LUXEMBURG
LUC SPADA

Es ist Mitte Oktober. Es ist wie jedes Jahr, einmal im Jahr, das kleine Tief: Woche für Woche. Etwas schreiben. Und so gerne man es auch tut, ist es manchmal nicht einfach. Aber was ist schon einfach, meldet sich der Kneipenchor in der hinteren Ecke des Kopfes. Was schreiben? Über wen? Über was? Es braucht eine kurze Zwischenbilanz.

Wie war es bisher? Die Frage ist ähnlich schwer, wie die von letzter Woche: Wie geht es dir? Wir hielten fest: Es geht schon irgendwie. Jetzt also: Und? Wie war es? Oder: Was war, dass es jetzt ist, wie es nun mal ist? Und ist das okay? Für dich? Für mich?

Da läufst du durch den Supermarkt und die wiederkehrende Frage: Was kaufe ich heute ein? Was koche ich? Nicht selten, wenn ich das tue, habe ich das Problem, dass es mich langweilt. Das Einkaufen. Das, was damit „produziert“ werden soll. Brotzeit? Ein bisschen Brot, Aufschnitt, Tomate, puh! Tiefkühlpizza? Nee, nicht schon wieder. Pasta? Boah, nee. Na gut, dann doch Brotzeit. Da stehe ich also im Supermarkt und verzweifle, weil ich denke, dass da viel zu viel Auswahl ist, und das ist Luxus, das ist viel mehr, als die meisten Menschen sich leisten können: Die Wahl zu haben, entscheiden zu dürfen. Und doch langweilt es mich. Ja, Käse. Ja, Schinken. Ja, Tomate, Pizza, Lachs, Butter, Joghurt, Pesto… Wie lange soll ich denn noch entscheiden, was ich essen will?

Hilfe, wiederholt sich denn alles? Fragst Du Dich das nie? Wenn Du morgens zur Arbeit fährst, gleiches Auto, gleiche Autobahn, gleiche Kollegen. Wie ist das für Dich? Ist das gut? Okay, warum nicht, aber warum? Ist das nicht gut? Nein? Aber warum machst Du denn weiter?

Ein anderer Schriftsteller fragte mich heute, es war Tag der offenen Tür in diesen Kreativräumen in Differdingen, ob ich es nicht auch krass finde, dass wir uns an 2000 erinnern können. „Was meinst Du?“, fragte ich. „Du bist doch über 30, und 2000 ist fast 20 Jahre her… Hast du Erinnerungen aus diesem Jahr?“, fragte und antwortete er. „Ja“, habe ich tatsächlich, „ich erinnere mich an die Angst, dass alle dachten, dass alles zusammenbrechen wird, die Computer, was auch immer das eigentlich heißt, die Krankenhäuser, so Systeme und so, ja“.

„Krass, oder? Die ganze Angst und du lebst immer noch, und die ganzen Ängstlichen wahrscheinlich auch. Mehr als zwanzig Jahre und nichts passiert, time flies“. Dann holte sich der gebürtige Schotte ein Bier und sprach mit jemand anderem. Ich schaute aus dem Fenster, oh, Vollmond, immer wieder das gleiche. Um sicher zu sein, dass es Vollmond ist, um meine Leser nicht mit falschen Informationen zu füttern, googele ich: Vollmond. Google antwortet, dass es der kleinste Vollmond des Jahres ist. Irgendwas mit Blutmond. Und für Hobbyastrologen ein echtes Highlight. Einen Abschnitt höher die Information, dass ein „DSDS-Star“ den Kampf gegen Krebs verloren hat. Kein wirkliches Highlight, eine schwere Krankheit. Mehr auch nicht. Sie kommt, sie geht, sie kommt zurück. So wie der Mond es auch tut. Und die Jahre, die Tomaten, die Zwischenbilanzen und der Joghurt. Wie war es bisher? Es wird schon weitergehen.