während Paul die Menschen befragt. Sie helfen aber auch den Verletzten und bringen sie ins Krankenhaus. Zusammen anderen Reportern aus der ganzen Welt wohnen sie in einem Hotel .

Paul sucht eine Dolmetscherin, die ihm behilflich sein soll, wenn er sich mit serbischen oder bosnischen Soldaten verständigen muss. Ein Kollege, Ken (Arieh Worthalter), vermittelt ihm Boba (Ella Rumpf), die sich als kompetente Übersetzerin erweist. Nun kann er zu allen Kriegs-Parteien fahren, auf der Suche nach Scoops.

Politisch ungenau

Das größte Manko des Films ist, dass vorausgesetzt wird, dass jeder Zuschauer noch weiß, was es mit den Jugoslawienkriegen auf sich hatte, speziell dem Bosnienkrieg von 1992 bis 1995. Ganz spärlich wird mit Einblendungen erklärt, wie viele Bomben und Granaten täglich auf Sarajevo niedergehen und wie viele Menschen sterben oder verletzt werden. In einer nicht weiter erklärten Szene zählt Paul die Toten in einem Krankenhaus, nur um bei der Pressekonferenz den Kommandanten der Blauhelme zu verbessern. Wer aber wen dort bekämpft, wird nicht wirklich gesagt.

Somit bleiben einzelne Szenen, in denen Paul und Vincent durch Sarajevo rasen, sowie die grausame Tat eines Snipers, der Bobas dreijährigen Neffen in der Wohnung niederknallt, oder die Verletzung von Paul während der Fahrt. Das ist eindrucksvoll und spannend gefilmt. Paul ist mit ganzem Herzen Reporter und hofft durch seine Radiosendungen, die Situation zu verändern, und dass wenigstens Europa nicht tatenlos zuschaut, wie tausende von Menschen massakriert werden. Leider erklärt der Regisseur auch hier nicht allzu viel, wie zum Beispiel die Rolle der Blauhelme, die tatenlos rumstehen. Das ist schade, denn so wären möglicherweise alle Ereignisse zu verstehen.

Man muss ein paar Mal hinschauen, um Niels Schneider hinter der Brille und unter der Mütze zu erkennen. Er spielt den Reporter mit großer Überzeugung. Durch seine politische Ungenauigkeit ist aus „Sympathie pour le diable“ leider nur ein mittelmäßiger Film geworden.