CLAUDE KARGER

Der Leitartikler des „tageblatt“ rechnete gestern mit den Patronatsvertretern ab, die dieses neumodische Dings namens Twitter während der letzten Sitzung des Wirtschafts- und Sozialrats mit allerlei „ornithologischen Zwischenrufen“ über den „Líder Máximo“ der größten Gewerkschaft im Land fütterten. „Ob die Herolde des Unternehmertums in eine pubertäre Phase zurückgefallen waren oder im Umgang mit dem neuen Medium noch nicht so geübt sind, um zu wissen, dass auch ein Tweet eine öffentliche Publikation darstellt, entzieht sich unserer Kenntnis“, kontert der Autor. Uns würde nicht wundern, wenn die Gewerkschaftler nun aufrüsten und beim nächsten WSR-Gipfel eine zünftige Zwitscherfehde vom Zaun brechen würden. Na hoffentlich schmiert der mühsamst angekurbelte Sozialdialog dabei nicht schon wieder ab. Abschmieren ließ das „tageblatt“ gestern übrigens die oft bemühte Behauptung „Luxemburg liegt im Herzen Europas“. Bis zur EU-Osterweiterung 2004 mag das fast gestimmt haben. Aber heute liegt das EUZentrum in der nordbayrischen Gemeinde Westerngrund bei Aschaffenburg, irgendwo zwischen der „Brotzeitstub‘n zum Kuhstall“ und dem Huckelheimer Forst. Ob aber im im Land der Deutschmaut-Erfinder das Herz der EU schlägt, wagen wir zu bezweifeln.